Weiterbildung durch individuelles Lernen

So wappnen Sie sich für die digitale Zukunft



Lerncoach Susanne Groth berät mit ihrer 20-jährigen Erfahrung in der Personalentwicklung Unternehmen und hat ein modulares Selbstlerntool entwickelt. Mit LEARN² will sie Unternehmen und Mitarbeiter unterstützen ihre Lern- und digitalen Kompetenzen auszubauen, um eine positive Lernkultur zu schaffen.
In Zeiten der Digitalisierung gibt es keine Branche und Berufsgruppe, die sich nicht ständig hinterfragen und weiterentwickeln muss. Der Grund: Märkte und Technologien ändern sich in Windeseile und somit auch die Anforderungen an jeden Einzelnen. Schritt halten kann nur, wer zum Lernen bereit ist.
  • Selbst IT-Experten fliegt das Wissen in der digitalen Revolution nicht automatisch zu.
  • Durch Selbstbeobachtung und Ehrlichkeit kann jeder beurteilen, wo genau seine Lernfelder liegen.
  • Für die Weiterbildung sollten persönliche interne und externe Netzwerke genutzt werden.

Man möchte meinen, IT-Experten seien derzeit so ziemlich die einzige Menschengruppe, die entspannt bleibt, sobald das Wort Digitalisierung fällt. Schließlich gehören der Umgang mit Technik sowie das Verständnis für damit zusammenhängende Themen und Hintergründe zu deren Alltagsgeschäft. Was für andere seit Einführung der ersten Heimcomputer immer wie ein Buch mit sieben Siegeln oder eine völlig andere Welt erschien, steckt für sie voller Logik. So gesehen wäre es konsequent zu denken, dass gerade diese Berufsgruppe spielerisch mit der digitalen Revolution umgeht. Aber ist das wirklich so? Nein! Tatsächlich sieht es in den meisten IT-Abteilungen anders aus. Auch hier macht die Verunsicherung durch die exponentielle Entwicklung, gerade im technischen Bereich, nicht vor der Bürotür halt.

Viele Lerninhalte für die individuelle Weiterbildung sind kostenlos und in sehr guter Qualität online verfügbar.
Viele Lerninhalte für die individuelle Weiterbildung sind kostenlos und in sehr guter Qualität online verfügbar.
Foto: Alexander Supertramp - shutterstock.com

Betrachten wir einmal zwei Beispiele. Zum einen ein langjähriger IT-Mitarbeiter, der 56 Jahre alt ist. Er hat Informatik studiert und ist seit über 25 Jahren in der IT-Abteilung eines mittelständischen Unternehmens tätig. Dabei ist er es gewohnt, für die notwendige Infrastruktur in den Abteilungen zu sorgen, Support-Anrufe der Kollegen zu beantworten und natürlich auch Sonderprojekte im IT-Umfeld zu begleiten. Als Experte auf seinem Gebiet ist er sich meist sehr sicher, was zu tun ist. Die neuen Entwicklungen kann er gut nachvollziehen und so die Geschäfts- und Arbeitsprozesse im Unternehmen gut unterstützen.

Zum zweiten eine junge, aufstrebende und engagierte Mitarbeiterin in einem IT-Dienstleistungsunternehmen. Sie hat ihr Informatikstudium vor vier Jahren abgeschlossen, zählt zu den sogenannten Digital Natives und hält sich selbst für offen, was neue Entwicklungen angeht. In ihrer Funktion wird sie in verschiedenen Projekten für Kunden eingesetzt und ist daher an vorderster Front dabei, wenn es um Innovationen und den technischen Fortschritt geht.

Klassisches Projektmanagement wandelt sich zum agilen Handeln

Beide sind gut ausgebildet, erfahren, aufgeschlossen und bemerken starke Veränderungen in ihrer Arbeitssituation. Klar, dass sich auch bei ihnen Unsicherheit breitmacht. Denn durch den einsetzenden Paradigmenwechsel in Richtung Digitalisierung und Technologien wie Industrie 4.0, Big Data, Data Analytics, Cloud Computing, KI oder Mobile Devices kommen völlig neue Themen auf beide zu, die sich stark auf neue digitale Geschäftsmöglichkeiten, Prozesse und Produkte auswirken. Diese Entwicklungen werden zudem noch begleitet von einer völlig neuen Arbeitsweise, die sich schon seit Längerem vom klassischen Projekt- und Aufgabenmanagement hin zu agilen Vorgehensweisen entwickelt.

Kann sich der altgediente IT-Experte auf seiner Erfahrung und seinem Know-how ausruhen und darauf verlassen, dass er den Anschluss schon nicht verlieren wird? Und genügt für die junge IT-Fachfrau der Status "Digital Native", um dranzubleiben? Beide spüren, dass es wichtig ist, sich weiterzuentwickeln - trotz der guten Basis, auf die beide zurückgreifen können.

Einen klaren Fokus setzen

Um auch zukünftig erfolgreich zu sein, gilt es für beide, ihre persönlichen Kompetenzen unter die Lupe zu nehmen und der eigenen Weiterentwicklung Priorität einzuräumen. Jeder, auch die Mitarbeiter und IT-Experten, ist aufgefordert, genau zu hinterfragen, was sich bereits verändert hat und inwieweit sich die Aufgaben und Anfordernisse im Job in Zukunft noch verändern werden. Durch Selbstbeobachtung und Ehrlichkeit lässt sich dann beurteilen, wo genau die Lernfelder liegen, um die es geht.

Wichtig ist dann eine genaue Priorisierung vorzunehmen: Wo ist im nächsten Schritt anzusetzen und wo muss neues Know-how aufgebaut werden? Denn eines ist klar. Der gesamten Themenvielfalt kann keiner gerecht werden. Jeder braucht einen klaren Fokus für das, was jetzt für ihn am wichtigsten ist. Eine gute Frage, um das herauszufinden, ist: Wo kann ich den nächsten großen Schritt machen? So strukturiert, lässt sich dann planen, welche Quellen für diese individuelle Lernreise genutzt werden können. Vieles ist bereits kostenlos und in sehr guter Qualität online verfügbar. Doch auch an persönliche interne und externe Netzwerke sollte unbedingt gedacht werden! Wer in der Lage ist, diese auszubauen und zu stärken, hat die Möglichkeit, auch auf den praktischen Erfahrungsschatz anderer zurückzugreifen. Laden Sie andere dazu ein, Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Dabei kommen Präsenzformate wie Barcamps oder Meetups ebenso infrage wie digitale Netzwerke und Foren. Gerade auch externe Geschäftspartner, Dienstleister oder Anbieter können eine hilfreiche Ressource für die Weiterentwicklung sein.

Lernen mit Augenmaß und Struktur

Struktur gibt dabei noch eine gewisse zeitliche Planung, die gut ausbalanciert sein sollte. Augenmaß führt hier zum Erfolg. Man sollte realistisch und nicht zu ehrgeizig planen. Wenn maximal 15 Minuten pro Tag für eine kurze Lerneinheit oder die Pflege des Netzwerkes eingeplant werden können, ist das auch prima. Pro Arbeitswoche ergibt das schon über eine Stunde Zeit zur Weiterbildung. Hilfreich kann dabei sein, diese kleine Sequenz an den Tagesanfang zu stellen, bevor der Alltag die Regie übernimmt. Von Vorteil kann ferner sein, einen "Stundenplan" zu erstellen und sich ein Monatsziel zu setzen, aus dem kleine, überschaubare Wochenziele abgeleitet werden. Zu definieren ist dabei, was bis zum Wochenende erreicht werden soll und was dafür benötigt wird. Am Ende der Woche sollte dann der Lernfortschritt überprüft und die Folgewoche organisiert werden. So ist schon innerhalb eines halben Jahres eine ganze Menge zu erreichen.