Eine Frage der Organisation

So klappt die Projektkarriere auch in Teilzeit

10.05.2011
Von Elisabeth Wagner
Die Projekt-Management-Preisträgerin Claudia Donig erläutert im CW-Gespräch, wann Teilzeitarbeit trotz großem beruflichen Stress funktioniert.

CW: Wie sah bei Ihnen in der Vergangenheit die Aufteilung zwischen Berufs- und Privatleben aus?

Claudia Donig: "Am wichtigsten ist eine gute persönliche Organisation inklusive verlässlicher Ansprechbarkeit."
Claudia Donig: "Am wichtigsten ist eine gute persönliche Organisation inklusive verlässlicher Ansprechbarkeit."
Foto: Claudia Donig

DONIG: Mein Mann und ich waren immer ein Team, beruflich wie privat. Als sich die Frage stellte, wer die Kinder schwerpunktmäßig betreut, habe ich mich entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen und entsprechend kürzer zu treten. Ich war insgesamt fünf Jahre zu Hause und habe bis März 2009 Teilzeit gearbeitet - zunächst 20 Stunden, dann 32 Stunden ab 2005, erst ab Mitte 2009 wieder Vollzeit.

CW: Wie haben Sie die Kinderbetreuung organisiert?

DONIG: Vor allem über Tagesmutter, Kindergarten, Hort und Schule. Mein Mann, ebenfalls Mathematiker und am Flughafen tätig, übernahm recht bald die Verantwortung für die gesamten Airport-Systeme und war wenig verfügbar. Wenn eines der Kinder krank war, habe ich einen Telearbeitstag eingelegt oder Überstunden abgebaut. Die Schulferien waren allerdings eine organisatorische Herausforderung, da auch der Hort in dieser Zeit geschlossen war. Wir haben sie gemeistert, indem wir viele Jahre kaum gemeinsam Urlaub machten. Und für eine Woche konnten auch mal die Großeltern einspringen.

CW: Wie konnten Sie trotz dieser zeitlichen Einschränkungen komplexe Projekte leiten?

DONIG: Am wichtigsten war eine gute persönliche Organisation inklusive einer verlässlichen Ansprechbarkeit. Ich war während meiner Teilzeittätigkeit an mindestens drei Tagen zu festen Zeiten im Büro erreichbar, an Telearbeitstagen telefonisch. Und wenn ich weiß, dass ich jeden Tag um Punkt 13 Uhr aufhören muss, dann arbeite ich extrem effizient. Zudem engagiere ich mich für meine beruflichen Aufgaben ebenso leidenschaftlich wie für meine Familie. Und wenn Not am Mann war, habe ich es immer geschafft, für jeden da zu sein.

CW: Hat Ihr berufliches Umfeld Sie unterstützt?

DONIG: Dass eine berufliche Entwicklung wie die meine in Teilzeit möglich war, hatte viel mit Vertrauen zu tun. Dieses musste ich mir jedoch erst einmal erarbeiten.

CW: Wie haben Sie es geschafft, Probleme in Projekten nicht mit nach Hause zu schleppen?

DONIG: Mein Mann und ich haben zwar bewusst versucht, arbeitsfreie Zonen zu schaffen, etwa am Wochenende oder durch gemeinsame Hobbys. Aber das hat nicht immer geklappt, denn wir haben über eine lange Zeit sehr eng zusammengearbeitet. Die Menge an Problemen, die wir zu Hause für den Flughafen diskutiert haben, ist beachtlich. Generell gelten aber zu Hause die gleichen Erfolgsfaktoren wie im Projekt-Management: Man muss klare Rollen und Verantwortlichkeiten definieren, für sich und auch für die Kinder.

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