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Simon-Wiesenthal-Zentrum kritisiert Ebay

29.11.1999
Über 3000 Nazi-Auktionen auf der US-Site

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles hat die amerikanische Auktions-Site Ebay heftig dafür kritisiert, Nazi-Hinterlassenschaften nicht nur in mehreren tausend Auktionen anzubieten, sondern viele davon auch nach Deutschland zu verkaufen. Bei den zur Versteigerung gebotenen Objekten handele es sich neben historischen Stücken vor allem auch um Artikel mit eindeutig propagandistischem Hintergrund wie etwa ein "Nazi Screen Saver", der zu "deutscher Musik" Bilder von Hitler, Himmler, Göbbels, Hess und anderen Nazi-Größen auf dem Bildschirm zeigt. Zwar könnten Deutsche in diesem Fall das Produkt nicht erwerben, aber viele andere Auktionen beinhalteten diese Sicherheitsklausel nicht. Das jüdische Zentrum rief den Online-Auktionator nun dazu auf, seine "Praxis der Vermarktung solcher Gegenstände zu überdenken". Es

sei nicht das Ziel, Ebay anzuklagen, sondern zu verhindern, daß "weiter Nazi-Memorabilien nach Deutschland verkauft" werden, äußerte sich Rabbi Abraham Cooper gegenüber der "New York Times". Er wird aller Voraussicht nach diese Woche nach Berlin reisen, um die Problematik mit Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin zu besprechen.

Die deutsche Tochter Ebay.de hat nach eigenen Angaben illegale Auktionen aus ihrem Angebot gelöscht. Der amerikanische Mutterkonzern will jedoch den Verkauf von Nazi-Andenken an Deutsche nicht generell unterbinden. Das Blockieren von Auktionsangeboten widerspreche dem Firmengrundsatz, den Handel nicht durch Eingriffe zu behindern.

Erst vor kurzem hatte das Simon-Wiesenthal-Zentrum beim Online-Buchhändler Amazon.com einen Verkaufsstop von Adolf Hitlers "Mein Kampf" durchgesetzt. Barnesandnoble.com will den Vertrieb nach Deutschland vorerst nicht einstellen.