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Staatsanwaltschaft nimmt Vivendi ins Visier

30.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der hochverschuldete französisch-amerikanische Medienkonzern Vivendi Universal kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: Die Staatsanwaltschaft in Paris leitete am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Bilanzfälschungen und Falschinformationen ein. Hintergrund ist eine Anzeige von Kleinaktionären. Die Aktie von Vivendi Universal hatte unter dem damaligen Konzernchef Jean-Marie Messier 70 Prozent ihres Wertes verloren. Messier baute das Versorgungsunternehmen zum Global Player der Medienbranche um, nun drücken den Konzern 19 Milliarden Euro Schulden. Ein Untersuchungsrichter will jetzt prüfen, ob Vivendi falsche Bilanzen für die Geschäftsjahre 2000 und 2001 sowie falsche oder täuschende Informationen über die Aussichten 2001 und 2002 veröffentlicht hat.

Ex-Konzernchef Messier wies die Anschuldigungen möglicher Bilanzfälschungen zurück. Sein Anwalt Oliver Metzner erklärte, die Ermittlungen würden zeigen, dass die Bilanzen für 2000 und 2001 exakt seien. Die finanziellen Informationen Vivendis seien vollständig und transparent gewesen. Der Konzern äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

Inzwischen hat Vivendi das Angebot von Vodafone für den 44-prozentigen Anteil am TK-Konzern Cegetel abgelehnt. Die angebotenen 6,77 Milliarden Euro entsprächen nicht dem Wert der Beteiligung. Vodafone versucht, den 26-prozentigen Anteil von British Telecom sowie die 15-Prozent-Beteiligung des US-Unternehmens SBC Communications an Cegetel für rund 6,3 Milliarden Euro zu übernehmen. Vivendi hat allerdings Vorkaufsrecht auf deren Anteile. Die Frist wurde vom Pariser Handelsgericht um einen Monat auf den 10. Dezember verlängert. (km)