Weil es um den Menschen geht

Sinngebung in der digitalen Welt

27.12.2018
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Stefan Dudas ist Business-Experte für Sinngebung. Der Keynote-Speaker, Coach und Autor legt humorvoll und tiefsinnig das Fundament für neue Denk-Ansätze Sein „suxess-System für sinnbasiertes Management“ vermittelt Sinnhaltigkeit in Führung,  Kommunikation sowie Motivation. Der Schweizer Vordenker steht im Ruf, das Bewusstsein für Sinn in den Unternehmen und in unserer Gesellschaft zu schärfen.
Algorithmen und Prozesse übernehmen die Führung, wo wir früher kreativ und selbstbestimmt arbeiten konnten. Kein Wunder, dass Menschen nach dem Sinn fragen.

Digitale Transformation, disruptive Technologien und Change in allen Bereichen. Täglich werden wir produktiver und flexibler - rundum agil eben. Die Technik entwickelt sich rasend schnell und lange Zeit dachten wir, es läge nur daran, Schritt zu halten, die sich schnell verändernde Technik zu beherrschen. Ein fataler Irrtum! Denn die wichtigste Herausforderung ist und wird es sein, TROTZ dieser Veränderungen uns selbst im Fokus zu behalten. Wie steht es also um die Ressource Mensch in der digitalen Welt?

Mitarbeiter fragen immer häufiger nach dem Sinn ihres Tuns und wollen in einem kreativen Umfeld arbeiten.
Mitarbeiter fragen immer häufiger nach dem Sinn ihres Tuns und wollen in einem kreativen Umfeld arbeiten.
Foto: g-stockstudio - shutterstock.com

Riskieren wir einen ehrlichen Blick auf unser Arbeitsleben stellen wir schnell fest: Glücklicher oder zumindest zufriedener sind wir nicht geworden - und das obwohl die Prognosen doch immer dahingehend lauteten, dass wir es dank der Digitalisierung einmal leichter haben werden, wenn alles schneller geht, wir transformiert sind und agilisiert. Erstaunlich, die Probleme in der Arbeitswelt sind nicht weniger geworden, anders vielleicht, aber keineswegs leichter, mit ihnen umzugehen. Das zeigt besonders ein zweiter ehrlicher Blick in die Gesichter der Menschen am Montagmorgen im Bus oder in der Bahn. Studien über Mitarbeitermotivation, Burnout oder Stress erübrigen sich. In Japan gibt es ein Wort für den Tod durch Überarbeitung: Karoshi. Denn Tatsache ist: Wir entwickeln uns auf technischer Ebene kontinuierlich weiter, vergessen aber das Wesentlichste dabei: den Menschen.

Wie wir wirklich ticken

Wir implementieren neue Organisationsformen, führen Projekt- und Prozess-Management ein oder gestalten einfach nur unsere Großraumbüros um, damit diese den neuen digitalen, transformatorischen und agilen Anforderungen gerecht werden. Wenn allerdings die Menschen den Sinn nicht verstehen, fahren wir alle noch so notwendigen Veränderungs-Maßnahmen gegen die Wand. Es geht darum, zu verstehen, wie wir Menschen ticken, zu analysieren, was wir wollen, was uns wirklich wichtig ist - und warum. Es geht um die Veränderung von Denkmustern, die uns ein Leben lang begleitet haben. Geld ist ein Faktor, aber bei weitem nicht mehr der Wichtigste. Menschen möchten Sinn erleben, in dem, was sie täglich tun. Menschen möchten "nützlich" sein und dafür wertgeschätzt werden. Es darf also bei den Unternehmen nicht mehr nur um Umsatz, Wachstum und Rendite gehen. Es geht vielmehr darum, die Zeit, in der wir arbeiten so spannend, kreativ und sinnstiftend wie möglich zu gestalten. Und das ist gleichermaßen Aufgabe von Unternehmen wie Führungskräften und jedes einzelnen Mitarbeiters.

Wenn wir weitermachen wie bisher

Auf der einen Seite wollen Unternehmen moderner und agiler werden. Auf der anderen Seite machen Führungskräfte oft einfach weiter so, wie sie es einmal vor vielen Jahren in teuren Managementkursen gelernt haben. Wir haben uns in unseren coolen Management-Denkmuster-Filz eingehüllt und wollen auch gar nicht darüber nachdenken, wie es anders sein könnte oder vielmehr müsste. Zum Glück gibt es aber auch einige wenige Unternehmen und Menschen darin, die sich Gedanken machen über das Leben und die Arbeit. Beides ist nämlich schon heute in vielen Fällen nicht mehr trennbar und zukünftig wird alles sogar noch viel enger miteinander verknüpft sein. Und in beiden Bereichen verändert die digitale Welt sehr viel.

Kommunikation erreicht neue Dimension

Was aber ist der entscheidende Grund, dass man sich in den Unternehmen verstärkt über das (Arbeits-)Leben Gedanken macht - ja machen muss? Erstens wird jemand, der seine Arbeit mag, wesentlich bessere Ergebnisse liefern und sich mehr einsetzen. Und zweitens spricht sich eine gute Stimmung im Unternehmen - ebenso natürlich wie eine schlechte - schnell herum. Die "Mund zu Mund-Propaganda" erreicht heute sogar eine völlig neue Dimension. Im Gegensatz zum Stammtisch, an dem man sich unter 4, 6 oder 8 Augen über den Job, die Kunden oder den Chefs ausgelassen hat, kann schon ein einziger sehr negativer Kommentar Kunden oder Mitarbeiter kosten. Alles wird transparenter. Der wertschätzende Umgang mit Ressourcen, Mitarbeitern und Kunden muss also wirklich gelebt werden, tagtäglich. Lügen finden sich ansonsten rasch im Netz wieder - der Digitalisierung sei Dank! Dies erkennen immer mehr Unternehmer und überdenken deshalb auch die Art, wie sie führen.

Viele Menschen definieren sich über ihre berufliche Stellung. Beruf, Position, Anzahl der Mitarbeiter - oft wird das Selbstwertgefühl und das Bild nach außen durch den Job bestimmt. Erstaunlich, dass im Gegenzug laut Gallup-Studie 70 Prozent der Menschen von ihrem Job nicht begeistert sind und "Dienst nach Vorschrift" machen. Wie viel Wert messen wir uns selbst also eigentlich zu? Welcher Mensch, der sich selber viel Wert ist, würde jeden Tag 8 Stunden etwas tun, was ihm nicht wirklich Spaß und ihn glücklich macht? Wollen wir wirklich 5/7 unseres Lebens vergeuden? Oder braucht es tatsächlich tiefgreifende Verhaltensänderungen, wie wir über Arbeit, über Menschen und uns selber denken. Verändern wir uns also zu agilen Menschen in eine neue Arbeitswelt - aber bitte mit Sinn!