7 Schritte

So wird Ihre IT fit für die nächste Corona-Welle

17.08.2020
Von 
John Edwars ist freier Autor.
Ist Ihr Unternehmen IT-seitig für einen neuen, umfassenden Corona-Lockdown gewappnet? Lesen Sie hier, wie das in sieben Schritten geht.
Corona hat die Welt weiterhin im Griff. Ist Ihre IT auf die nächste Pandemiewelle und einen neuerlichen Lockdown vorbereitet?
Corona hat die Welt weiterhin im Griff. Ist Ihre IT auf die nächste Pandemiewelle und einen neuerlichen Lockdown vorbereitet?
Foto: Lukas Kastner - shutterstock.com

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei: Derzeit erleben zahlreiche Länder, darunter auch Deutschland, neue Infektionswellen. Ob das zu einem erneuten Lockdown führen wird, ist unklar. IT-Entscheider sollten deshalb alles daran setzen, die IT so gut wie möglich auf diese Option einzustellen.

Dabei können insbesondere die Erfahrungen der letzten Monate helfen, einen erneuten Übergang zu Remote Work möglichst reibungslos zu stemmen. Dazu wird vor allem auch vorausschauende Planung und die Auseinandersetzung mit Worst-Case-Szenarien benötigt, die hoffentlich niemals eintreten. Die folgenden sieben Schritte helfen Ihnen dabei, Ihre IT für die nächste Corona-Welle fit zu machen.

1. Resilienzkultur

Die IT sollte sich in erster Linie als Provider von internen, kritischen Infrastrukturen verstehen und die Erwartungen an sie entsprechend managen, meint Paul Rohmeyer, Professor am Stevens Institute of Technology: "Insbesondere braucht es eine Kultur, die anerkennt, dass zukünftige Disruptionen oder Krisen sehr wahrscheinlich zu einem steigenden Bedarf an IT-Spezialisten führen werden."

Darüber hinaus sollten IT-Entscheider ihre Teams auch darauf vorbereiten, dass bei einem neuen Lockdown Überstunden oder auch Auswärtstermine - beispielsweise in Rechenzentren - auf sie zukommen können: "Die Mitarbeiter müssen darauf vorbereitet sein, im Krisenfall bereit zu stehen - das Management hingegen sollte die Bemühungen von Individuen oder ganzen Abteilungen, die das Unternehmen in der Krise am Laufen halten, auch honorieren", so Rohmeyer.

In einem von Unsicherheiten geprägten Umfeld kommt auch der Kommunikation entscheidende Bedeutung zu, wie Rich Temple, CIO bei Deborah Heart & Lung Center, weiß: "Keiner weiß, wie die nächste Corona-Welle genau aussieht - sicher ist nur, dass wir alle möglichst schnell handlungsfähig sein und neue Technologien oder Workflows fast unverzüglich ausrollen müssen."

Toby Buckalew, CIO bei OneShare Health, empfiehlt seinen Manager-Kollegen deshalb, von allen Legacy-Infrastrukturen und -Systemen Abstand zu nehmen, die der Zusammenarbeit in verteilten Teams entgegenstehen: "Denken Sie Ihre Abläufe und Roadmaps neu und fangen Sie heute mit der Planung für das 'new normal' in der Zukunft an." Das bedeute in erster Linie, in Zusammenarbeit mit der Management-Ebene neue Geschäftsprozesse und -strategien zu entwickeln, so der CIO.

Dabei kommt es nicht nur auf die richtige Planung an, sondern auch auf Entschlossenheit, wie sein Berufskollege Temple weiß: "Sie können ITIL und alle Best Practices der Welt einsetzen - das bringt Ihnen gar nichts, wenn Sie nicht in der Lage sind, im Krisenfall schnell umzuschalten und zu reagieren."

2. Ressourcen-Bewertung

Mitarbeiter, die remote arbeiten, sollten im Homeoffice alle Hardware- und Software-Ressourcen zur Verfügung haben, um effizient arbeiten zu können. Die erste COVID-19-Welle hat viele Unternehmen völlig unvorbereitet getroffen - der Umstieg auf Remote-Work-Szenarien verlief entsprechend oft nicht optimal und sorgte vielerorts dafür, dass teure IT-Ressourcen ungenutzt in verwaisten Offices und Labs herumstanden. Unterdessen mussten sich auf der anderen Seite viele Mitarbeiter im Homeoffice mit unzureichender Hard- und Software herumschlagen.

"Künftig sollten wir in der Lage sein, besser zu planen und unsere Ressourcen effizienter zu nutzen", meint Massimiliano Albanese, Professor für Informatik an der George Mason University. Darüber hinaus empfiehlt Albanese IT-Entscheidern, ihr Portfolio an Collaboration Tools auf Redundanz und Vielfalt hin zu prüfen.

Sollte eine bestimmte Plattform ausfallen, stellen entsprechende Alternativen sicher, dass die Workflows nicht unterbrochen werden. Dieser Ansicht ist auch Paul Rohmeyer. Er empfiehlt vor dem Hintergrund, dass viele Helpdesks bei Ausbruch der Coronakrise von der Masse der Nutzeranfragen heillos überfordert waren, den Remote-Zugriff so simple und intuitiv wie möglich zu gestalten. Gerade Zugangskontrollen wie eine Multi-Faktor-Authentifizierung sollten auf konsistente, leicht zugängliche Art und Weise präsentiert werden - so dass User mit durchschnittlichen technischen Skills sich gut zurechtfinden, so Rohmeyer.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Patch Management und Schlüssel-Ressourcen stets auf dem aktuellen Stand sind, ergänzt Massimo Albanese: "Als die Pandemie ausbrach, war der Support für Windows 7 gerade ein paar Monate ausgelaufen, viele Rechner aber noch nicht auf Windows 10 migriert. Diese Maschinen konnten nicht so einfach per Remote-Verbindung aktualisiert werden."

3. Tool Assessment

Erst durch Konnektivität wird die Arbeit im heimischen Büro überhaupt möglich. Leider hatten viele Unternehmen zu Beginn der Pandemie aber mit ernsthaften Kapazitätsproblemen zu kämpfen. Deshalb empfiehlt James Breeze von der Technologie-Beratung DMW IT-Entscheidern, einen genauen Blick auf die eingesetzten Tools und Plattformen zu werfen: "Sie sollten sicherstellen, dass ihre Remote-Access-Plattformen einhundert Prozent ihrer Nutzerschaft stemmen können. Normalerweise geben sich Unternehmen damit zufrieden, wenn 20 bis 50 Prozent der Belegschaft abgedeckt werden - das führt bei einem drastischen Nutzungsanstieg schnell zu Ausfällen und Performance-Problemen."

Je nach Plattform kann es eine beträchtliche Menge an Zeit kosten, die Kapazität auf das gewünschte Level zu bringen. Wenn an dieser Stelle althergebrachte Remote-Access-Lösungen durch ein modernes Cloud-basiertes Äquivalent ersetzt werden, ist die Skalierbarkeit jederzeit gewährleistet, während weitere Hardware-Investitionen nicht mehr nötig sind.

4. Lessons learned?

Wurden manche Lektionen bereits vor einigen Monaten gelernt, verblassen die Erinnerungen so langsam - insbesondere, wenn sich das IT Team längst mit neuen, drängenderen Problemen beschäftigt. So haben beispielsweise Unternehmen, die in den ersten Tagen der Coronakrise mit knappen VPN-Kapazitäten zu kämpfen hatten, sehr wahrscheinlich realisiert, dass es eine gute Idee wäre, an dieser Stelle aufzustocken. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es dazu noch nicht gekommen ist, weil zunächst Workarounds gefunden wurden und "alles gelaufen ist".

Daher appelliert Michael Cantor, CIO von Park Place Technologies, an seine Kollegen, angedachte Veränderungen jetzt zu evaluieren und implementieren, bevor es zum nächsten Ausbruch kommt.

5. Business Continuity Update

Um den nächsten Lockdown ohne Ausfälle und Störungen zu überstehen, sollten IT-Entscheider zudem ihren Business-Continuity-Plan aktualisieren und die bei der initialen Welle gemachten Erfahrungen mit einbauen. Nur so ist sichergestellt, dass Ihre IT auf neuerliche Katastrophen vorbereitet ist.

6. Transformation hat Vorfahrt

Transformationsinitiativen und damit in Zusammenhang stehende Business-Projekte wie Online-Bestellungen oder kontaktlose Bezahlsysteme waren vor der Coronakrise oft unterfinanziert. "Die Pandemie hat diese Projekte überlebenswichtig gemacht", meint Goutham Belliappa vom IT-Beratungshaus Capgemini. Seiner Ansicht nach müssten IT und Technologie-Abteilungen mehr kollaborieren, um einerseits innovative Konzepte schneller in die Produktion zu bringen und andererseits neue Interaktionswege mit den Kunden aufzusetzen.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat eindrucksvoll bewiesen, wie wertvoll eine konstante Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur ist. Künftig werden flexible Infrastrukturen für Unternehmen der Schlüssel dazu sein, solche und ähnliche Krisen zu überleben. Deshalb empfiehlt sich eine umfassende Virtualisierung von Infrastruktur und Workstations - wo immer möglich.

7. Cybersecurity-Härtung

Mit dem zu Beginn der Pandemie um sich greifenden Chaos und der allgemeinen Verunsicherung (nicht nur) in den Unternehmen, wurde für kriminelle Hacker ein Traum wahr. Folglich setzten viele Cyberkriminelle alles daran, von der Krise und oftmals anfälligen Remote-Access-Lösungen zu profitieren. Dass viele Security Teams plötzlich zu verteilten Teams wurden, eröffnete zusätzliche Möglichkeiten für Angreifer, die es auf Daten und System-Kompromittierungen abgesehen hatten.

IT-Entscheider sollten ihre Teams deshalb darauf einschwören, wachsamer denn je zu agieren, damit ungepatchte Systeme oder Verzögerungen bei der Abarbeitung von Sicherheitsvorfällen nicht zu einer Security-Katastrophe führen. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Network World.