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Situation der TK-Ausrüster bleibt angespannt

28.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die jüngsten Hoffnungen der Investoren auf eine Erholung bei den TK-Ausrüstern schwinden wie im Flug, nachdem die sechs größten Netzbetreiber in den USA Kürzungen ihrer Investitionsbudgets bekannt gaben. Demnach planen die Carrier, ihre Ausgaben in TK-Equipment im Vergleich zum bereits schwachen Vorjahresquartal im Schnitt um weitere 19 Prozent zu senken. Die Ankündigungen sorgen für Kopfschmerzen bei Anbietern wie Nortel, Lucent oder Corning, die seit fast drei Jahren bemüht sind, dem Umsatzeinbruch durch Kostensenkungen beizukommen.

In Europa meldet der weltgrößte Mobilfunkbetreiber Vodafone Einschnitte bei seinem 8,8 Milliarden Dollar hohen Jahresbudget an. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, gehen informierte Kreise von einer Senkung um bis zu zehn Prozent aus, was die Ausrüster Ericsson und Nokia weiter belasten könnte.

Anfang des Jahres rechneten viele Marktbeobachter noch damit, dass die TK-Branche nach drei Jahren Krise langsam aber sicher die Talsohle passiert hat. Doch die jüngsten Investitionskürzungen nähren die Zweifel an dem erhofften Aufschwung. Grund für die Sparmaßnahmen der Carrier sind die anhaltend schwache Konjunktur und die Unsicherheit infolge des - wenn auch kurzen - Irak-Kriegs. Daneben droht nun auch das schwere Atemwegssyndrom SARS den Equipment-Herstellern das Geschäft zu verhageln. Nach Angaben des Wirtschaftsblatts kommt es etwa bei der Installation von Basisstationen für das 3G-Netz von Hutchison Whampoa in Hongkong zu ersten Verzögerungen, da den beauftragten Siemens-Ingenieuren aus steigender Angst vor dem Virus der Zugang zu einigen Gebäuden verwehrt wurde.

Die Prognosen innerhalb der Branche sind unterschiedlich: Während der Hersteller optischer Netzkomponenten Ciena frühestens Ende 2005 mit erstem Wachstum in dem Sektor rechnet, kann Lucent zwar keine generelle Erholung, aber zumindest leichte Zeichen auf eine Verbesserung des Marktes gegenüber dem Vorjahr erkennen. Und Nortel gelang es im abgelaufenen Berichtszeitraum, dank Kostensenkungen ein Quartal früher als erwartet schwarze Zahlen zu schreiben. Das nächste wichtiges Signal für die Branche wird für den 6. Mai erwartet, wenn Cisco seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal bekannt gibt. (mb)