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Siemens bricht der Gewinn weg

28.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beim Industrie- und Technikkonzern Siemens sind die Gewinne im Ende Juni abgelaufenen dritten Geschäftsquartal überraschend deutlich gesunken. Der Überschuss der fortgeführten Aktivitäten, also ohne das defizitäre Handy-Geschäft, sank auf 625 Millionen Euro gegenüber 871 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie die Siemens AG am Donnerstag in München mitteilte. Einschließlich der nicht fortgeführten Aktivitäten brach der Überschuss auf 389 Millionen Euro ein.

Damit verfehlten die Münchner die Erwartungen der von dpa-AFX befragten Analysten deutlich. Diese hatten mit einem Konzernüberschuss inklusive des Handygeschäfts von 650 Millionen Euro gerechnet. Ohne die Handysparte hatten die Experten im Schnitt 712 Millionen Euro prognostiziert.

Siemens gibt sein seit Quartalen verlustträchtiges Handygeschäft an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ ab. Die BenQ-Aktionäre hatten dem Deal am Donnerstagmorgen zugestimmt. Im Berichtsquartal verbuchte Siemens einen Verlust von 236 Millionen Euro aus dem nicht fortgeführten Geschäft (Vorjahr: minus 56 Mio Euro). In den ersten neun Monaten 2004/05 stieg der Verlust auf 399 Millionen Euro (minus 11 Mio Euro).

Das Quartalsergebnis der Bereiche auf Basis der fortgeführten Aktivitäten sackte im Jahresvergleich von 1,33 Milliarden auf 980 Millionen Euro ab. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg auf 1,25 Milliarden Euro gerechnet. Der Auftragseingang wuchs auf fortgeführter Basis um neun Prozent auf 19,34 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um sieben Prozent auf 18,75 Milliarden Euro zu. "Siemens hat die Übernahme der Flender Holding GmbH und der VA Technologie AG nach Ende des dritten Quartals abgeschlossen", hieß es.

Siemens kappte für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr sein Jahresziel. Die Münchner peilen nun einen Überschuss an, der "für die fortgeführten Aktivitäten auf vergleichbarer Basis in etwa dem Vorjahresergebnis entspricht". Ursprünglich hatte Siemens einen leichten Ergebnisanstieg angestrebt.

Der größte Konzernbereich Communications hat im dritten Geschäftsquartal bei sinkenden Umsätzen höherer Verluste verzeichnet. Das Minus stieg gegenüber dem Vorquartal von 19 auf 70 Millionen Euro (Vorjahr: plus 209 Mio Euro), wie der Konzern mitteilte. Der Umsatz sank im Jahresvergleich bei niedrigeren Auftragseingängen um ein Prozent auf 3,34 Milliarden Euro. Im zweiten Fiskalquartal hatte Com noch vier Milliarden Euro erlöst.

"Die Zahlen von Com enthalten für die aktuelle Berichtsperiode und für den Vorjahreszeitraum nicht die abgegebenen Mobiltelefon-Aktivitäten", teilte Siemens mit. Auf fortgeführter Basis lagen Umsatz und Auftragseingang von Com nach den Angaben in etwa auf dem Vorjahresniveau. Die Umstrukturierungen in dem Bereich gehen indes weiter.

"Com erwartet für die folgenden Quartale zusätzliche Belastungen im Zusammenhang mit der anhaltenden strategischen Neuausrichtung", erklärte Siemens. Konzernchef Klaus Kleinfeld nannte die Entwicklung bei Com "enttäuschend". "Im Bereich Com müssen wir die Schwächen angehen, insbesondere im Geschäft mit Netzbetreibern und im Enterprise-Geschäft", sagte er. Im Enterprise-Geschäft sah Com sich mit sinkenden Umsätzen und zunehmendem Preisdruck konfrontiert. Das Ergebnis des Geschäfts mit Netzbetreibern schmälerten Umstrukturierungskosten und Währungseffekte infolge des starken Euro.

Der IT-Dienstleister SBS des Siemens-Konzerns hat im dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) einen höheren Verlust gemacht. "Bei Siemens Business Services wollen wir produktnahe Dienstleistungen outsourcen", kündigte Konzernchef Klaus Kleinfeld am Donnerstag an. Darüber hinaus solle SBS die Kostenstrukturen verbesseren und Abläufe optimieren. Die Entwicklung bei SBS sei enttäuschend gewesen.

Das Quartalsminus bei SBS stieg im Jahresvergleich von zwei auf 109 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorquartal verringerte es sich um 20 Millionen Euro. SBS setzte mit 1,33 Milliarden Euro 17 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor (Vorquartal: 1,28 Milliarden Euro). "Langfristige Outsourcing-Verträge, die meistens mit Akquisitionen einhergingen, waren für den größten Teil des Wachstums verantwortlich", hieß es. Den Bereichsverlust erklärte Siemens mit einer "rückläufigen Profitabilität im Gesamtgeschäft" sowie Aufwendungen für Umstrukturierungen.

Seit Monaten ist die Zukunft von SBS ungewiss. Siemens hatte vor einiger Zeit für den Krisenbereich wie zuvor für die Handy-Sparte die Optionen "Sanieren, kooperieren, verkaufen oder schließen" ausgegeben. Analysten hatten sich bei Vorlage der Quartalsergebnisse strategische Aussagen für den defizitären Bereich erhofft. (dpa/tc)