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Siemens meldet Gewinnplus

27.01.2005
Siemens hat im ersten Quartal operativ mehr verdient als ein Jahr zuvor. Die Krise im Handygeschäft hat sich aber verschärft, und auch SBS schrieb noch rote Zahlen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Siemens-Konzern ist mit einem Gewinnanstieg ins neue Geschäftsjahr 2004/05 (30. September) gestartet. Das operative Ergebnis der Bereiche sei im ersten Quartal um fünf Prozent auf 1,43 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Siemens AG am Donnerstag zur Hauptversammlung in München mit. Der Überschuss wuchs um 38 Prozent auf eine Milliarde Euro. Der Umsatz ging dagegen leicht um ein Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zurück.

Die Krise im Handygeschäft von Siemens hat sich verschärft. Im ersten Quartal machte die Handy-Sparte einen Verlust von 143 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 64 Millionen Euro. Der Absatz brach im wichtigen Weihnachtsquartal von 15,2 auf 13,5 Millionen verkaufte Geräte ein. Der scheidende Konzernchef Heinrich von Pierer hatte einen Verkauf oder die Schließung der Sparte nicht ausgeschlossen.

Der durchschnittliche Mobiltelefon-Verkaufspreis fiel ebenfalls, und zwar von 98 auf 86 Euro. In seiner Handy-Sparte schreibt Siemens seit Sommer vergangenen Jahres rote Zahlen. Der Vorstand arbeite bereits seit einiger Zeit an einem Konzept, sagte von Pierer. Die in den vergangenen Jahren aufgebauten Werte - Entwicklungsmannschaft, Fabriken, Markenname - sollen erhalten bleiben. Eine konkrete Lösung präsentierten die Münchener nicht. Pierer sagte lediglich, der Vorstand habe einen "Fahrplan" entwickelt, der "zügig, aber nicht hastig" abgearbeitet werde.

Die Ergebnisentwicklung im Arbeitsgebiet Communications werde weiter von Sondereffekten geprägt sein, die sich unter anderem aus einer strategischen Neuausrichtung von Geschäftsaktivitäten ergeben könnten. "Dennoch richten wir alle Anstrengungen darauf, das Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis auch im laufenden Geschäftsjahr zu steigern", erklärte von Pierer.

Siemens erwarte in seinem größten Bereich Communications dank Umstrukturierungen und Kosteneinsparungen positive Nettoeffekte im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, erklärte von Pierer vor Journalisten. Wann dieser Effekt in dem erst Anfang Oktober geschaffenen Bereich eintreten soll, wollte er auch auf Nachfrage nicht sagen. Auch zu Umstrukturierungskosten äußerte sich der scheidenen Konzernchef nicht. Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger sagte, erst sei mit etwas erhöhten Aufwendungen zu rechnen, später dann mit positiven Auswirkungen.

Der angeschlagene IT-Dienstleistungsbereich Siemens Business Services (SBS) macht auch wegen Umstrukturierungskosten weiter Verluste. Er verbuchte im ersten Geschäftsquartal ein Minus von 25 Millionen Euro (Vorjahr: 44 Millionen Euro Gewinn). Im Vorquartal betrug der Verlust 28 Millionen Euro. Für die erneuten roten Zahlen machte der Siemens vor allem den "ungünstigen Umsatzmix" und Aufwendungen für die Umstrukturierung verantwortlich. Die Höhe der Aufwendungen nannte das Unternehmen nicht.

Der Auftragseingang bei SBS schnellte unterdessen um 32 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro hoch. "Dies resultierte hauptsächlich aus langfristigen Outsourcing-Verträgen, die teilweise mit Akquisitionen einhergingen", teilte Siemens mit. Der SBS-Umsatz legte um vier Prozent auf 1,256 Milliarden Euro zu. Darin enthalten ist ein großer Outsourcing-Vertrag mit der britischen Rundfunkanstalt BBC. Er hat laut von Pierer ein Volumen von 2,7 Milliarden Euro und eine Laufzeit von zehn Jahren.

SBS habe einen guten Ruf bei der Abwicklung ganzer Geschäftsprozesse für Kunden (Business Process Outsourcing), betonte der scheidende Siemens-Chef bei der Hauptversammlung in München. Pierer überlässt seinen Chefsessel nach dem Aktionärstreffen seinem bisherigen Vize Klaus Kleinfeld. Der Bereich tue sich aber schwerer auf dem Gebiet der produktnahen Dienstleistungen. "Hier gibt es am Markt fundamentale Veränderungen, die zu einem entsprechenden Anpassungsbedarf führen", sagte von Pierer vor den Siemens-Anlegern.

SBS steht derzeit auf dem Prüfstand. Von Pierer lobte den neuen Spartenchef Adrian von Hammerstein im Gespräch mit Journalisten. "Hammerstein macht einen exzellenten Job." Der Manager habe dem Vorstand Vorschläge und Konzepte für den kriselnden Bereich vorgelegt. In den nächsten Wochen würden sich die Überlegungen konkretisieren: "Die ganze Sache ist außerordentlich komplex."

Siemens peilt im laufenden Geschäftsjahr stärkere Umsatzzuwächse an als ein Jahr zuvor. Dies sei aber abhängig von der weiteren Wechselkurs-Entwicklung, erklärte das Unternehen. Das Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis solle auch im laufenden Fiskaljahr zulegen. "Auf der Ergebnisseite wird mit einer Fortsetzung des bisherigen Erfolgswegs der bekannten ertragsstarken Bereiche gerechnet", hieß es.Die etwas schwächeren Bereiche Industrial Solutions and Services (I&S), Logistics and Assembly Systems (L&A) sowie Siemens Building Technologies (SBT) dürften sich weiter in Richtung ihrer Margenziele bewegen.

"Der Bereich Transportation Systems (TS) - bereits im ersten Quartal wieder in der Gewinnzone - wird aus heutiger Sicht auch für das Gesamtjahr ein positives Ergebnis ausweisen", so von Pierer. Der Verkehrstechnik-Bereich hatte im vergangenen Jahr unter Rückstellungen für seine fehlerhaft konstruierte Straßenbahn Combino zu leiden.

Die Siemens-Aktienkonnten vorbörslich nicht von den Quartalszahlen profitiert. Die Papiere wurden bei Lang & Schwarz vorbörslich in einer Spanne von 61,04 bis 61,39 Euro gehandelt. Am Vortag hatten die Papiere mit minus 0,08 Prozent auf 61,80 Euro geschlossen.

Die elf von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten hatten im Schnitt bei 19,53 Milliarden Euro Umsatz (Vorjahr: 18,33 Mrd Euro) einen Überschuss von 850 (726) Millionen Euro erwartet. "Ich verstehe nicht, dass Siemens vorbörslich nicht so gut läuft", erklärte ein Händler. "Die Zahlen sehen gut aus." Diese Einschätzung hätten auch andere Kollegen bestätigt. (dpa/tc)