New Work

"Smart Screens und VR-Brillen werden Standardtools"

14.06.2021
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.
QAware führte im Zuge der Pandemie neue Werkzeuge ein, die sämtliche Aspekte des verteilten Arbeitslebens aufgreifen. Ein Gespräch mit Personalchefin Christine Böttcher und Geschäftsführer Josef Adersberger.
Ein hybrides Meeting im Mainzer Büro von QAware.
Ein hybrides Meeting im Mainzer Büro von QAware.

Seit März 2020 arbeitet nahezu Ihr gesamtes Team von zuhause. Wie gestalten Sie die virtuelle Zusammenarbeit?

Josef Adersberger: Wir haben mit dem Mantra Antifragilität reagiert. Also: Aus der Energie der Krise noch besser werden. So haben wir mit viel Engagement unsere virtuelle Arbeitsumgebung ausgebaut, eine Vielzahl neuer Werkzeuge eingeführt, die alle Aspekte des verteilten Arbeitslebens adressieren, entwickeln eigene Smart Screens, testen VR-Headsets für Treffen und treiben das Forschungsprojekt "Digitale Teams" voran. All das hat ein Ziel: Dass das verteilte Arbeiten zum neuen Normal wird und wir so insgesamt noch produktiver arbeiten können.

Josef Adersberger, technischer Geschäftsführer bei QAware: "Wir möchten aus der Energie der Krise noch besser werden."
Josef Adersberger, technischer Geschäftsführer bei QAware: "Wir möchten aus der Energie der Krise noch besser werden."
Foto: QAware

Statt in der Kaffeeküche oder beim Essen treffen wir uns in unserem virtuellen Büro oder in Gather Town, einer virtuellen Begegnungsfläche mit der Anmutung eines Computerspiels. Einige treffen sich nach Feierabend mit der VR Brille im "rec:room" und spielen dort Capture the Flag.

Künftig sind Einzelbüros per App buchbar

Christine Böttcher: Gemeinschaft erleben wir auch in unseren per App zugelosten Coffee Dates. So lernen wir neue Kolleginnen und Kollegen kennen, denen wir noch nie live begegnet sind. Trotzdem vermissen viele die Arbeit im Büro. Sobald es die Situation erlaubt, werden unsere Räume per App als Einzelbüros buchbar sein. Dort findet man dann jeweils einen "Desk4You" vor, einen hochwertig ausgestatteten Arbeitsplatz, an den man nur noch seinen Laptop anschließt und sofort loslegen kann.

Christine Böttcher, Director of Human Resources bei QAware, sagt: "In zugelosten Coffe Dates lernen sich Kolleginnen und Kollegen neu kennen."
Christine Böttcher, Director of Human Resources bei QAware, sagt: "In zugelosten Coffe Dates lernen sich Kolleginnen und Kollegen neu kennen."
Foto: QAware

Was bedeutet das für Ihre Team- und Führungskultur?

Böttcher: Wir orientieren uns in der Kulturgestaltung seit Gründung an den menschlichen Grundbedürfnissen: Sicherheit, Lustgewinn, Bindung und Selbstwert. Sicherheit gibt unsere Strategiegruppe COVID. Sie steuert das Thema für QAware, informiert und steht für Fragen zur Verfügung. Jede*r kann individuelles Coaching durch eine Psychologin in Anspruch nehmen und für medizinische Fragen haben wir eine Corona-Hotline mit unserem Betriebsarzt eingerichtet.

Um weiter Zusammengehörigkeit zu erleben, feiern wir gemeinsam in virtuellen Welten, etwa bei unserer Weihnachtsfeier mit Live-Band aus Berlin, Zauberkurs als Kinderprogramm und tollem Weihnachtsessen per Post für die ganze Familie. Auch virtuelle Teamevents vom Cocktailkurs bis Escape Room oder Yoga schweißen uns zusammen.

Auch das letztjährige Weihnachtsgeschenk war ein Ausdruck des Zusammenstehens. Alle bekamen ein hochwertiges Frühstücksbrett mit einer Baumpatenschaft geschenkt. So haben wir nun einen QAware Wald, den wir natürlich auch besuchen wollen. Weitere Zeichen der Wertschätzung und Fürsorge sind unsere Homeoffice-Grüße. Nach den ersten Wochen im Homeoffice haben wir ein Paket mit einer Thermoskanne und einem QAware Hoodie verschickt, mit einer Grußkarte der gesamten Unternehmensleitung. Der Text lautete: "Hat diese Zeit auch ihr Gutes? Ja klar, dich!" Als es dieses Jahr weiter in den Lockdown ging, haben wir ein weiteres Paket verschickt, mit einer Akupressurmatte. Stachelig, aber entspannend und inzwischen bei vielen täglich im Einsatz.

Slack ist der neue Flur und die neue Kaffeeküche

Wo finden persönliche Begegnung in der virtuellen Welt statt?

Adersberger: Ein erheblicher Teil der persönlichen Begegnungen hat sich in Slack verlagert. Slack ist der neue Flur und die neue Kaffeeküche. Ziel aller Maßnahmen ist letztlich: Wertschätzung vermitteln, regelmäßiges Feedback in alle Richtungen, vielfältige soziale Interaktion, das ist jetzt noch wichtiger als zuvor. Außerdem Transparenz: Man muss mehr kommunizieren und messen, um zu verhindern, dass man Menschen abhängt oder Probleme nicht mitbekommt.

Wie viel Homeoffice wird bleiben?

Böttcher: An die neuen Kommunikationsformen und Arbeitsweisen haben sich inzwischen alle gewöhnt. Zusätzlich werden sich virtuelle Kooperationstools und Arbeitswelten weiterentwickeln, neu entstehen und verstärkt eingesetzt werden. Für uns ist Arbeiten von zuhause eine dauerhafte strategische Entscheidung, die wir Anfang des Jahres explizit getroffen haben: Unabhängig von der Pandemie ist jede und jeder im Team aufgefordert, den eigenen Arbeitsmodus situationsabhängig eigenverantwortlich zu wählen. Voraussetzung dafür ist eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen, denen unserer Kunden und Kundinnen sowie den Unternehmensinteressen. Wir rechnen künftig mit durchschnittlich zwei bis drei Tagen mobilem Arbeiten.

Braucht es eine neue Organisation für die Treffen im Büro?

Böttcher: Die Sehnsucht nach persönlicher Begegnung wird weiter groß sein, aber wir werden uns bewusster treffen. Der Default-Zustand hat sich umgekehrt: Früher hat man geplant, wann man von zuhause aus arbeitet, inzwischen plant man, wann man im Büro ist. Büros werden sich verstärkt zu Begegnungs- und Kollaborationsflächen entwickeln. Wir werden vermehrt in Huddle Rooms und Digital Product Studios zusammenarbeiten. Smart Screens und VR-Brillen werden bald Standardtools der Zusammenarbeit sein.

Adersberger: In dem Zusammenhang glaube ich persönlich nicht an hybride Treffen. Entweder alle sind remote oder alle sind vor Ort.

Great Place to Work in der ITK 2021

Great Place to Work 2021
Great Place to Work 2021
Foto: Great Place to Work

93 ITK-Unternehmen hat Great Place to Work in diesem Jahr als beste Arbeitgeber ausgezeichnet. So viele wie nie zuvor. Der Münchner IT-Dienstleister QAware hat in der Größenklasse der Unternehmen mit 101 bis 500 Beschäftigten erneut den ersten Platz erreicht.

Lesen Sie hier alle Gewinner des Wettbewerbes 2021 nach.

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