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Siemens-Aufseher fordern externe Prüfer

11.12.2006
In der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens will der Aufsichtsrat des Elektrokonzerns laut einem Zeitungsbericht den Einsatz externer Prüfer durchsetzen.

Ohne Hilfe von außen sei die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrates der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Das Gremium könne bereits am Montag einen entsprechenden Auftrag erteilen, hieß es. Vorstandschef Klaus Kleinfeld befürworte das Vorgehen, wie aus Unternehmenskreisen verlaute. Unklar sei allerdings noch, welcher Zeitraum durchleuchtet werde. Mittlerweile soll es in der Schmiergeld-Affäre sechs Geständnisse von aktiven und ehemaligen Beschäftigten des Konzerns geben.

Sechs Beschuldigte aus der Sparte Telekommunikation (Com) hätten zugegeben, schwarze Kassen in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich installiert oder ermöglicht zu haben, schrieb die "SZ" bereits am Samstag. Den Geständnissen zufolge seien die Beträge jeweils als Schmiergelder in Europa, Asien, Afrika und Mittelamerika geflossen, hieß es in der Zeitung. Weder Siemens selbst noch die Staatsanwaltschaft München I wollten sich dazu am Sonntag äußern.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt etwa ein Dutzend Beschuldigte, rund 200 Millionen Euro veruntreut und damit Schmiergeld für Auslandsaufträge gezahlt zu haben. In der Affäre ermittelt die Sonderkommission "Netzwerk" des Landeskriminalamtes München, fünf Beschuldigte sitzen noch in Untersuchungshaft.

Der finnische Handy-Konzern Nokia will unterdessen an der geplanten Zusammenarbeit mit Siemens bei Netzwerken auch angesichts der Korruptionsaffäre festhalten. Nokia-Sprecherin Arja Suominen sagte der dpa, zu der für das kommende Jahr geplanten Zusammenlegung der Netzwerksparten: "Die Integration geht weiter." Nokia beobachte die Entwicklung um Siemens sehr genau. "Wir kommentieren aber grundsätzlich keine Gerüchte. Und mehr gibt es bisher nicht in dieser Angelegenheit." Auch ein Siemens-Sprecher erklärte am Sonntag: "Das Integrationsteam arbeitet völlig normal weiter. Wir gehen davon aus, dass die Arbeit des Joint Ventures wie geplant Anfang kommenden Jahres starten wird."

In einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hieß es, Siemens habe Juristen prüfen lassen, ob die Finnen angesichts der Finanz-Affäre die Zusammenlegung der Sparten abblasen könnten. Das Ergebnis sei gewesen, dass Nokia im Lichte des Skandals durchaus Anhaltspunkte hätte, um die Partnerschaft anzufechten. Die schwarzen Kassen sollen im Siemens-Bereich Kommunikation (Com) gebildet worden sein, der zum 1. Januar teilweise in das Netzwerk-Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia einfließen soll.

Laut "SZ" geht die Sonderkommission "Netzwerk" auch Spuren nach, die in Richtung Konzernspitze führen könnten. So habe ein früherer Siemens-Angestellter, der hohe Beträge in die schwarzen Kassen geschleust habe, ausgesagt, dass bereits 2003 Wirtschaftsprüfern von KPMG einige Rechnungen verdächtig vorgekommen seien. Der Mitarbeiter habe mitbekommen, dass daraufhin offenbar "von hoher Stelle" darauf hingewirkt worden sei, dass dies nicht im Prüfbericht erscheine, hieß es. KPMG, Siemens und Staatsanwaltschaft hätten dies nicht kommentiert.

Mittlerweile gebe es auch Kritik aus dem Aufsichtsrat an der KPMG. Es sei fraglich, ob die Prüfer konsequent genug nachgehakt hätten, hieß es laut "SZ"-Montagsausgabe. "200 Millionen Euro dürfen nicht einfach verschwinden, ohne dass die Prüfer das bemerken", sagte ein Aufsichtsrat der Zeitung. Bereits vor einigen Tagen hatte ein Zeitung berichtet, dass KPMG bei der Sitzung des Kontrollgremiums an diesem Montag darüber informieren solle, ob wegen der Affäre die Siemens- Geschäftsberichte seit 2002 überprüft und möglicherweise korrigiert werden müssten. Nach "Spiegel"-Informationen dauerte diesmal die Prüfung des Siemens-Jahresabschlusses durch KPMG länger als sonst. Die Prüfer hätten ihr Testat bis zuletzt hinausgezögert, schreibt das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. (dpa/tc)