Den Geheimcode entziffern

So knacken Sie das Arbeitszeugnis

07.10.2020
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Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.

Beurteilung der Arbeitsbereitschaft

Positive Signalwörter sind hier Einsatzwille, Fleiß, Interesse, Initiative, Engagement. Heißt es dagegen "Er setzt sich für die Interessen der Firma ein",, ist das nur eine Umschreibung einer puren Selbstverständlichkeit und nicht sehr aussagekräftig.

Beurteilung der Leistungsfähigkeit

Ein zentraler Punkt im Zeugnis, hier geht es um Intelligenz, Auffassungsgabe, Urteilvermögen, Kreativität, Belastbarkeit, Ausdauer, Ausbildung, Berufserfahrung, Fachwissen und auch Weiterbildungsaktivitäten.

  • Intelligenz/ Auffassungsgabe: "Er hat eine (ungewöhnlich) rasche Auffassungsgabe", "er arbeitet sich rasch in neue Probleme ein".

  • Belastbarkeit: "Er ist auch in schwierigen Situationen sehr gut belastbar und handelt dabei ruhig und überlegt."

  • Flexibilität/ Kreativität/ Vielseitigkeit: "Sie ist jederzeit fähig und bereit, auch schwierige Aufgaben selbständig zu lösen." "Er stellt sich auf veränderte Arbeitssituationen schnell ei n und ist daher vielseitig einsetzbar." Den Begriff "visionär" sollte man dagegen sparsam verwenden, da er auch als weltfremd gedeutet werden kann.

  • Fachwissen: Hier werden die Aussagen im Präsens formuliert, da der Mitarbeiter auch nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen noch über sein Wissen verfügt. Positiv sind hier Sätze wie "Frau X verfügt über ein umfangreiches, fundiertes und aktuelles Fachwissen, das sie stets zum Nutzen des Unternehmens sehr gut in der Praxis umsetzte. Wer in seinem Zeugnis aber liest, dass "Seine umfangreiche Bildung ihn stets zu einem gesuchten Gesprächpartner machte", hat wahrscheinlich zu viele Privatgespräche im Büro geführt. Negativ wirkt auch, wenn nur Anforderungen beschrieben werden ( "Diese Aufgabe erforderte Kenntnisse in…").

  • Weiterbildung: Erfolgsbezogene Aussagen wie "Hat sich angeeignet/ vervollkommnete" sind besser als "Wurde ausgebildet" oder "Hat absolviert".

Beurteilung der Arbeitsweise

Hier geht es um Selbständigkeit, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit. Wird aber die Sorgfalt und Genauigkeit eines Mitarbeiters ohne Aussage über die Arbeitsmenge gelobt, kann das als Indiz für die mangelnde Arbeitsgeschwindigkeit gelesen werden. Auch ist es ein Unterschied ob "Herr Müller pünktlich ist ( = besonders am Feierabend, persönliche Eigenschaft) oder ob Herr Müller seine Arbeit pünktlich erledigt ( = termingerecht).

Zusammenfassende Beurteilung der Leistung

Sehr gute Beurteilung: Sie hat die Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt. Wir waren mit seinen Leistungen stets außerordentlich zufrieden.

Gute Beurteilung: stets zu unserer vollen Zufriedenheit.

Befriedigende Beurteilung: Sie hat die Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt. Sie hat ihre Aufgaben voll zufriedenstellend getan.

Ausreichende Beurteilung: Sie hat ihre Aufgaben zufriedenstellend getan.

Mangelhafte Beurteilung: Er hat die Aufgaben zum großen Teil zu unserer Zufriedenheit getan. Sie hat ihre Aufgaben weitgehend/ in der Regel/ meist zufrieden stellend getan.