Open Data in Deutschland

So finden und nutzen Sie offene Daten

06.12.2019
Von 
Oliver Bildesheim ist Manager Public Sector bei Sopra Steria. Zudem engagiert er sich in der AG Innovativer Staat der Initiative D21, ist persönliches Mitglied im Open Government Netzwerk Deutschland und von D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt.
Open Data bietet Unternehmen die Möglichkeit, datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu verbessern. Erfahren Sie, wo offene Daten verfügbar sind, welchen Nutzen sie bringen und was es zu beachten gilt.

Im Zeitalter der Digitalisierung sind Daten eine bedeutende, wenn nicht die bedeutendste Grundlage für innovative Produkte und Dienstleistungen. Sie schaffen beispielsweise in den Bereichen Mobilität, Landwirtschaft oder Smart Cities Wettbewerbs- und Standortvorteile.

Open Data eröffnet Unternehmen und Behörden die Möglichkeit, für sie passende frei zugängliche Daten für die Entwicklung neuer datengetriebener Produkte und Services zu nutzen.
Open Data eröffnet Unternehmen und Behörden die Möglichkeit, für sie passende frei zugängliche Daten für die Entwicklung neuer datengetriebener Produkte und Services zu nutzen.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Bereits im April 2016 besagte die Studie "Open Data. The Benefits - Das volkswirtschaftliche Potential für Deutschland" der Konrad-Adenauer-Stiftung, dass offene Verwaltungsdaten (Open Government Data, kurz: Open Data) helfen könnten, jährlich einen volkswirtschaftlichen Mehrwert von 43,1 Milliarden Euro und 20.000 Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Darüber hinaus könne eine umfassende Bereitstellung und Nutzung von Open Data "Treiber des gesellschaftlichen Wandels sein und das Verhältnis von Staat, Bürger und Wirtschaft entscheidend prägen".

In Deutschland wird das Potenzial selbst vorhandener Datenbestände jedoch noch nicht im möglichen und erforderlichen Umfang erschlossen. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen werden derartige Daten nicht oder nur zögerlich bereitgestellt. Zum anderen sind grundsätzlich verfügbare Datensätze nicht angemessen zugänglich und auffindbar. Außerdem sind Nutzungsbedingungen und Lizenzfragen nicht flächendeckend einheitlich geregelt.

Politik fördert Open Data

Zwischenzeitlich hat die Politik den Wert und die Bedeutung von offenen Daten jedoch erkannt und in der jüngeren Vergangenheit einiges auf den Weg gebracht hat, um Open Data endlich auch in Deutschland in Schwung zu bringen.

2017 verabschiedete der Bundestag eine Änderung des E-Government-Gesetzes. Diese verpflichtete die unmittelbare Bundesverwaltung, spätestens ab dem 13. Juli 2018 elektronisch erhobene Daten standardmäßig als Open Data ("Open by Default") bereitzustellen: unentgeltlich, frei zugänglich und maschinenlesbar.

Konventionelle Datenbanken sind Geschichte!

Open Data ist auch Teil der "Hightech-Strategie 2025" der Bundesregierung, die damit unter anderem das Ziel verfolgt, "die Möglichkeiten von Open Access, Open Science, Open Data und Open Innovation umfassender zu nutzen". Auf Basis von offenen Daten will die Bundesregierung "effektivere Lösungen für gesellschaftliche und technologische Herausforderungen entwickeln und auch […] Unternehmen schnelleren Zugang zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglichen", heißt es im Fortschrittsbericht zur Hightech-Strategie 2025, den das Bundeskabinett Anfang September 2019 verabschiedete.

In einigen Bundesländern gibt es zudem Gesetze oder Gesetzesvorhaben und Initiativen zur Förderung von Open Data, beispielsweise Open.NRW. Auch und gerade auf kommunaler Ebene laufen zahlreiche Projekte und Vorhaben rund um Open Data, etwa in Köln, Bonn oder Moers.

Open Data aus der öffentlichen Verwaltung

Aufgrund der gesetzlichen Rahmen und politischen Initiativen stehen mittlerweile zunehmend offene Verwaltungsdaten zur Verfügung. Auch der Zugang zu verfügbaren Datensätzen wird erleichtert. Eine Reihe von sogenannten "Open-Data-Portalen" bietet entsprechende Verzeichnisse. Die Geschäfts- und Koordinierungsstelle GovData mit Sitz in Hamburg stellt im Auftrag des IT-Planungsrates und auf Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung des Bundes und zahlreicher Länder mit "GovData - das Datenportal für Deutschland" einen einheitlichen, zentralen Zugang zu Verwaltungsdaten aus Bund, Ländern und Kommunen zur Verfügung. GovData.de verzeichnet (Stand 1. Dezember 2019) fast 34.000 Einträge. Gegenstand sind nicht nur Rohdaten, sondern auch offene Schnittstellen zu Datendiensten, das heißt APIs und Services, die eine funktionale Einbindung von Daten in eigene Systeme und Apps ermöglichen.

Daten zielgerichtet und effizient aufzufinden sowie sie hinsichtlich der Eignung als Grundlage eigener Produkte und Services zu bewerten, erfordern eine einheitliche Struktur für die Beschreibung der Eigenschaften von Datensätzen. Dazu hat GovData die einheitliche Metadatenstruktur für offene Verwaltungsdaten DCAT-AP.de geschaffen, die aus dem europäischen Metadatenstandard DCAT-AP abgeleitet und zu diesem kompatibel ist

Unterschiedliche Open-Data-Lizenzen

Wirklich offen sind Daten nur, wenn die Veröffentlichung nach der "Open Definition" erfolgt. Sie besagt, dass offene Daten und Inhalte von jedem und für jeden Zweck frei genutzt, modifiziert und geteilt werden können. Hier kommt den Nutzungsbedingungen, unter welchen Daten bereitgestellt werden, eine zentrale Bedeutung zu.

Verwaltungsdaten werden jedoch noch nicht flächendeckend unter einheitlichen Lizenzen veröffentlicht. Es kann zu komplizierten rechtlichen Fragestellungen führen, wenn unterschiedlich lizensierte offene Daten oder offene mit nichtoffenen Daten kombiniert als Grundlage für neue datengetriebene Produkte und Geschäftsmodelle dienen sollen. Hierzu veröffentlichte Open.NRW ein detailliertes rechtliches Kurzgutachten über Datenlizenzen für Open Government Data. Um solche Situationen zukünftig zu vermeiden, haben Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände die "Datenlizenz Deutschland" entwickelt, die in der Version 2.0 als offene Lizenz gemäß der Open Definition anerkannt ist.

Auch die meisten Publikationen, Metadaten und Rohdaten der EU-Kommission stehen seit Anfang 2019 unter einheitlichen Creative-Commons-Lizenzen. Sie sind unter anderem über das Europäische Datenportal zu finden.

Datengetriebene Business Cases mit Open Data

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit offener Daten zur freien, uneingeschränkten und damit auch zur kommerziellen Nachnutzung eröffnen sich neue Wertschöpfungsketten. Umgekehrt verstärken die Nachfrage nach offenen Daten und die Erfolge datengetriebener Geschäftsmodelle den Druck auf Politik und Verwaltung, weitere vorhandene Bestände als Rohdaten und über APIs bereitzustellen.

Das ist dringend erforderlich, da zum Beispiel neue Anwendungen auf Basis von Machine Learning große Datenmengen benötigen, um den Algorithmen eine ausreichende Menge an Trainingsfällen bereitstellen zu können. Innovative Business Cases, die auf offenen Daten basieren, gibt es eine ganze Reihe. Beispiele sind Lösungen zur teilflächenspezifischen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen und informationsgeleiteten Pflanzenproduktion. Hier kommen unter anderem offen verfügbare Fernerkundungsdaten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zur Anwendung. Ganz ähnlich verwenden auch Dienste zur Analyse des Potenzials von Flächen für erneuerbare Energiegewinnung diese Daten.

Die Verwaltung selbst kann ebenfalls von Open Data profitieren. So wurde auf Basis offener Geodaten und Datensätzen der Berliner Verwaltung in Kombination mit Daten des zuständigen Schulamtes ein Verfahren realisiert, das das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg bei der komplexen Optimierung der Einzugsgebiete von Grundschulen unterstützt.

Offene Daten sind ein wichtiger Beitrag von Behörden und Institutionen, um Bürgerinnen und Bürgern mehr Transparenz zu bieten und damit für mehr Vertrauen im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung zu sorgen. Sie können - die richtigen Fragestellungen und Ideen vorausgesetzt - aber auch für Unternehmen zu einer wertvollen Quelle werden, um neue, datengetriebene Geschäftsmodelle aufzusetzen. Sie können Daten aus öffentlicher Hand nutzen, um neue Wertschöpfungsketten zu schaffen sowie bestehende zu erweitern (jd)