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Sun meldet herbe Verluste und tauscht Manager aus

16.04.2004
Sun hat für sein drittes Fiskalquartal 760 Millionen Dollar Verlust ausgewiesen. Das Management wird umgebaut, um unter Ägide von Jonathan Schwartz offenbar auch bei Hardware auf Jahresabos umzuschwenken.

Sun Microsystems hat gestern nach US-Börsenschluss die nach der Warnung von Anfang des Monats erwartet desolaten Zahlen für sein drittes Fiskalquartal vorgelegt. Das Unternehmen weist einen Nettoverlust von 760 Millionen Dollar oder 23 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu einem Gewinn von vier Millionen Dollar oder break-even je Anteilschein im Vorjahreszeitraum. Das aktuelle Ergebnis wird durch Abschreibungen von 500 Millionen Dollar für Entlassungen und steuerliche Änderungen belastet, ohne die sich ein Pro-forma-Fehlbetrag von 260 Millionen Dollar oder acht Cent pro Aktie ergibt.

Suns Quartalsumsatz ging im Jahresvergleich von 2,79 Milliarden Dollar auf 2,65 Milliarden Dollar zurück - das zwölfte Quartal in Folge, in dem der Umsatz unter dem Vergleichswert des Vorjahres lag. "Suns Geschäft läuft fundamental schlechter als früher", warnt Sanford-Bernstein-Analyst Tony Sacconaghi. Der Experte geht davon aus, dass ohne begünstigende Währungseffekte Suns Umsatz realistisch um zehn Prozent sank - anders als bei etwa IBM oder EMC, die mehr erlösten als vor Jahresfrist.

Einige kleinere Lichtblicke gab es aber durchaus in der Bilanz - beispielsweise konnte Suns Servicesparte ihre Einnahmen im Jahresvergleich von 893 auf 940 Millionen Dollar steigern. Außerdem stieg die Zahl der zahlenden Abonnenten für das Server-Softwarepaket "Java Enterprise System" von 93.000 zu Ende des vorhergehenden Vierteljahrs um 88 Prozent auf aktuell 175.000.

Sun-Chef Scott McNealy bemühte sich um Schadensbegrenzung und erklärte, seine Firma habe "mehr Momentum als die Zahlen aussagen". Beispielsweise kämen im laufenden Quartal neue Produkte auf den Markt. Überdies habe Sun die Überweisung von Microsoft aus der Einigung beider Firmen erhalten, was die finanzielle Ausstattung Suns verbessere. Sun werde weiterhin aggressiv seine Kosten senken, kündigte McNealy weiter an. Die Entlassung von 3300 Mitarbeitern oder neun Prozent der Belegschaft hatte Sun bereits Anfang des Monats bekannt gegeben.

Im Zuge der Ergebnisse kündigte Sun überdies wichtige Personalien an. Mit Mark Tolliver, Chief Marketing and Strategy Officer, und Neil Knox, Executive Vice President mit Verantwortung für die Volumenprodukte (sprich x86-Server) des Herstellers, verlassen zwei prominente Manager das Unternehmen. Außerdem wurden die Bereiche für Prozessoren und Ultrasparc-basierende Server zur neuen Thoughput Systems Group zusammengelegt. Diese Sparte leitet künftig der bisherige Prozessor-Chef David Yen. Unklar ist die Zukunft von Clark Masters, der zuvor für die Enterprise Systems zuständig war und Sun-intern einen neuen Aufgabenbereich sucht. Neu etabliert wurde zudem der Bereich Network Systems, der sich unter der Interimsleitung des früheren Software-CTO John Fowler um die die x86-Server mit Prozessoren von Intel und AMD kümmert.

Nachfolger des früheren iPlanet-President Tolliver als Marketing- und Strategiechef wird Anil Gadre, zuvor Vice President of Software Marketing. Neuer Vice President of Corporate Development ist Brian Sutphin. Alle neu ernannten Manager berichten an den früheren Softwarechef und inzwischen Chief Operating Officer Jonathan Schwartz. Branchenkenner Jonathan Eunice von Illuminata wertet das Stühlerücken zusammen mit der Microsoft-Partnerschaft als gravierend: "Sun ist zu dem Schluss gekommen, dass sie viele Dinge ändern müssen", meint der Analyst. McNealy versuchte die Veränderungen herunterzuspielen: "Nur ganz wenige Leute bekommen einen neuen Chef - was wirklich durchschlagend wirken würde", sagte der Sun-Mitgründer.

Es hat den Anschein, als versuche Sun nach der Inthronisierung von Schwartz bisher "Kisten-fokussierte" Manager loszuwerden und mit neuen Köpfen auch im Hardwarebereich eine auf Jahreszahlungen basierende Vertriebsstrategie aufzusetzen. Seit Februar beispielsweise können Kunden den PC-Server "VM20z" mit Solaris 9, Java Studio Enterprise und Sun Studio für 1499 Dollar per annum mieten; regulär kostet die Maschine knapp 2800 Dollar. "Betrachten Sie Sun doch einfach als Vorankündigung eines aus unserer Sicht interessanten Modells, bei dem wir die Hardware kostenlos abgeben", orakelte Schwartz. (tc)