Den Geheimcode entziffern

So knacken Sie das Arbeitszeugnis

07.10.2020
Von 
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.

Beurteilung des Sozialverhaltens

Hier wird das Verhalten gegenüber Kollegen, Chefs und Externen beurteilt. Wird nur die Kollegialität ("Im Mitarbeiterkreis gilt er als toleranter Kollege") herausgestellt, deutet das auf Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten hin. Beispiele für eine (versteckte) negative Bewertung des Sozialverhaltens sind:

  • "In letzter Zeit kam es zu Konflikten mit dem Vorgesetzten/ Auseinandersetzungen im Kollegenkreis" ( sehr negativ, kann Alkoholkonsum andeuten)

  • "Frau Schuster hat ein bescheidenes und zuvorkommendes Wesen" ( = sie ist zurückhaltend, angepasst, unterwürfig)

  • "Mit ihren Vorgesetzten ist sie immer gut ausgekommen" ( = Anpassung um jeden Preis)

  • "Sein Verhalten war ohne Tadel/ hat nie zu Klagen Anlass gegeben." (Damit wird ausgedrückt, dass es auch nicht lobenswert war).

  • "Anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter (= anspruchsvoll gegenüber anderen, eigensüchtiger Nörgler")

  • "kontaktfreudiger/ allseits Beliebter/ kontaktwilliger Mitarbeiter" (= kann im Sinne von Sexualkontakt missgedeutet werden)

Wenn bei qualifizierten Mitarbeitern und Führungskräften Basistugenden wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit übermäßig betont werden, kann das eine bewusste Abwertung bedeuten. Beispiel: "Wir bestätigen gern, dass Herr Müller mit Fleiß und Ehrlichkeit an seine Aufgaben herangegangen ist." (= aber ohne fachliche Qualifikation).