Smart-City-Studie von eco und ADL

Smart-City-Umsätze verdoppeln sich auf 43,8 Milliarden Euro

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Im internationalen Vergleich scheint Deutschland in Sachen Smart Cities im tiefen Dornröschenschlaf zu liegen. Nach einer Studie von eco und Arthur D. Little wcht man hierzulande langsam auf: Bis 2022 sollen sich die Smart-City-Umsätze auf 43,8 Milliarden Euro verdoppeln.
Smart-City-Konzepte haben auf die unterschiedlichsten Segmente Auswirkungen.
Smart-City-Konzepte haben auf die unterschiedlichsten Segmente Auswirkungen.
Foto: Arthur D. Little, eco e. V.

Der Smart-City-Markt ist in den kommenden Jahren einer der am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit - auch in Deutschland. Laut der einer Studie von eco und Arthur D. Little verzeichnet dieser Sektor 2017 einen Umsatz von circa 20,4 Milliarden Euro. Laut Studie "Der deutsche Smart-City-Markt 2017-2022. Zahlen und Fakten" sollen sich diese Umsätze in Deutschland bis 2022 auf rund 43,8 Milliarden Euro verdoppeln - das entspricht den Studienautoren zufolge einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 16,5 Prozent.

Security- und Logistik-Themen haben Vorrang

Bis 2022 soll sich der Smart-City-Markt in Deutschland auf über 43 Milliarden Euro verdoppeln.
Bis 2022 soll sich der Smart-City-Markt in Deutschland auf über 43 Milliarden Euro verdoppeln.
Foto: Arthur D. Little, eco e. V.

Zukunftsweisende Mobilitätsstrategien, wie sie die Smart Cities Wien oder Dubai zum Teil schon umgesetzt haben, werden sich auch in Deutschland durchsetzen, prognostiziert die Studie. Der Bereich mit dem größten Marktvolumen im Smart-City-Ökosystem ist und bleibt die Transport- und Logistik-Branche. Intelligente Parksysteme, reibungslose Verzahnung unterschiedlicher Verkehrssysteme und intelligentes Verkehrs-Management sind einige der Services aus diesem Segment.

Auch der Bereich IT-Sicherheit und Netzinfrastruktur profitiert von besonders großen Investitionen - mit circa 3,5 Milliarden Euro Umsatz 2017 und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von über 13 Prozent. Gemeinsam mit dem Bereich physischer Sicherheit mit audiovisueller Überwachung, intelligenten Zugangskontrollsystemen sowie Identitäts-Management und Gebäudeautomatisierung vereinen die oben genannten Wachstumsfelder über 65 Prozent des gesamten Smart-City-Marktes im Jahr 2017 für sich.

Smarte Bildung und Gesundheit

Mit einem jährlichen Wachstum von rund 27 Prozent wird das Marktsegment Bildung ebenfalls stark zulegen. Die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen steht noch am Anfang, hier sind in den nächsten Jahren, so die Studie, hohe Ausgaben für Hardware, Software und Service-Leistungen wie Cloud-Plattformen sowie digitale Lehrinhalte zu erwarten. Hohe Investitionen sagt die Studie auch für die Gesundheits-Infrastruktur voraus. Mobile Gesundheitsgeräte wie portable Blutzuckermessgeräte treiben diese Entwicklung. Die alternde Bevölkerung wird zunehmend von digitale Patientenakten und persönlichem Gesundheits-Management profitieren

Die Smart-City-Segmente wachsen hierzulande unterschiedlich. Das größte Volumen hat die Transport- und Logistik-Branche.
Die Smart-City-Segmente wachsen hierzulande unterschiedlich. Das größte Volumen hat die Transport- und Logistik-Branche.
Foto: Arthur D. Little, eco e. V.

"Smart-City-Konzepte bieten Antworten auf die Herausforderungen der Urbanisierung", kommentiert Harald Summa, Geschäftsführer eco - Verband der Internetwirtschaft e. V., die Studienergebnisse. Für ihn gehören dazu Lösungen für mehr Mobilität, eine bessere Luft- und Umweltqualität und für eine alternde Bevölkerung. Summa ist überzeugt, dass das Internet der Dinge (IoT) in Form von Smart-City-Lösungen Kommunen und Bürgern die adäquate Versorgung älterer Menschen erleichtert und gleichzeitig mit smarten Verkehrs-Konzepten Staus und Emissionen verringert.

"Der Smart-City-Markt ist sowohl für die Internetwirtschaft als auch für Unternehmen anderer Industrien sehr interessant", bekräftigt Lars Riegel, Principal Arthur D. Little GmbH. Allerdings müssten deutsche Firmen schnellstens damit beginnen, entsprechende Produkte und Services mit Testkunden auf den Markt zu bringen. Ebenso seien Referenzprojekte erforderlich. Nur so kämen die deutschen Unternehmen bei den großen Mega-Projekten - wie sie bereits heute international durchgeführt werden - zum Zuge. Im Ökosystem Smart City, so Rieger weiter, würden Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren zusammenarbeiten - Player, die dagegen nicht proaktiv offen für Kooperationen sind, hätten dagegen keine Chance.

Ganzheitlicher Smart-City-Ansatz

"Damit deutsche Städte in den kommenden Jahren im internationalen Vergleich zu führenden Smart-Cities aufsteigen, müssen sie heute enger zusammenarbeiten und einen ganzheitlichen Ansatz finden", fordert zudem Summa. Das bedeute, eine kohärente Strategie zu finden, die eine Vielzahl unterschiedlicher Smart-City-Angebote integriert - von Mobilität über Energie-Management bis hin zu Sicherheitslösungen.