Frauenkarrieren

So behaupten sich Frauen in der IT

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Bist du nur wegen der Frauenquote hier? Solche Fragen sollten Frauen parieren können, wenn sie sich in Männerdomänen wie dem Rechenzentrum, der IT-Infrastruktur oder der theoretischen Computerchemie durchsetzen wollen. Wir haben drei Frauen gefragt, wie sie das Arbeiten und Führen in einem solchen Umfeld erleben.

Die Abteilungsleiterin

Julia Langenberg arbeitet im Rechenzentrum, hier begegnet sie maximal einer Handvoll weiterer Frauen. Als Kind schraubte sie mit dem Vater an PCs herum, logisches Denken gefällt ihr seit jeher - "damit lässt sich so vieles erklären und den Dingen auf den Grund gehen". Als sie sich in der neunten Klasse für Informatik entschied und später für Wirtschaftsinformatik, wurde sie zunächst skeptisch beäugt. Langen­berg ließ sich aber nicht beirren und dachte: jetzt erst recht. "Das duale Studium an der Uni Mann­heim war für mich ideal, da ich während der Praxisphasen bei IBM unterschiedlichste Fachbereiche kennenlernen konnte. Data Warehouse hat mir sehr gut gefallen."

Wirtschaftsinformatikerin Julia Langenberg arbeitet in einem der Rechenzentren von BWI, dem IT-Dienstleister der Bundeswehr. Seit vergangenem Jahr leitet die 29-Jährige die Abteilung Storage, Backup und Network und führt ein Team von 26 Administratoren.
Wirtschaftsinformatikerin Julia Langenberg arbeitet in einem der Rechenzentren von BWI, dem IT-Dienstleister der Bundeswehr. Seit vergangenem Jahr leitet die 29-Jährige die Abteilung Storage, Backup und Network und führt ein Team von 26 Administratoren.
Foto: BWI

Ihre Bachelor-Arbeit hat sie dann schon für BWI geschrieben, den IT-Dienstleister der Bundeswehr. Acht Jahre nach ihrem Einstieg bei BWI leitet Langenberg die Abteilung Storage, Backup und Network und verantwortet mit erst 29 Jahren ein Team aus 26 überwiegend männlichen Administratoren, zum Großteil deutlich älter als sie. "Natürlich waren anfangs einige skeptisch, warum ich als Frau den Job bekommen habe. Aber wenn man sich fachlich bewiesen hat, wird man akzeptiert."

Bei BWI hat sie jahrelang als SAP-Basisadministratorin und im Implementation-Service- Management gearbeitet, wo sie viele Technik­themen über mehrere Abteilungen hinweg koordinieren musste. "In den Jahren erwarb ich ein grundlegendes Technikverständnis. Es war für mich sehr spannend, zu verstehen, wie die Themen zusammenhängen, und tief in die Technologien einzutauchen. Heute kommt mir dieses Verständnis zugute. Denn ich kann bei technischen Themen auf Augenhöhe mitreden, auch wenn ich als Führungskraft in meinem Berufsalltag nicht mehr in die Tiefen der Administration eintauche. Es ermöglicht mir, die Aufgaben meiner Mitarbeiter und den dafür notwendigen Zeitaufwand realistisch einzuschätzen. Ein großer Vorteil."

Und da Langenberg Eishockey-Fan ist, kann sie sich auch problemlos in jedes Männergespräch in der Kantine einklinken, da es in diesen vor allem um zwei Themen geht: Sport und Autos. Ihr Tipp an Abiturientinnen: "Die zwei wichtigsten Voraussetzungen, um in einem IT-Beruf erfolgreich zu sein, sind Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen. Es klappt nicht immer alles auf Anhieb, da gilt es, weiter zu tüfteln und neue Wege zu finden. Und dabei hilft logisches Denkvermögen enorm, um strukturiert an Probleme heranzugehen."

Die Chemieprofessorin

Als Birgit Strodel in Düsseldorf Chemie studierte, gab es nur männliche Professoren. Heute sind vier von 20 Professoren weiblich, und Strodel ist eine von ihnen. Dass es die 43-Jährige so weit geschafft hat, war kein Selbstläufer. Nach der Promotion in theoretischer Computerchemie ging sie zunächst als Postdoc nach Cambridge und erhielt vor acht Jahren die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe am Forschungszentrum in Jülich. Seit 2011 ist sie parallel dazu als Juniorprofessorin an der Universität Düsseldorf tätig.

"Wer Chemie studiert, da ihm nichts Besseres eingefallen ist, wird schwerlich Erfolg haben", sagt Strodel. "Echtes Interesse für das Fach Chemie und - in meinem Fachgebiet - auch für das Programmieren ist die wichtigste Voraussetzung. Gute Noten sind im Allgemeinen ein verlässlicher Indikator, ob jemand mit Herzblut dabei ist."

Birgit Strodel, promoviert in theoretischer Computerchemie, leitet am Forschungszen­trum Jülich eine Forschergruppe und lehrt zugleich als Junior-Professorin an der Uni­versität Düsseldorf.
Birgit Strodel, promoviert in theoretischer Computerchemie, leitet am Forschungszen­trum Jülich eine Forschergruppe und lehrt zugleich als Junior-Professorin an der Uni­versität Düsseldorf.
Foto: Forschungszentrum Jülich/Ralf-Uwe Limbach

Für die Chemikerin ist ihr Beruf eine Berufung. "Forschungsarbeit unterscheidet sich in vielen Punkten von einer Tätigkeit in der Wirtschaft oder Industrie. Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben ist nicht immer gegeben, da man seinen Beruf ein Stück weit auch nach Hause mitnimmt. Werden etwa Drittmittel nicht genehmigt, weil man eine Frist verpasst hat, kann die ganze Arbeit stagnieren. Das trifft einen persönlich." Drittmittel einzuwerben gehört zu ihren Hauptaufgaben. Weiter gehört dazu, ihre zehn bis zwölf Mitarbeiter zu betreuen, Vorlesungen und Seminare zu halten sowie ihre Forschungsergebnisse zu publizieren. Da sich die Forschung immer dem internationalen Vergleich stellen muss, sind die Rahmenbedingungen nicht so komfortabel, wie mancher vermutet: "Eine Teilzeitforschung ist kaum möglich, wenn man als Wissenschaftler auch internationalen Erfolg haben will."

Darum hält Strodel "Ehrgeiz und Durchhaltevermögen" für "wichtige Voraussetzungen, um sich in einem wettbewerbsintensiven Umfeld wie der internationalen Forschung behaupten zu können". Für Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, gebe es leichtere Modelle. Aber wenn man es wirklich will, klappt es, ist Strodel überzeugt. Sie selbst habe erst als Führungskraft gemerkt, warum es für Frauen manchmal schwieriger ist: "Da die Männer überall schon länger da sind, haben sie auch die belastbareren Netzwerke."

Die IT-Managerin in der Beratung

"Traut euch ein bisschen mehr als das, was ihr könnt." So Polina Peterssons Tipp an den Nachwuchs, den sie selbst beherzigt hat. Die 33-jährige Betriebswirtin begann nach ihrem Studium als SAP-Beraterin. Angst vor Technik war ihr fremd, sie merkte schnell, wie gut sie sich in neue Themen "hineinfressen" konnte.

Analytisches Auffassungsvermögen, das für den Beruf des IT-Beraters wesentlich ist, half ihr auch in Bezug auf die eigene Person. Sie ­erkannte ihre Wissenslücken, klemmte sich ­zu Hause hinter die Bücher, sprach mit Experten und machte sich so lange schlau, dass sie auf Augenhöhe mitdiskutieren konnte. Eine ITIL-Zertifizierung bekam sie so binnen einer Woche und konnte das neu erworbene Wissen ­sofort im Projekt einsetzen. Darum lautet ein zweiter Ratschlag an jüngere Kolleginnen: "Seid euch nie zu schade, die Ärmel hochzukrempeln, informiert euch und lauft auch den Informationen hinterher."

Polina Petersson arbeitet als IT Senior Manager für die Unternehmensberatung Accenture. Die Beraterin ist in den Bereichen Infrastruktur und Cloud-Services unterwegs.
Polina Petersson arbeitet als IT Senior Manager für die Unternehmensberatung Accenture. Die Beraterin ist in den Bereichen Infrastruktur und Cloud-Services unterwegs.
Foto: Accenture

Mittlerweile ist Petersson als IT Senior Managerin bei Accenture im Bereich Infrastructure Services und Cloud Consulting unterwegs, einem der Beratungsfelder, die stark von Technik geprägt sind. Petersson lässt sich davon nicht einschüchtern und versucht diese Haltung weiterzugeben: "Technische Themen werden oft als sehr komplex dargestellt. Auf Messen spreche ich sehr viel mit Bewerberinnen über den Arbeitsalltag und typische Aufgaben. Im Lauf des Gesprächs wird den Kandidatinnen klar: Technik ist machbar."

Wichtig ist der Beraterin auch, nicht nur auf Themen zu achten: "Arbeite für Menschen, von denen du viel lernen kannst und die dich in ihr Netzwerk aufnehmen." So hat sich Petersson immer erfahrene Mentoren gesucht, die ihr Tipps geben konnten, die in keinem Lehrbuch stehen: Wie verhalte ich mich im kleineren Projektteam? Wie agiere ich mit den Stakeholdern im Großprojekt?

Auch für Feedback sei ein Mentor sehr wichtig: "Frauen beziehen Feedback oft nur auf sich persönlich, anstatt es in größeren Kontext zu setzen und aus ihm zu lernen." Und auch in Sachen Selbstdarstellung könne Frau noch lernen, obgleich Petersson warnt: "Selbstmarketing sollte man nicht überstrapazieren. Wer in den Wald hineinruft, weckt Erwartungen, die er erfüllen können muss. Selbst-Marketing braucht immer eine fundierte Basis."