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Staatsanwaltschaft nimmt Bilanzierungspraktiken von Xerox ins Visier

24.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Zusammenhang mit früheren Bilanzmanipulationen steht Xerox nun möglicherweise auch eine Klage der US-Justiz wegen Betrugsverdacht ins Haus. Der Drucker- und -Kopiererhersteller teilte am gestrigen Montag mit, dass die Staatsanwaltschaft in Bridgeport, Connecticut, entsprechende Ermittlungen aufgenommen habe.

Bereits vor rund fünf Monaten hatte sich Xerox mit der US-Börsenaufsicht SEC darauf geeinigt, die Bilanzen der letzten fünf Jahre zu revidieren und eine Strafe in Höhe von zehn Millionen Dollar zu zahlen (Computerwoche online berichtete). Die Korrektur der Bücher zeigte, dass insgesamt 6,4 Milliarden Dollar Umsatz falsch verbucht wurden. Dadurch wurden die Vorsteuergewinne der vergangenen fünf Jahre um 1,41 Milliarden Dollar oder 36 Prozent aufgebläht. Knackpunkt der Bilanzierung waren laut US-Börsenaufsicht Buchungen von Leasing-Aufträgen: Umsätze von Geräten, die von Kunden geleast werden, tauchen in den Berichten als feste monatliche Gebühr für Equipment, Finanzierung, Service und Wartung auf.

Außerdem verdächtige die SEC die Xerox-Spitze, sich aus der Akquisitionskasse bedient zu haben, um die tatsächlichen Einnahmen den Erwartungen anzupassen. Mit diesen Mitteln - so die Vermutung - war es dem Management gelungen, zwischen 1997 und 2000 mehr als fünf Millionen Dollar an leistungsbezogenen Vergütungen sowie über 30 Millionen Dollar Profit aus dem Verkauf von Aktien einzuheimsen. Der Konzern aus Stamford, Connecticut, musste damals aber kein Schuldeingeständnis abgeben.

Anders als bei der Zivilklage durch die SEC muss die Staatsanwaltschaft eindeutige Beweise vorzulegen, um den Xerox-Managern betrügerische Machenschaften nachzuweisen. Da die meisten Bilanzmanöver von der damaligen Wirtschaftprüfungsgesellschaft KPMG gedeckt wurden, dürfte dies umso schwerer fallen: Im Falle einer Anklage könnten die Beschuldigten erklären, sie wären lediglich den Empfehlungen der Buchprüfer gefolgt. (mb)