USA gaben Startschuss durch Exportliberalisierung

Studie: Weniger Regulierung bei der Kryptografie

14.04.2000
MÜNCHEN (CW) - Internet-User können aufatmen: Die amerikanische Verbraucherschutzorganisation Electronic Privacy Information Center (Epic) sieht die Regulierungsbemühungen gegenüber Verschlüsselungstechniken weltweit auf dem Rückzug.

Das Wachstum des elektronischen Handels und gleichzeitige Bedürfnis nach dem Schutz der Privatsphäre und Sicherheit im Internet habe viele Regierungen überzeugt, die Entwicklung von Kryptografie nicht länger zu überwachen oder zu behindern, so die Organisation in einer aktuellen Studie. Epic-Berater David Sobel bezeichnet in dem Report die weitgehende Aufhebung der Exportrestriktionen für Verschlüsselungssoftware durch die US-Regierung Anfang Januar dieses Jahres als Meilenstein für die weitere Entwicklung. Damals hatte er allerdings noch kritisiert, dass die Clinton-Regierung sich nicht zu einer vollständigen Freigabe durchringen konnte.

Dennoch gibt es laut Sobel in verschiedenen Ländern Vorschläge, den öffentlichen Einrichtungen die Möglichkeit einzuräumen, bei Bedarf die Schlüssel zum Decodieren von Daten oder gleich die dechiffrierten Informationen einzufordern. Dies sei in Großbritannien, Indien, Belgien und den Niederlanden der Fall. Allerdings bezeichnet der Epic-Mann diese Denkansätze als vergleichsweise harmlos gegenüber der Politik von Ländern wie Burma, China, Kasachstan, Pakistan, Russland, Tunesien und Vietnam, die den Einsatz von Krypto-Technik sehr restriktiv behandeln. Diese Länder würden sich dadurch isolieren, und es dürfte ihnen laut Sobel sehr schwer fallen, ihre Verordnungen auf Dauer aufrechtzuerhalten, da Verschlüsselungstechnik so weit verbreitet ist. "Nur durch massive Überwachung ließen sich Krypto-Verbote durchsetzen", bemerkt die Epic.