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Studie: US-Bibliotheken filtern über die Maßen

11.12.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In einer in der aktuellen Ausgabe des "Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Studie weist die Kaiser Family Foundation darauf hin, dass die in vielen US-Bibliotheken und -Schulen installierten und meist auf höchste Sicherheitsstufe eingestellten Internet-Filter weit über das Ziel hinausschießen, Minderjährigen den Zugang zu pornographischen Inhalten zu verwehren. Rund ein Viertel aller Seiten zum Thema Gesundheit fallen der Filterzensur gnadenlos zum Opfer, darunter auch die Hälfte aller Angebote mit Informationen zum Thema Safer Sex.

Kein Durchkommen durch die gängigen Filter gibt es etwa für die Site des CDC (Center for Disease Control and Prevention) über Geschlechtskrankheiten, Informationen der FDA (Food and Drug Administration) über Fehlerraten bei unterschiedlichen Verhütungsmethoden oder das Angebot der Princeton University zum Thema Notfallverhütung. Caroline Richardson, Mitautorin des Berichts und Wissenschaftlerin an der University of Michigan, hält das für fatal: "Viele Teenager wagen sich mit sexuellen Fragen nicht zum Arzt, weil sie sich schämen oder um die Vertraulichkeit sorgen, und für diese ist das Internet eine wichtige Quelle, um Antworten auf diese Fragen zu bekommen."

Die Kaiser-Stiftung stellte bei ihrer Untersuchung fest, dass durch restriktivere Voreinstellungen in der Filtersoftware die Zahl der abgewiesenen seriösen Sites drastisch ansteigt, wohingegen auch auf der niedrigsten Stufe fast ebenso viel Pornographie geblockt wird wie auf der höchsten. Den Anwendern empfiehlt die Studie daher, ihre Software entsprechend herunterzustufen, um möglichst viel Gesundheitsinformationen durchzulassen.

Der Children's Internet Protection Act aus dem Jahr 2000 verpflichtet alle aus Bundesmitteln geförderten Schulen und Bibliotheken der USA dazu, Filtersoftware gegen anstößige Inhalte zu verwenden. Das Gesetz wurde zwar heuer für verfassungswidrig erklärt, das Justizministerium zog daraufhin aber vor den Supreme Court, wo es erst Anfang kommenden Jahres erste Anhörungen geben soll. (tc)