Web

 

Streit um Topentwickler: Google kontert Microsoft mit Gegenklage

22.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Streit um die Abwerbung eines Microsoft-Topentwicklers für die neue Forschungsabteilung von Google in China geht in die zweite Runde. Microsoft hatte Google und den ehemaligen Senior Vice President Kai-Fu Lee in Washington wegen Verletzung von Wettbewerbs- und Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag verklagt (siehe auch: "Microsoft zerrt Google vor den Kadi"). Nun kontert der Suchmaschinenbetreiber mit einer Gegenklage beim obersten Gericht von Kalifornien. Darin argumentiert das in Mountain View ansässige Unternehmen, dass Microsoft Lee nach kalifornischem Recht nicht bei der Wahl seines künftigen Arbeitgebers behindern dürfe.

Die Windows-Company hatte den Chinesen Ende der 90er Jahre beauftragt, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Peking aufzubauen. Zuletzt war der 43-jährige Spezialist für Spracherkennung und künstliche Intelligenz als Vice President der Microsoft-Abteilung "Natural Interactive Services" tätig. Am Dienstag hatte Google jedoch in einer Pressemitteilung verkündet, dass Lee als Leiter seiner neuen Forschungs- und Entwicklungsabteilung in China anfängt.

Da Lee über ein detailliertes Wissen über Microsofts Pläne im Bereich Suchtechnologie sowie über die China-Strategie des Unternehmens verfüge, fürchten die Redmonder Wettbewerbsnachteile, wie der Konzern in seiner Klageschrift vor dem King County Superior Court in Seattle ausführt. Dass der Abtrünnige nun bei einem direkten Konkurrenten eine Position übernehme, in der er sich mit exakt denselben Techniken und Strategien befasse, sei eine ungeheuerliche Verletzung seiner vertraglichen Pflichten. Als Konsequenz forderte Microsoft, das Gericht solle über eine einstweilige Verfügung sicherstellen, dass Google und Lee die Klauseln im Arbeitsvertrag nicht verletzten. Der Gegenklage sieht der Softwareriese dabei angeblich gelassen entgegen. Googles Konter vor einem kalifornischen Gericht stelle nur einen schlecht kaschierten Versuch dar, das im Bundesstaat Washington geltende Recht auszuhebeln, erklärte Microsoft-Sprecherin Stacy Drake McCredy. Man sei zuversichtlich, dass die Richter Googles rechtliche Manöver durchschauen würden. (mb)