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Sun konkretisiert Pläne über Open-Source-Variante von Solaris

03.06.2004

Nach monatelangen Spekulationen hat Sun Microsystems nun bestätigt, daran zu arbeiten, den Quellcode seines Betriebssystems Solaris unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen. Entsprechende Überlegungen bestätigte Sun-Sprecher Russ Castranovo am Rande der Sun-Veranstaltung Network Computing 2004 im chinesischen Shanghai. Nähere Details will der Server-Spezialist derzeit jedoch nicht verraten. Fragen nach dem Lizenztyp, welcher Teil des Source Codes geöffnet werden und wann das Vorhaben abgeschlossen sein soll, bleiben unbeantwortet. Sun stecke noch in der Entwicklungsphase, dämpft Castranovo die Open-Source-Euphorie. Es müssten noch jede Menge Details geklärt werden.

Auch Sun-intern scheint das Projekt noch nicht abschließend diskutiert zu sein. So hatte erst kürzlich Sun-CEO Scott McNealy öffentlich bezweifelt, ob eine Open-Source-Strategie in Sachen Solaris Sinn gebe. Experten gehen jedoch davon aus, dass der neue Chief Operating Officer (COO) von Sun, Jonathan Schwartz, der auch als der neue starke Mann des Server-Spezialisten gehandelt wird, das Open-Source-Vorhaben forciert. Sun hat in der Vergangenheit deutlich Marktanteile an Linux-Plattformen im Server-Geschäft verloren. So wurden laut einer Studie von International Data Corp. (IDC) allein im ersten Quartal 2004 rund 57 Prozent mehr Linux-Server ausgeliefert als noch ein Jahr zuvor. Das Unix-Segment, zu dem auch Solaris zählt, beklagte dagegen einen Rückgang um drei Prozent.

Angesichts dieser Zahlen müsse sich Sun mit seinen Open-Source-Plänen beeilen, fordert Eric Raymond, Gründer der Open Source Initiative (OSI), einer Non-Profit-Organisation, die Unternehmen in Sachen Open-Source-Lizenzen berät. Sollte das Vorhaben nicht binnen sechs Monaten abgeschlossen sein, könne Sun seine Pläne gleich fallen lassen, weil sich Linux viel schneller weiterentwickle. Die Absicht, Solaris zu öffnen, habe auch eine ironische Komponente. Linux wurde unter anderem deshalb entwickelt, weil Solaris zu teuer und immer geschlossen war. Hätte Sun die Zeichen der Zeit früher erkannt und sein System als Open Source bereitgestellt, hätte es Linux nie gegeben, erläutert Raymond. (ba)