Digitale Transformation bei Continental

So sollen Autos in Zukunft sicher kommunizieren

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Autonomes Fahren, Connected Cars, intelligente Autos - keine Frage, der PKW der Zukunft ist vernetzt - und wird zum lohnenden Ziel von Cyberkriminellen. Autozulieferer Continental hat eine Cyberysecurity-Strategie entwickelt, um die Fahrzeuge zu schützen.
Mit dem Trend zur Fahrzeugvernetzung muss sich die Automobilindustrie auch mit dem Thema Cybersicherheit auseinandersetzen.
Mit dem Trend zur Fahrzeugvernetzung muss sich die Automobilindustrie auch mit dem Thema Cybersicherheit auseinandersetzen.
Foto: Continental

Dem vernetzten Auto gehört die Zukunft. Dies untermauert Wolfgang Bernhart, Senior Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger, mit einer Prognose: "Bis 2021 werden weltweit mehr als 60 Millionen vernetzte Fahrzeuge pro Jahr verkauft." Derzeit werden um die 42 MillionenConnected Cars pro Jahr vermarktet. Der Trend zur Fahrzeugvernetzung hat Konsequenzen. "Die zunehmende Vernetzung ermöglicht zusätzliche Funktionen zwischen den Modell-Upgrades oder sogar während des Lebenszyklus eines Fahrzeugs", erklärt Bernhart, "das bedeutet, dass sich die Automobilindustrie ernsthaft mit Fragen der Cybersicherheit auseinandersetzen muss."

Digitale Transformation: Continental baut um

Eine Herausforderung, der sich das deutsche Traditionsunternehmen Continental stellt. Der Automobilzulieferer, der in wenigen Jahren sein 150jähriges Jubiläum feiert, erfindet sich gerade im Zuge der digitalen Transformation neu: Er will künftig vor allem in der Rolle als Mobilitätsdienstleister Geld verdienen. Dazu baut Elmar Degenhart, Continental-Vorstandsvorsitzender, das Unternehmen konsequent um, und errichtet unter der Dachmarke Continental Group die drei Unternehmensbereiche Continental Rubber, Continental Automotive und Powertrain.

Der Bereich Automotive soll zudem zwei neue Geschäftsfelder unter den Bezeichnungen Autonomous Driving Technologies und Vehicle Networking Technologies. Das Geschäftsfeld Autonomous Driving Technologies umfasst künftig das automatisierte und autonome Fahren sowie alle bekannten Chassis-Funktionen, darunter beispielsweise solche zum elektronischen und hydraulischen Bremsen, zur Stabilitätskontrolle und zur Fahrwerksregelung und Federung. Das Geschäftsfeld Vehicle Networking Technologies verantwortet das Geschäft der internen Vernetzung eines Fahrzeugs sowie dessen externe Vernetzung mit anderen Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur.

Cybersecurity im Auto

Updates sollen künftig drahtlos per Funk erfolgen, wenn das Fahrzeug etwa parkt.
Updates sollen künftig drahtlos per Funk erfolgen, wenn das Fahrzeug etwa parkt.
Foto: Continental

Zwei Player in diesem Umfeld sind die Conti-Töchter Elektrobit und Argus. Mit ihnen will der Konzern seine Cyber-Sicherheitsphilosophie realisieren. Angestrebtes Ziel ist dabei ein Ende-zu-Ende Schutz der Flotten der Fahrzeughersteller vor aktuellen und zukünftigen Cyber-Gefahren. Auch wenn es sich beim Markt für Automotive Cybersecurity noch um ein sehr junges Segment handelt, rechnen Branchenkenner bis 2024 bereits mit jährlichen Umsätzen von über zwei Milliarden Dollar.

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Und die Zahlen dürften noch steigen, da die Verbraucher Angst haben, dass mit der zunehmenden Automatisierung der Fahrzeuge auch die Cyber-Kriminalität steigt. Ein Phänomen, das insbesondere auf Deutschland zutrifft. Hierzulande sind laut einer Studie des TÜV Rheinland vom Februar 2018 76 Prozent der Auffassung, persönliche Daten können bei der Nutzung autonomer Fahrzeuge in unbefugte Hände gelangen. In den USA gilt das für 67 und in China für 63 Prozent.

In allen drei Ländern befürchten die Befragten gleichermaßen, dass bei autonomen Autos die Fahrzeugkriminalität durch Zugriff auf den Wagen von außen und Datendiebstahl zunehmen könnten - in den USA sogar noch stärker als in den anderen beiden Ländern (52 Prozent Zustimmung). Der Cyber-Schutz ist den Autofahrern in allen drei Ländern so wichtig, dass die Mehrheit (Deutschland 66, USA 61, China 60 Prozent) die Automarke im Fall von bekannt gewordenen Hackerangriffen wechseln würde.

Updates für Connected Cars

Damit es erst gar nicht dazu kommt, arbeiten die Conti-Töchter Argus Cyber Security und Elektrobit an Ende-zu-Ende Cyber-Sicherheitslösungen sowie Lösungen für drahtlose Updates (Over-the-Air, OTA) für alle vernetzten Elektronikkomponenten. Als Sicherheitsmaster sieht Continental dabei Gateways und In-Vehicle-Server. Das Gateway fungiert etwa als Router innerhalb des Fahrzeugnetzwerks in klassischen verteilten Fahrzeugarchitekturen oder den heutigen Domänenarchitekturen.

Hierzu integriert das Gateway Sicherheitsfunktionen von Argus und ermöglicht eine grundlegende Fahrzeugdiagnostik und Over-The-Air-Software-Updates über Elektrobit zur Überwachung der Cyber-Gesundheit des Fahrzeugs und zur Durchführung sofortiger Updates bei Bedarf. Für künftige serverbasierte Architekturen offeriert Conti dann mit dem In-Vehicle-Server einen Hochleistungsrechner, der als Netzwerkmanager und Kommunikationsschnittstelle fungiert. Außerdem dient der In-Vehicle-Server als zentrales Architekturelement, um das volle Spektrum von Over-The-Air-Updates, der Fahrzeugferndiagnose und der Cyber-Sicherheit des gesamten Fahrzeugs zu ermöglichen.

Die Sicherheitslösungen sollen unter anderem in Telematikeinheiten, Infotainmentsysteme oder Gateways vorintegriert werden. Um potenzielle Angriffe zu verhindern, offeriert Elektrobit etwa Sicherheitskomponenten für die Anwendungsebene, hardwarespezifische Sicherheitsprodukte, die AUTOSAR-Basissoftware sowie Sicherheitslösungen für Bootloader. Diese Komponenten sind für Anwendungen wie sichere Kommunikation, authentifizierte Identifikation, sichere Updates und Diagnostik entwickelt worden und bereits in Millionen von Fahrzeugen zu finden.