Von Software Defined Storage bis Flash

Storage-Herausforderungen 2018 - Speichertechnologien im Wandel

Bernhard Haluschak ist als Redakteur bei der IDG Business Media GmbH tätig. Der Dipl. Ing. FH der Elektrotechnik / Informationsverarbeitung blickt auf langjährige Erfahrungen im Server-, Storage- und Netzwerk-Umfeld und im Bereich neuer Technologien zurück. Vor seiner Fachredakteurslaufbahn arbeitete er in Entwicklungslabors, in der Qualitätssicherung sowie als Laboringenieur in namhaften Unternehmen.
Digitalisierung, IoT, Edge-Computing, Cloud-Dienste, Hyperkonvergente Systeme oder All Flash, das sind Themen und Technologien, die IT-Verantwortliche im Storage-Umfeld 2018 auf dem Radar haben sollten - doch warum? Die Antworten geben Storage-Experten namhafter Hersteller.

Unternehmen müssen sich in Verbindung mit IT neu erfinden, um im Markt durch den steigenden Kostendruck konkurrenzfähig zu bleiben. So zwingen immer mehr Digitalisierungsprojekte die IT-Abteilungen, die vorhandenen IT-Ressourcen zu konsolidieren und im Extremfall sogar disruptiv zu handeln, in dem man sich von der althergebrachten IT verabschiedet und völlig neue Technologien einsetzt. So sind Cloud Services und Software Defined Datacenter (SDDC) Technologien, die die zukünftige IT-Landschaft prägen werden.

In diesem Umfeld müssen sich auch Storage-Infrastrukturen neu definieren, um den neuen Herausforderungen wie Internet of Things (IoT), Künstliche Intelligenz (KI) oder Big Data Analytics gerecht zu werden. Software Defined Storage (SDS) ist dabei ein zentrales Element, um Speicher-Ressourcen einfach in Abhängigkeit vom Bedarf zu allokieren.

In Bezug auf diese Themen haben wir die etablierten Storage-Anbieter gefragt, mit welchen IT-Trends sich ein IT-Verantwortlicher im Bereich Storage 2018 beschäftigen müssen? Hier die Antworten:

Storage im Technologiewandel

Uwe Müller, Head of Sales & PreSales Datacenter; Cisco: "Bislang fand die Datenspeicherung größtenteils im eigenen Rechenzentrum statt. Aufgrund der explodierenden Datenmengen, durch die umfassende Digitalisierung und weitere Vernetzung getrieben, ist eine ausschließliche zentrale Speicherung keine alleinige Option. Unternehmen greifen auf Cloud-Services und Services am Edge zurück. Die Speicherung und Verarbeitung der Daten finden also zunehmend auf Endgeräten, Edge-Servern und in der Cloud statt. Durch dieses Fog Computing und Edge Computing lassen sich mit Hilfe neuer Applikationen Daten auf neue Weise verarbeiten. Wenn kumulierte Daten oder Anomalien zur weiteren Analyse in die Cloud gesendet werden, spart dies Bandbreite und Speicherplatz."

"Eine neue Herausforderung für das Storage entsteht auch im Bereich Sicherheit. So zeigt der aktuelle Cisco Midyear Cybersecurity Report (MCR) eine Angriffsmethode zur Zerstörung von Backups und Sicherheitsnetzen von Unternehmen. Bei solchen Destruction-of-Service-Attacken haben die betroffenen Unternehmen keine Möglichkeit mehr, Daten wiederherzustellen. Zur Abwehr kommen immer häufiger automatisierte Lösungen, maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Dabei ist auch im verschlüsselten Datenverkehr Malware zu erkennen und abzuwehren, ohne den Datenschutz zu beeinträchtigen."

"Mit der dezentralen Nutzung von Daten wird deren Sicherheit durch fortschreitende Digitalisierung ermöglicht."

André Braun, Director Dell Storage Germany; Dell/EMC: "Ein Trend ist das Full Flash Datacenter. Die Zukunft der Storage-Landschaften in Unternehmen ist klar auf Flash-basierte Systeme ausgerichtet. Flash ermöglicht einen deutlich schnelleren Zugriff, eine einfachere Verwaltung und bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Storage-Systemen, die auf drehenden Platten beruhen, auch einen erheblichen Kostenvorteil. Flash-Systeme zur Datenspeicherung sorgen durch die kürzeren Antwortzeiten für deutlich niedrigere Wartezeiten der restlichen Infrastruktur. Das ermöglicht eine höhere Auslastung der Komponenten, was zu weiteren Einsparungen führt.

Ein weiterer Trend sind Multi-Cloud-Umgebungen. Anwender müssen sich nicht mehr starr zwischen On- und Off-Premise entscheiden. Die Systeme werden 2018 zunehmend in der Lage sein, dynamische Workloads in angebundene Storage Clouds auszulagern und somit dafür sorgen, dass die Speicherung von Daten noch effizienter geschieht."

"Als dritten Trend sehen wir Storage als Basis für analytische Datenauswertungen. Der Wert von Daten liegt bekanntlich darin, sie zu analysieren und zu nutzen. Wir werden 2018 effektivere Methoden der Datenauswertung erleben, denn sie profitieren von den modernen Speichertechnologien. Flash-basierte Systeme und Filesysteme bieten, abgestimmt auf Applikationen, eine deutlich schnellere Datenauswertung und damit eine Korrelation der Daten untereinander."

"Ein vierter Trend ist Storage auf Basis von "Software-Defined": Die Industrie hat inzwischen verstanden, dass es nicht sinnvoll ist, Funktionalitäten in Hardware einzubetten - dazu passieren Innovationen zu schnell und die Anforderungen in Unternehmen ändern sich zu rasch. Software als Basis der Speicherlandschaft im Unternehmen wird die Innovationsgeschwindigkeit und -zyklen künftig noch weiter beschleunigen."

Stefan Roth, Head of Storage, Category Management Datacenter Central Europe; Fujitsu: "Der Trend im Bereich Storage geht auch 2018 eindeutig zu Flash-Speicher in Form von All-Flash- und Hybrid-Flash-Systemen. Das liegt zum einen an den sinkenden Kosten dieser Systeme, insbesondere, wenn man die Kosten Ende-zu-Ende betrachtet. Dadurch werden Flash-Storage-Systeme auch für kleinere und mittelständische Unternehmen erschwinglich. Zum anderen haben Nutzer von Storage-Komponenten erkannt, dass Flash-Speicher-Systeme ein wichtiger Baustein im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie sind."

"Storage-Architekturen auf Basis von Flash-Systemen bieten eine hohe Performance, kurze Antwortzeiten und eine hohe Effizienz. Hinzu kommen die niedrigen Betriebskosten, bedingt durch niedrigeren Stromverbrauch und Platzbedarf im Rechenzentrum sowie den geringeren Administrationsaufwand. Diese Faktoren spielen auch 2018 eine wichtige Rolle, zumal die IT-Budgets nach wie vor keine hohen Steigerungsraten aufweisen. Die Kosten sind daher auch ein Argument, das für hybride Disk- und Flash-Storage-Komponenten spricht. Sie bieten einen Mix aus schnellen, dafür kostspieligeren SSDs und langsameren, aber preisgünstigen Festplatten."

"All-Flash-Lösungen der zweiten Generation verfügen zudem über Eigenschaften, die bislang Systemen der Enterprise-Storage-Kategorie vorbehalten waren. Dazu zählen Hochverfügbarkeits- und Disaster-Recovery-Funktionen. Auch auf Quality-of-Service-Merkmale müssen Nutzer bei solchen All-Flash-Systemen nicht verzichten."

"Letztlich wird sich im Bereich Primär-Speichersysteme folgende Arbeitsteilung etablieren: All-Flash-Storage für anspruchsvolle und "leistungshungrige" Workloads, Hybrid Storage für die Konsolidierung der Storage-Umgebung und Hyperscale Storage für Datenbestände, die massiv zunehmen."

Enterprise Storage und Data Protection

"Aber auch leistungsstarke Enterprise-Storage-Systeme stehen 2018 weiterhin im Fokus. Stichwörter sind hier Software Defined Storage (SAS) und Scale-out-Architekturen. Sie bilden die Basis für Speicherkonzepte, die ein hohes Maß an Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Kosteneffizienz bieten. Object Storage spielt dabei eine immer größere Rolle."

"Die Vernetzung von Geräten und Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) hat ein massives Datenwachstum zur Folge. Und Unternehmen möchten wie gewohnt rund um die Uhr Zugriff auf unternehmenskritische Daten haben. Vor diesem Hintergrund werden Data Protection-Lösungen im kommenden Jahr wichtiger als zuvor. Sie gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit und Verfügbarkeit und dürfen damit in keiner Storage-Strategie fehlen. Besonders interessant sind schlüsselfertige Data Protection Appliances. Solche Systeme erfordern nur einen minimalen Aufwand in Bezug auf Implementierung und Administration. Daher kommen solche Data Protection Appliances auch für Unternehmen in Betracht, die über eine kleinere IT-Abteilung verfügen."

"Darüber hinaus ist das gute alte Tape wieder auf dem Vormarsch. Der Grund: Bandlaufwerke verfügen über immer höhere Kapazitäten auf und bieten schnelle Zugriffszeiten. Hinzu kommen die nach wie vor niedrigen Kosten für die Speichermedien. Verbunden mit intelligenten Data Protection Appliances ergibt sich daraus eine zukunftsträchtige Lösung."

Florian Bettges, Category Manager Storage; Hewlett Packard Enterprise: "Durch die Digitalisierung und den Einsatz von IoT-Lösungen muss Speicher schneller, intelligenter und ortsunabhängig zur Verfügung stehen. Schnelligkeit kann neben dem Einsatz von All-Flash-Lösungen durch ergänzenden NAND/NVMe-Speicher und neue Protokolle, wie RDMA incl. iWARP gewonnen werden. Intelligenter wird der Speicher durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, sodass beispielsweise Performance-Probleme nicht mehr manuell von der IT gelöst werden müssen, sondern durch ein selbstlernendes System. Ortsunabhängiger Speicher schließlich wird immer wichtiger, weil Daten sowohl in der Cloud als auch an der Edge verarbeitet und gespeichert werden müssen. Dabei ist es wichtig, jeweils die richtige Quelle auszuwählen. Für hochperformante Datenbanken wie SAP HANA wird das weiter das High-End-Array vor Ort sein. Für Backup und andere Storage-Anforderungen, in denen beispielsweise weiterhin drehende Festplatten genutzt werden, kann es auch die Cloud sein. Ein zentrales Management über alle Ebenen hinweg spielt hier eine wesentliche Rolle."

Dieter Stehle, General Manager Lenovo Data Center Group DACH; Lenovo: "Wir sehen derzeit eine starke Diversifizierung von Storage-Arten und auch wenn es für eine Festlegung noch etwas früh ist, das könnte in der Zukunft wieder zu einer Konsolidierung führen. Als Schlagworte für 2018 sind sicherlich Software-Defined Storage, Hyper-Konvergenz und Cloud Storage sowie S3 AWS Object Storage (Hybrid Cloud/Cloud & Online Archiving) zu nennen."

"Technologisch werden im Rechenzentrum 2018 sowohl Flash (SSD und NVME Technologie) aber auch wieder Tape für Archiving und Offline Datenträger (100% Security Safe) eine bedeutende Rolle haben."

"Darüber werden in diesem Bereich auch juristische Themen wichtig. Die Umsetzung der neuen Datenschutzrichtlinien des GDPR beziehungsweise zu Deutsch EU-DSGVO ist zwar mehrheitlich bereits auf der "To-Do-List", wird aber ab Mai 2018 dann zur Deadline hin mit Sicherheit eine gesteigerte Priorität erhalten."

Thomas Muggendobler, Product Manager Storage; Thomas-Krenn AG: "Datenwachstum wird das alles bestimmende IT-Thema in den kommenden Jahren sein. Das heißt aber nicht, dass die Investitionen in traditionelle Storage-Systeme steigen werden. Stattdessen wird Software Defined Storage weiter wachsen, und zwar bei Anwendern jeder Größenordnungen, denn inzwischen stehen für jedes Budget und jeden Bedarf ausgereifte Lösungen zur Verfügung."

"Die Akzeptanz von Object Storage wird weiter steigen, hier vor allem die flexible Open Source Lösung Ceph und darauf beruhende Enterprise-Software."

"All-Flash-Arrays werden zwar weiter Marktanteile gewinnen. Da aber hybride Systeme aus SSDs und HDD für viele Anwendungen kaum Performance-Nachteile haben, werden herkömmliche Festplatten nicht so schnell an Bedeutung verlieren wie vielleicht noch vor einigen Jahren erwartet. Aufgrund der im Vergleich zu SATA wesentlich schnelleren Schnittstelle und sinkender Preise werden NVMe SSDs für Server 2018 weiter durchsetzen."