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Siemens-Affäre: Ganswindt in U-Haft

12.12.2006
Die Siemens-Schmiergeldaffäre hat einem Bericht zufolge den Konzernvorstand erreicht.

In der Affäre um mögliche schwarze Kassen des Konzerns sitzt nach Informationen von "Spiegel Online" seit Dienstag der frühere Siemens-Zentralvorstand Thomas Ganswindt, der das Unternehmen erst Ende September dieses Jahres verlassen hatte, wegen "dringenden Tatverdachts" in der Justizvollzugsanstalt Landsberg in Untersuchungshaft.

Offenbar sei der Top-Manager, der von der Staatsanwaltschaft München I seit dem gestrigen Montag als Beschuldigter geführt wird, von einem ehemaligen Kollegen im Bereichsvorstand der Telekom-Sparte (Com) belastet worden. Der Ex-Finanzvorstand des Bereichs, der zurzeit ebenfalls noch in Haft sitzt, war am Donnerstag und Freitag vergangener Woche über Stunden hinweg vor den Ermittlern vernommen worden.

Dabei solle er ausgesagt haben, dass Ganswindt bereits deutlich vor Anfang 2004 über das vermutete Schmiergeld-System in der Com-Sparte informiert worden sei und dieses offenbar weiter geduldet habe. Ein weiterer Beschuldigter, Reinhard S., hatte in seiner Vernehmung Ende November den Namen Ganswindt zum ersten Mal ins Spiel gebracht.

Danach will S., der das weltweite System von Scheinfirmen und schwarzen Kassen installiert haben soll, bereits Anfang 2004 seinen damaligen Bereichsvorstand Ganswindt über die angebliche Schmiergeldpraxis in seinem Beritt informiert und ihm geraten haben, die "Provisionen" zu senken, da es sonst strafrechtliche Probleme geben könne. Zudem solle Ganswindt zusammen mit seinem ebenfalls in Haft sitzenden damaligen Kollegen aus der Com-Sparte einen Beratervertrag für Reinhard S. unterzeichnet haben.

Ganswindt war im Herbst 2001 Vorsitzender des Bereichsvorstandes der früheren Siemens-Festnetzsparte geworden und im Oktober 2004 in den Zentralvorstand des Konzerns (zuständig für die Com-Sparte) aufgerückt. (dpa/tc)