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Auch Deutschland betroffen

Stellenabbau und Zukäufe bei eBay

06.10.2008
Das Internet-Auktionshaus eBay will weltweit rund zehn Prozent der Stellen streichen, davon etwa 100 in Deutschland. Insgesamt seien rund 1000 Mitarbeiter sowie zahlreiche Zeitarbeiter betroffen, teilte das Unternehmen am Montag mit.

"In Deutschland sollen rund acht Prozent der rund 1250 Stellen gestrichen werden", sagte ein Sprecher von eBay Deutschland am Montag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Dreilinden. Damit treffe es in Deutschland, dem nach Einschätzung von Experten profitabelsten Markt innerhalb des Konzerns, zirka 100 Angestellte. "Von dem Stellenabbau ist vor allem die Verwaltung - insbesondere das Marketing - betroffen. Der Kundenservice bleibt davon unberührt."

Ob der Konzernumbau direkte Auswirkungen auf die deutsche Geschäftsführung hat, blieb am Montag offen. Zu Gerüchten, dass Deutschland-Geschäftsführer Stefan Groß-Selbeck innerhalb des Konzerns in die Vereinigten Staaten wechselt, wollte sich der Sprecher von eBay-Deutschland nicht äußern. Er sagte lediglich, dass Groß-Selbeck "den Übergang in die neue Organisation in Deutschland begleiten" soll. Der Stellenabbau hierzulande solle bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Zudem solle Groß-Selbeck weitere Aufgaben erhalten. Details dazu sollen im Laufe der Woche bekannt gegeben werden.

Deutschland ist für eBay gemessen am Umsatz der zweitgrößte Markt. Absolute Größen gibt der Konzern nicht heraus. Branchenexperten zufolge ist der deutsche Markt der profitabelste innerhalb des Unternehmens. Der amerikanische Konzern ist seit 1999 aktiv. Damals hatte eBay die deutsche Internet-Auktionsplattform der Serial Entrepreneurs Gebrüder Samwer, alando, gekauft.

EBay gab zudem zwei Übernahmen für zusammen 1,35 Milliarden Dollar bekannt und gab eine erste Indikation für die Entwicklung im Ende September beendeten dritten Quartal. Die weltweiten Stellenstreichungen werden den Angaben zufolge das Ergebnis vor Steuern im vierten Quartal mit 70 bis 80 Millionen Dollar belasten. Das Unternehmen wird seit Anfang April von John Donahoe geführt. Er hatte die zuvor fast zehn Jahre an der eBay-Spitze stehende Meg Whitman abgelöst. Donahoe sagte am Montag laut Mitteilung, "dass mit dem Stellenabbau das operative Geschäft gestärkt werden soll und Investitionen in Wachstum ermöglicht werden". Das Unternehmen kämpfte zuletzt mit sinkenden Wachstumsraten sowie einem langsameren Gewinnanstieg.

Steigender Konkurrenzdruck

Mit zwei Übernahmen machte Donahoe am Montag auch gleich Nägel mit Köpfen. Zum einem kündigte er den Kauf des amerikanischen Zahlungsabwicklers Bill Me Later für insgesamt 945 Millionen Dollar an. Das Unternehmen erhofft sich durch diesen Zukauf im kommenden Jahr einen Umsatzbeitrag von 150 Millionen Dollar. In Europa will eBay das Geschäft in Dänemark mit der auf Kleinanzeigen spezialisierten Seite dbk.dk sowie dem auf Fahrzeuge fokussieren Anbieter bilbasen.dk für insgesamt 390 Millionen Dollar in bar stärken.

Mit den Übernahmen und den Sparmaßnahmen will eBay den jüngsten Problemen entgegensteuern. Dem Konzern kommen zunehmend Wettbewerber wie der Internet-Einzelhändler Amazon ins Gehege. Im Gegenzug macht eBay immer mehr Geschäft als gewöhnliche Handelsplattform mit Verkäufen ohne Versteigerung. Neben den Online-Marktplätzen zählen das elektronische Bezahlsystem PayPal und der Internet-Telefondienst Skype zu eBay. Weil Skype hinter den Erwartungen zurückbleibt, wurde schon öfter über einen Verkauf etwa an den Online-Konzern Google spekuliert.

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