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Streit um DVD-Format wird hitziger

30.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Intel und Microsoft kürzlich ein Bekenntnis für Toshibas HD-DVD als das zukünftige DVD-Format ausgesprochen haben, greifen Hewlett-Packard und Dell - beide Verfechter der Blu-Ray-Disk von Sony - ihre Hauptlieferanten an. Intel und Microsoft sollen in ihrer Begründung zugunsten von HD-DVD "ungenaue" (inaccurate) Informationen verbreitet haben. HP ist der Meinung, dass Blu-Ray aus Sicht des PC-Anwenders das bessere Format ist, weil es bis zu 150 Prozent mehr Speicherkapazität als die Konkurrenztechnik liefert, einen höhere Transferrate aufweist und sich auch in dünne Notebooks einbauen lässt.

Dell-Gründer Michael Dell attackierte Microsoft mit der Frage, welche Version von Windows die erste war, die DVD-Laufwerke unterstützte: "Die Antwort ist, es gibt keine, denn Windows enthält keinen DVD-Code. Die Hersteller haben immer ihre eigenen Programmcodes geliefert."

Microsoft erwiderte die Vorwürfe der PC-Hersteller mit dem Eingeständnis, dass Blu-Ray zwar einige Optionen wie etwa die Hybrid-Disk biete, diese Funktionalität aber von HD-DVD schneller bereitgestellt werde. Microsoft sieht es darüber hinaus als "kritisch an, dass die Inhalte aller neuen DVD-Generationen auf den PC geladen werden können". Offenbar will der Softwareriese hier einen Riegel vorschieben. Zwar soll die für 2006 geplante neue Windows-Version "Vista" das Abspielen und Kopieren von herkömmlichen und HD-DVD-Disk erlauben. Microsoft überlegt aber, ob sich die Inhalte auch auf Festplatten kopieren lassen sollen.

Händler und Konsumentenvereinigungen sind sich einig, dass sich die Industrie auf einen Standard einigen muss. Beispielsweise hat "The HD Disc Consumer Adcocacy Alliance" (www.dvdsite.org) einen Fünf-Punkte-Forderungskatalog aufgestellt, was das zukünftige Format erfüllen muss. Ganz oben in dieser Liste steht der Ruf nach einem einheitlichen Standard. Eine Einigung ist auch nicht ganz ausgeschlosssen, da beide Lager erst kürzlich wieder die Gespräche um eine Einigung aufgenommen haben.

Ausgeklinkt aus dem Streit hat sich China, das - allerdings basierend auf Toshibas HD-DVD-Technik - mit "Audio Video Coding Standard" (AVS) eine eigene Version entwickelt. Hintergrund dabei sind die Kosten: China will wie schon bei der DVD-Eigenentwicklung "Enhanced Versatile Disc" (EVD) Lizenzgebühren sparen. EVD war allerdings kein Kassenschlager, weil die chinesischen Konsumenten nicht 200 Euro für ein EVD-Laufwerk ausgeben wollten. (kk)