Web

Literaturtreff im Web

Suchmaschine für den maßgeschneiderten Krimi

28.09.2009
Lange vor den E-Books haben literaturinteressierte Menschen das Web als Treffpunkt entdeckt, um sich auszutauschen. Wir stellen drei Kontaktadressen vor.

Was für ein Schmöker darf es denn sein? Ein Thriller, brutal und mit blutigen Details? Beim "Krimi-Berater Dr. Watson" auf der Internetseite Krimi-Couch.de kein Problem. Soll die Handlung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt sein? Eine Geschichte, in dem mindestens zwei weibliche Heldinnen vorkommen? Alles ist möglich: Der Nutzer kann sich mit der Suchmaschine bis zum perfekt auf ihn zugeschnittenen Buch durchklicken.

Die Krimi-Couch ist nur eines von vielen innovativen Buchportalen. Auch das "Literaturcafé" oder die "Leselust" wenden sich im Internet an Buchliebhaber, denen die Amazon-Kundenrezensionen nicht reichen oder die sich über Bücher im Internet austauschen wollen. Viele der Portale stehen seit vielen Jahren im Web und entstanden, anders als die Verlagswebseiten, nicht ausschließlich aus Profitgründen.

"Am Anfang ging es einfach nur darum, die Wallander-Krimis in eine Reihenfolge zu bringen", erzählt Lars Schafft, der Mann hinter der Krimi-Couch, von den Anfängen im Jahr 2002. "Ich habe mich geärgert, dass er im dritten Roman, der auf Deutsch erschienen ist, noch verheiratet war, obwohl er im zweiten Fall geschieden wurde." Aus dieser kleinen Fleißaufgabe ist inzwischen ein großes Projekt geworden: Außer der Suchmaschine stehen rund 2.400 Rezensionen auf der Seite, rund 37.000 Leserbewertungen sind hinterlegt, im Frühjahr hat Schafft den "Grimme Online Award" gewonnen.

Inzwischen wurde das Angebot auch auf andere Genres ausgeweitet, zum Beispiel gibt es nun auch eine Histo-Couch und eine Kinderbuch-Couch. Der Germanistik- und Anglistik-Student Schafft kann nach eigenen Angaben von der auf den Seiten geschalteten Werbung leben, seine rund 50 Helfer bekommen eine "Anerkennung". Er gibt aber zu: "Wir zahlen nicht die Honorare, die wir eigentlich müssten." Häufig zeigt sich der Lohn auch in ungewohnter Form: "Es ist einfach toll, wenn wir einen Neuling zu unserem Treffer des Monats machen, und dann trifft man den auf der Buchmesse und er bedankt sich für die erste gute Rezension im Ausland", erklärt der 30-Jährige.

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