Software: Harte Zeiten

10.02.1989

Studien über den bundesdeutschen Softwaremarkt beschreiben ein idyllisches Biotop, in dem es von idealistischen Weichwaren-Fabrikanten und schaffensfrohen Programmier-Tagelöhnern scheinbar nur so wimmelt - die Wirklichkeit, das wissen natürlich auch die Analysten, sieht anders aus. So bekommt der geschönte Trendbericht die Help-Funktion einer "self-fulfilling prophecy" - nach dem Motto "Wie hätten Sie's denn gern?" Und mit dem "Sie" sind nicht die Anwender, sondern die Software-Hersteller und DV-Berater gemeint.

Als symptomatisch für den Schmuh und den Schmäh in der Branche kann ein Phänomen angesehen werden, das mit dem Firmennamen ADV/Orga verbunden ist. Aber auch andere Fakten ließen sich anführen (siehe Seite 1: "CASE - oft nur der Bluff mit einem Modewort"). Zum Aufstieg und Fall des Ex-IBMers Friedrich A. Meyer: Der ADV/Orga-Gründer hat sich ohne Frage in den siebziger Jahren um die Software-Zunft in der Bundesrepublik verdient gemacht. Irgendwann muß ihm das Gespür für die Bedürfnisse der Anwender abhanden gekommen sein, der Bezug zum Markt, der heute eben nicht mehr nur aus IBM und IBM-Epigonen besteht.

Hie Unix-Erfolg, da Orga-nix - so hatte sich der Konsul die Sache nicht vorgestellt. Meyer sprach, ganz im Sinne seiner Lehrfirma IBM, etwa von der strategischen Bedeutung des Abteilungsrechners 9370, obwohl ihm das Heuchlerische an der IBM-Argumentation (strategisch: für wen, außer für Big Blue selbst) nicht verborgen bleiben konnte. Moral, nun ja, das war bisher kein Thema in der Software-Politik. Doch das Beispiel ADV/Orga sollte den Anbietern zu denken geben. An das Prinzip Zufall zu glauben, und an einen einmaligen Ausrutscher (Hoppla, Herr Meyer!) wäre Augenwischerei.