Mergers & Acquisitions

Software-Übernahmen 2019 im Überblick

02.12.2019
Von  und


Scott Carey ist Redakteur bei unser IDG-Schwesterpublikation Computerworld in Großbritannien. Der IT-Journalist mit dem Schwerpunkt auf Unternehmensanwendungen moderiert auch Branchenveranstaltungen. Besonders interessieren ihn die großen IT-Player und Cloud-Service-Anbieter. Er hat ein Diplom in Journalistik an der Universität Cardiff in Wales erworben. In seiner Freizeit treibt er Sport, reist viel und beschäftigt sich intensiv mit der Medienlandschaft in Großbritannien.
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Docker schürt Kubernetes-as-a-Service-Träume

Erst vor wenigen Tagen landete der auf Kubernetes- und OpenStack-Entwicklung spezialisierte Anbieter Mirantis einen Coup: Die Kalifornier kauften die gesamte Enterprise-Plattformtechnik des Containerpioniers Docker für einen nicht bezifferten Betrag. Die in Großunternehmen recht weit verbreitete "Docker Enterprise Platform" soll Mirantis helfen, sein Ziel eines "Kubernetes-as-a-Service"-Angebots zu realisieren.

Man wolle Entwicklern in jeder Cloud- und On-premise-Umgebung eine konsistente Programmier-Erfahrung bieten, hieß es in einer Mitteilung. Docker Enterprise sei derzeit die einzige Plattform, mit der Entwickler nahtlos lauffähige Anwendungen für Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen sowie für Edge Devices umsetzen könnten.

"Die Mitarbeiter von Docker Enterprise gehören zu den besten Cloud-Native-Experten der Welt", freute sich Mirantis-CEO Adrian Ionel. Rund 300 Docker-Mitarbeiter werden zu Mirantis wechseln, außerdem alle Unternehmenskunden und Partner. Docker hat angekündigt, seinen Chief Product Officer Scott Johnston zum neuen CEO zu machen. Rob Bearden, der erst im Mai von Hortonworks gekommen war um diese Position zu besetzen, wird das Unternehmen wieder verlassen.

PayPal nascht am Honig

Noch ganz frisch ist PayPals Ankündigung, die erst 2012 gegründete Honey Science Corp. für stolze vier Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Honey bietet ein Add-in für die wichtigsten Browser an, mit dem inzwischen rund 17 Millionen Konsumenten im Monat Schnäppchen bei bestimmten Einzelhändlern - derzeit sind es zirka 30.000 - machen können. Als Zahlungsdienstleister gewinnt PayPal damit jede Menge Kundendaten und einen zusätzlichen Service, der Handel und Konsumenten an die Plattform binden dürfte.

"Honey ist eine der innovativsten Akquisitionen in der Geschichte von PayPal", sagte Dan Schulman, Präsident und CEO von PayPal. "Die Kombination der komplementären Verbraucherprodukte von Honey mit unserer Plattform wird unsere Fähigkeit, das Customer Engagement zu verbessern und eine bedeutendere Rolle im täglichen Leben unserer Kunden zu spielen, erheblich verbessern". Die Honey-Mitgründer George Ruan und Ryan Hudson werden ebenso wie 350 weitere Mitarbeiter im Rahmen des Mergers zu PayPal stoßen.

Salesforce - was nichts kostet, ist nichts wert

Besonders tief griff Salesforce in die Tasche und machte im Rahmen eines Aktientauschs stolze 15,7 Milliarden Dollar für den Analytics-Konzern Tableau locker. Das Unternehmen ist auf Datenvisualisierung und "Self-Service-Analytics" spezialisiert. Es hat seit seiner Gründung im Jahr 2003 enormes Wachstum gezeigt. "Wir bringen die Nummer eins im CRM-Markt mit der Nummer eins im Analytics-Geschäft zusammen", sagte Salesforce-Chef Marc Benioff.

Weitere 1,35 Milliarden Dollar überwies sein Unternehmen für ClickSoftware, einen Anbieter, mit dessen Lösungen Unternehmen ihre mobilen Arbeitskräfte organisieren und gezielt einsetzen können. Die Software soll die Service-Cloud des CRM-Spezialisten aufwerten und Innova­tionen im Kundenservice ermöglichen (Lesen Sie auch, wie Tableau in die Salesforce-Familie passt).

ServiceNow will wissen, was die Kunden tun

ServiceNow übernahm die "In-App Mobile Analytics Platform" von Appsee. Der Deal umfasst das geistige Eigentum von Appsee und die Mitarbeiter, nicht aber die Kunden des israelischen Startups. Der Preis wurde nicht genannt. Mit der Technologie von Appsee können Entwickler das Anwendungsverhalten von Softwarenutzern tracken und sehen, was bei der Bedienung richtig oder falsch läuft. Diese Funktion will ServiceNow in seine Now-Plattform einbauen, so dass deren Nutzer beobachten können, wir ihre Anwendungen und Portale bei Endbenutzern ankommen und wo Verbesserungsbedarf besteht.

Auf seiner Kundenkonferenz Knowledge 2019 in Las Vegas hatte das Unternehmen mit "Now Mobile" Werkzeuge angekündigt, die Mitarbeitern von Unternehmen diverse Services - zum Beispiel die Bestellung eines Laptops oder das Onboarding neuer Mitarbeiter - auf mobilen Endgeräten ermöglichen sollen. Appsee liefert die Technologie, mit der solche Abläufe für mobile Endgeräte optimiert werden können.

Splunk: Anwendungs-Lifecycle im Blick

Einen Milliardendeal brachte auch Splunk unter Dach und Fach: Der Spezialist für die Auswertung von Logdaten und das Monitoring von IT-Umgebungen hat für 1,05 Milliarden Dollar SignalFx erworben, einen Spezialisten für das Monitoring von Cloud- und Container-basierten Anwendungsinfrastrukturen. Mit dem "Kubernetes Navigator" bietet SignalFX beispielsweise eine Realtime-Überwachung von Kubernetes-Umgebungen, die DevOps-Teams helfen soll, Fehler schnell zu entdecken und zu beseitigen.

"Daten befeuern das Business", sagte Splunk-Chef Doug Merritt. Mit der Akquisition von SignalFx bringe sich Splunk in eine bessere Situation, wenn es darum gehe, den gesamten Anwendungs-Lifecycle im Unternehmen mit einer einzigen Plattform zu überwachen.