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Sun und AMD verbünden sich gegen Intel

18.11.2003
Sun setzt für Entry- und Midrange-Server künftig neben Sparc verstärkt auf AMDs Opteron-Prozessoren. Solaris und das Java Enterprise System werden entsprechend angepasst.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf der Comdex Fall in Las Vegas haben Sun Microsystems und Advanced Micro Devices (AMD) gestern eine weit reichende Partnerschaft angekündigt. Im kommenden Jahr will Sun eine komplette Palette von Servern herausbringen, die AMDs 32/64-Bit-Hybridprozessor "Opteron" verwenden. Dies dürfte zwar laut "Computerwire" einige Kritiker verstummen lassen, aus deren Sicht Sun bislang die harte Realität ignorierte, dass seine Ultrasparc-Plattform erheblich gegenüber dem Wettbewerb zurückgefallen ist.

Scott McNealy und Hector Ruiz teilten sich zur Ankündigung ihrer Allianz die Comdex-Bühne.
Scott McNealy und Hector Ruiz teilten sich zur Ankündigung ihrer Allianz die Comdex-Bühne.

Gleichzeitig dürften diese Kritiker aber alsbald zu lamentieren beginnen, wie lange es dauert, bis Sun seine AMD-Hardware und ein passendes 64-Bit-Solaris für den Opteron herausbringt. Einen Server und einen Software-Stack zu kombinieren ist erfahrungsgemäß keine Sache von Wochen, sondern dauert - inklusive Design, Prototyping und Tests der Maschinen, Software-Tuning für Produkte von Drittanbietern und Schreiben von Peripherie-Treibern sowie abschließendem rigorosem Test der Gesamtlösung - Monate, wenn nicht Jahre. Zeit, die angesichts des harten Wettbewerbs eigentlich weder Sun noch AMD haben.

Davon abgesehen ist die Kooperation sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Die Allianz werde beiden Firmen helfen, ihre Marktpotenzial auszuweiten und gleichzeitig IT-Kunden in den Bereichen HPC (High Performance Computing), Enterprise Computing und Internet-enabled Computing noch mehr Auswahl bieten, urteilt beispielsweise die International Data Corp. (IDC). Allerdings bedürfe es schon der vereinten Kräfte beider Anbieter, den Herausforderungen eines etablierten x86-Marktes zu begegnen, der sicher nicht tatenlos zusehen werde.

Für Sun bietet die Entscheidung für Solaris for x86 auf Opteron-Prozessoren im Einstiegs- und Midrange-Bereich aus Sicht von "Computerwire" jedenfalls interessante Perspektiven. Und AMD kann erstmals einen echten Tier-One-OEM-Partner im Server-Bereich vorweisen (und dürfte die Zusammenarbeit auf das Workstation-Segment ausweiten wollen). IBM verbaut den Opteron zwar in seinem HPC-Server "xSeries 325", sieht AMDs Architektur bislang aber alles andere als strategisch.

Sun veranstaltet mit der Opteron-Unterstützung in gewisser Weise einen Eiertanz, denn es will keinesfalls den Eindruck erwecken, der hauseigene Ultrasparc habe keine Zukunft mehr. Firmenchef Scott McNealy erklärte in Las Vegas vor Presse und Analysten, die Partnerschaft mit AMD werde es Sun im Gegenteil ermöglichen, verstärkt in Ultrasparc IV und V sowie Throughput Computing zu investieren. Suns Dual- und Acht-Core-Prozessoren ("Gemini", "Niagara") sind noch Jahre entfernt und nützen darum im aktuellen Kampf gegen Dell, HP und IBM im Entry- und Midrange-Markt vorerst wenig.

McNealy räumte ein, dass Sun schon vor fünf Jahren einen eigenen Intel-basierenden Server mit Solaris for x86 hätte bringen sollen. "Wir waren im x86-Spiel spät dran, aber jetzt sitzen wir voll am Drücker", erklärte der Sun-Chef. "Wir sind der erste Rock-and-Roll-Anbieter auf dem Opteron." Allerdings sind Suns Produktpläne derzeit ein wenig vage, woran auch die Ausführungen von Neil Knox, General Manager der Volume Systems Group, nichts änderten. In der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2004 wird es von Sun zunächst Zwei- und Vier-Wege-Opteron-Server geben (Hard- und Softwarepartner sollen die Maschinen noch in diesem Jahr erhalten), später sollen weitere Systeme folgen - aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer beziehungsweise acht Prozessoren - die von AMD verwendete "Hypertransport"-Verbindungstechnik skaliert bis hierhin problemlos. Workstations mit AMD-Chips sind ebenfalls wahrscheinlich, falls diese ein hinreichend interessantes

Preis-Leistungsverhältnis aufweisen.

Wie eng die Zusammenarbeit zwischen Sun und AMD bei der weiteren Entwicklung der CPUs sein wird, ist noch nicht abzusehen. So intim wie zwischen HP und Intel beim Design des "Itanium" zunächst wohl kaum - dies könnte sich aber ändern. Interessant für Sun ist auf jeden Fall Hypertransport, das technisch große Ähnlichkeit mit dem "Wild Cat Sun Fire Link" aufweist. Interessant werden könnte AMD (neben Langzeit-Sparc-Partner Fujitsu) auch als Foundry für die Produktion der Ultrasparc-Prozessoren, die gegenwärtig exklusiv von Texas Instruments (TI) gefertigt werden.

Softwareseitig läuft Solaris in der aktuellen 32-Bit-Version zwar bereits auf dem Opteron. Eine speziell an den AMD-Chip angepasste Variante des Betriebssystem soll in einer Early-Adopter-Ausführung im April oder Mai kommenden Jahres über "Sun Software Express for Solaris" erscheinen. Die General Availability von Solaris for Opterons ist für August geplant. Was vermutlich bedeutet, dass Sun den Erscheinungstermin von Solaris 10 um zwei Monate vorzieht - die Solaris-Versionen für Sparc und Opteron sollen jedenfalls "Bug für Bug, Feature für Feature" zueinander kompatibel sein. Auch das "Java Enterprise System" wird für den Opteron optimiert, einen Erscheinungstermin nannte Sun hierfür nicht.

Die Sun-Fire-Server mit Opterons sollen laut Knox außerdem auch unter den Linux-Distributionen von Red Hat und Suse/Novell laufen. Ob sich auch Windows darauf betreiben ließe, wollte der Sun-Mann nicht verraten. Theoretisch müsste dies (wie schon bei den aktuellen P4/Xeon-Maschinen "V60x" und "V65x") möglich sein, aber bei Sun geht es naturgemäß nur um Solaris und Linux.

Der Erfolg der Kooperation hängt zu großen Teilen natürlich davon ab, ob es gelingt, auch die Solaris-ISVs (unabhängige Softwareanbieter) für die Solaris-Opteron-Kombination zu begeistern. Hierfür stellen Sun und AMD Mittel und Leute ab und investieren auch in die gemeinsame Vermarktung der resultierenden Produkte. Unter anderem Bea, Cadence, Computer Associates, Oracle und SAP haben bereits angekündigt, die neue Allianz zu unterstützen. (tc)