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Siemens will Tausende ICM-Jobs nach Ungarn verlagern

12.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Siemens-Konzern überlegt, zwischen 2000 und 3000 Arbeitsplätze seiner Mobilfunksparte (ICM) aus den Produktionsstätten von Handys und Schnurlostelefonen in Bocholt und Kamp-Lintfort nach Ungarn zu verlagern. Schon vor einem Monat hatte das bayerische Unternehmen bekannt gegeben, man werde den Großteil der 15.000 Jobs in der Softwareentwicklung, die momentan noch in Westeuropa und den USA erledigt werden, nach Osteuropa, Indien und China verlagern. Zudem will Siemens in ein Handy-Werk in Brasilien investieren.

Unter den gegebenen Kostenstrukturen müssten rund 2000 Arbeitsplätze in der Massenfertigung ins Ausland verlagert werden, sagte Firmensprecher Peter Gottal. Die Löhne in Ungarn lägen um 75 Prozent unter denen hierzulande. Kostennachteile, die 30 Prozent übersteigen, können nach Meinung von Siemens auch nicht durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden.

Wolfgang Müller, bei der IG Metall für die Sparte Informationstechnologie zuständig und als Gewerkschaftsvertreter im Siemens-Aufsichtsrat, sagte, es sei völlig unrealistisch, solche Einsparungen zu erzielen. Die Arbeitskosten in Deutschland um 30 bis 40 Prozent zu senken, sei nicht möglich. Die Siemens-Division ICM verhandelt derzeit mit Arbeitnehmervertretern darüber, wie die Arbeitskosten an den beiden Standorten gesenkt werden können. Man wolle, so Siemens, möglichst viele Arbeitsplätze wettbewerbsfähig machen.

Bekannt ist, dass Siemens-Chef Heinrich von Pierer die EU-Osterweiterung zu großflächigen Arbeitsplatzverlagerungen nutzen will. Sowohl ICN als auch Siemens Dematic, Siemens Hausgeräte, Bosch, der Autozulieferer VDO und bei Automation & Drives wollen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" die Optionen eines so genannten Nearshoring nutzen.

Sowohl der Gesamtbetriebsrat als auch die IG Metall haben den Autozulieferer Siemens VDO Automotive zu Verhandlungen über den Standort Deutschland aufgefordert, schreibt "Spiegel online". Siemens VDO Automotive ist der weltweit führende Automobilzulieferer für Elektonik und Mechatronik. Das Unternehmen unterhält 40 Standorte in Deutschland mit rund 20.000 Arbeitsplätzen. (jm)