Gesundheit

Smartwatch überwacht Herz, Lunge und Schlaf

08.09.2020
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Die Withings Scanwatch warnt vor Vorhofflimmern und misst die Sauerstoffsättigung des Blutes. Die Schlafapnoe-Warnung folgt als Software-Update. Daneben ist die Uhr auch ein Fitness-Tracker mit 30 Tagen Akku-Laufzeit.
Withings Scanwatch: Uhr überwacht Herz, Lunge und Schlaf
Withings Scanwatch: Uhr überwacht Herz, Lunge und Schlaf
Foto: Withings

Die auf der CES 2020 in Las Vegas vorgestellte Hybrid-Smartwatch Withings Scanwatch ist ab sofort hier auf Amazon erhältlich. Sie eignet sich für Menschen, die wichtigte Körperwerte rund um die Uhr überwachen und zugleich eine vergleichsweise elegante Smartwatch mit möglichst langer Akku-Laufzeit tragen wollen. Die Uhr besitzt analoge Zeiger und Ziffernblatt und in der oberen Hälfte des Ziffernblatts ein rundes Display, das diverse Vitalwerte und Warnungen anzeigt. Dazu gehören die Erkennung von Vorhofflimmern und nächtlichen Atmungsstörungen sowie die Anzeige der Sauerstoffsättigung des Blutes. Withings ist derzeit an einer Forschungsinitiative der Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt, die Scanwatch in ein Patientenüberwachungsprojekt mit COVID-19 integriert.

ScanWatch und Withings-App
ScanWatch und Withings-App
Foto: Withings

Neben der Erkennung von Vorhofflimmern, Schlafapnoe und der Überwachung der Sauerstoffsättigung des Blutes bietet die Uhr auch das gewohnte Aktivitäts- und Schlaftracking (Gehen, Laufen, Schwimmen, Entfernung und Kalorienverbrauch, Tempo und Höhenmeter).


Besonderheit mit Einschränkung: Withings bezeichnet die Scanwatch als die „weltweit erste klinisch validierte Hybrid Smartwatch, die sowohl das Risiko von Arrhythmie (Vorhofflimmern) als auch von nächtlichen Atmungsstörungen erkennt – und zwar vom Handgelenk aus“. Die Scanwatch habe Withings zusammen mit Kardiologen und Schlafexperten entwickelt. Vor Schlafapnoe kann die Scanwatch allerdings noch nicht ab dem Verkaufsstart warnen. Denn dessen klinische Validierung habe sich aufgrund der Corona-Pandemie verzögert. Deshalb werde Withings das Schlafapnoe-Feature bis Ende des Jahres mit einem Softwareupdate nachliefern. Zum Verkaufsstart bietet die Scanwatch nur Hinweise auf Atmungsstörungen im Schlaf an, aber eben noch nicht die vollständige Schlafapnoe-Warnfunktion. Anders als die Omron Heartguidekann die Withings Scanwatch aber nicht den Blutdruck messen. Dafür ist sie aber auch nicht so schwer und so groß wie die Omron Heartguide.

Scanwatch von Withings
Scanwatch von Withings
Foto: Withings

Vorhofflimmern erkennen/1-Kanal-EKG

Ähnliche wie die Apple Watch oder bestimmte Blutdruckmessgeräte kann die Scanwatch zum Erkennen von Vorhofflimmern ein 1-Kanal-EKG aufzeichnen. Denn ein unregelmäßiger Herzrhythmus ist das Hauptsymptom für Vorhofflimmern.

Die EKG-Aufzeichnungen der Scanwatch werden über drei eingebaute Elektroden vorgenommen. Dazu müssen Nutzer den seitlichen Knopf drücken und beide Seiten des Uhrengehäuses berühren, um die Aufzeichnung jederzeit und überall zu starten, wie der Hersteller erklärt. Nach 30 Sekunden wird der Nutzer über den Abschluss der EKG-Aufzeichnung mittels Vibration informiert. Das Ergebnis der Messung wird sofort auf dem Bildschirm der Uhr angezeigt. Bei der EKG-Aufzeichnung wird das elektrische Signal von einem eigenen Algorithmus analysiert, der mit Kardiologen entwickelt und anhand von Tausenden von EKG-Signalen trainiert wurde, wie Withings betont.

Scanwatch von Withings
Scanwatch von Withings
Foto: Withings

Mit der Scanwatch kann die Herzfrequenz außerdem auch kontinuierlich (alle 10 Minuten) überwacht werden. Wenn Scanwatch über den eingebauten Herzfrequenzsensor (PPG-Sensor) einen unregelmäßigen Herzschlag feststellt, wird der Nutzer über das Display der Uhr aufgefordert, in nur 30 Sekunden eine EKG-Aufzeichnung vorzunehmen. Alle gesammelten Daten können mit einem Arzt oder einer medizinischen Fachkraft über die Health Mate App geteilt werden. Hierzu kann man die Daten aus der Health Mate App als PDF exportieren.

SpO2-Messung: Sauerstoffsättigung des Blutes überwachen

Die Scanwatch besitzt einen integrierten SpO2-Sensor. Damit soll die Hybrid-Smartwatch die Funktion eines Oximeters zur Verfügung stellen. Mit dem SpO2-Wert (periphere kapillare Sauerstoffsättigung) wird die Sauerstoffmenge im Blut geschätzt. Die Sauerstoffsättigung gilt neben Puls, Atemfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur als fünftes Vitalzeichen. Die SpO2-Messung kann laut Withings Hinweise auf Asthma, akutem Lungenschaden oder chronische Lungenerkrankungen geben.

Scanwatch von Withings
Scanwatch von Withings
Foto: Withings

Die SpO2-Messung wird genauso wie die EKG-Aufzeichnung bei Bedarf innerhalb von 30 Sekunden am Handgelenk durchgeführt. Withings beschreibt das Messverfahren folgendermaßen: „Ein Multi-Wellenlängen-Sensor (PPG-Sensor) sendet Infrarot-Lichtsignale und durchleuchtet die Blutbahnen. Ein Algorithmus vergleicht dann die Reflexionen bei jeder Wellenlänge, um den SpO2-Wert
zu berechnen. Dieses Feature wurde nach einer klinischen Studie im Hypoxia-Labor der Universität von Kalifornien in San Francisco geprüft und ist nun CE-validiert.“

Schlafapnoe-Feature

Das Schlafapnoe-Feature wird derzeit noch klinisch validiert und mit einem Softwareupdate Ende des Jahres an die Nutzer der Scanwatch ausgerollt. Die Covid-19-Pandemie habe hier zu einer Verzögerung geführt. Zum Auslieferungsstart erkennt die Scanwatch aber immerhin Anzeichen für nächtliche Atemstörungen: „Diese werden durch einen exklusiven Algorithmus erkannt, der auf einer Analyse des Sauerstoffgehalts im Blut, der Herzfrequenz, der Bewegungen und der Atemfrequenz basiert, die durch den Beschleunigungsmesser und den optischen Sensor erfasst werden.“

Technische Daten

Die Hybrid Smartwatch besitzt ein wasserdichtes Edelstahlgehäuse (316L) und ein Saphirglas-Zifferblatt. Sie sollte also relativ robust gegen Stöße sein. Das PMOLED-Hybrid-Display zeigt wichtige Gesundheits- und Sportdaten wie die aktuelle Schrittzahl sowie die des Vortages, tägliche und frühere Schlafwerte, Kalorien, Distanz und Herzfrequenz an. Mit der digitalen Krone an der Seite der Uhr können Nutzer durch alle Anzeigen scrollen. Die digitale Krone ermöglicht es zudem, eine EKG-Aufzeichnung und SpO2-Messung zu starten, Trainingsmodi zu aktivieren und Alarme einzustellen sowie zu deaktivieren. Das Display der Uhr zeigt außerdem Smartphone-Benachrichtigungen in Verbindung mit einer diskreten Vibration automatisch an.

Eine Akkuladung soll bis zu 30 Tage durchhalten. Die Uhr ist bis 5 ATM wasserdicht. Sie können damit also duschen, aber nicht schwimmen! Ein Höhenmesser ist ebenfalls integriert. Alle Daten werden wie gehabt an die Health Mate App übertragen. In dieser App werden zum Beispiel auch die Daten von der Körperanalysewaage Withings Body Cardio gespeichert.

Preis: Die Scanwatch von Withings ist ab sofort in zwei verschiedenen Größen, 38mm für 279,95 Euro (CHF 299,95) und 42mm für 299,95 Euro. (CHF 329,95) auf Amazon erhältlich.Zudem können Nutzer aus einer Vielzahl von austauschbaren Silikon-, Leder- und Milanaise-Armbändern wählen. (PC-Welt)