Web

 

Siemens schneidet besser ab als erwartet

24.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Münchner Siemens-Konzern hat Zahlen zum Ende Juni abgeschlossenen dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Demnach konnte das Unternehmen nach einem Nettoverlust von 705 Millionen Euro oder 79 Cent pro Aktie im Vergleichsquartal des Vorjahres aktuell einen Nettogewinn von 725 Millionen Euro oder 81 Cent je Anteilschein ausweisen. Das operative EBIT (Ergebnis von Zinsen und Steuern) beläuft sich auf 892 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 479 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Positiv schlugen sich unter anderem der Verkauf der US-Tochter Unisphere an Juniper und ein erfreuliches Geschäft in den Sparten Power Generation, Medical Solutions, Automation and Drives sowie Osram nieder.

Die Quartalseinnahmen lagen trotz Branchenkrise mit 20,482 Milliarden Euro nur um vier Prozent unter Vorjahresniveau, der Auftragseingang ging um 20 Prozent auf 19,033 Milliarden Euro zurück. Bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseffekte wären der Umsatz laut Siemens sogar um drei Prozent gestiegen; das Minus beim Auftragseingang liegt bereinigt bei 15 Prozent. Aus dem operativen Geschäft ergab sich ein Mittelzufluss von 4,347 Milliarden Euro; 1,141 Milliarden Euro flossen aus Investitionstätigkeit ab.

Der Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer äußerte sich vor allem über den positiven Netto-Cashflow erfreut: "Das zeigt, dass wir mit unserem Asset Management auf dem richtigen Weg sind", so der Siemens-Chef. Die Prognose für das laufende vierte Quartal fiel eher verhalten aus - hier werde der Gewinn voraussichtlich unter dem des abgeschlossenen Vierteljahres liegen. Von Pierer dazu: "Wir verfolgen trotz des schwierigen vierten Quartals und der extrem schlechten Marktbedingungen unvermindert unsere Ergebnisziele."

Details zu ICN, ICM und SBS

Der von der Schwäche im TK-Sektor gebeutelte Bereich ICN (Information and Communication Networks) verbuchte einen EBIT-Verlust von 84 Millionen Euro, inklusive Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 45 Millionen Euro. Im dritten Quartal 2001 lag der Verlust bei 563 Millionen Euro, darin waren Aufwendungen für Sonderabschreibungen in Höhe von 420 Millionen Euro enthalten. Der Umsatz bei ICN insgesamt sank um mehr als 30 Prozent auf 2,190 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging um 29 Prozent auf 2,029 Milliarden Euro zurück. ICN werde seine Restrukturierungsmaßnahmen in den kommenden Quartalen fortsetzen, so Siemens.

Information and Communication Mobile (ICM) habe sich im dritten Quartal erneut gut behauptet, obwohl die Mobilfunkbranche insgesamt unter einem Nachfragerückgang und massivem Preisdruck leide. Der Bereich zeige ein EBIT von minus 9 Millionen Euro einschließlich des anteiligen Quartalsverlusts der Fujitsu Siemens Computers GmbH von 20 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte ICM einen Verlust von 511 Millionen Euro, inklusive 370 Millionen Euro Aufwendungen für Sonderabschreibungen, ausgewiesen. Das Geschäftsgebiet Mobiltelefone habe 28 Millionen Euro Gewinn gemacht und 8,2 Millionen Mobiltelefone verkauft, das sei eine deutliche Steigerung zum dritten Quartal 2001 (5,8 Millionen) und nahezu unverändert zum Vorquartal (8,3 Millionen). Der Umsatz des gesamten Bereichs blieb mit 2,506 Milliarden Euro nahezu unverändert. Der Auftragseingang sank aufgrund der Investitionskürzungen und zurückhaltenden Neubestellungen von Telekommunikationsbetreibern um 19 Prozent auf

2,359 Milliarden Euro. Auch ICM führt laut Siemens seine Profitabilitäts-Programme unvermindert fort.

Siemens Business Services (SBS) erwirtschaftete nach Angaben des Unternehmens im dritten Quartal ein EBIT von fünf Millionen Euro gegenüber sieben Millionen Euro im Vorjahresquartal (in dem der Bereich einen Sonderertrag in Höhe von 44 Millionen Euro erzielt hatte). Während der Umsatz mit 1,367 Milliarden Euro um drei Prozent zurückging, blieb der Auftragseingang in etwa konstant bei 1,398 Milliarden Euro. Der Bereich rechnet aber laut Siemens mit einem Geschäftsrückgang und werde daher in den kommenden Quartalen Kapazitätsanpassungen vornehmen, vorwiegend durch den Abbau des Bezugs externer Leistungen. (tc)