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Siebel verspricht Besserung

23.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Aufgrund hoher Restrukturierungskosten und schwacher Umsätze hat Siebel Systems 2002 einen Verlust eingefahren. Für das laufende Jahr rechnet der kalifornische CRM-Anbieter jedoch wieder mit steigenden Einnahmen und einer besseren Marge.

Das Unternehmen hatte länger als viele Konkurrenten damit gezögert, aus Kostengründen Mitarbeiter zu entlassen. Als in der zweiten Jahreshälfte letztendlich mehr als 1100 Angestellte oder 16 Prozent der gesamten Belegschaft vor die Tür gesetzt wurden, kamen auf Siebel Restrukturierungskosten in Höhe von mehr als 205 Millionen Dollar zu. Davon schrieb der Softwarekonzern allein im Schlussquartal 95,9 Millionen Dollar ab. Resultat war der zweite Quartalsverlust in Folge, diesmal in Höhe von 38 Millionen Dollar oder acht Cent pro Aktie. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Siebel noch einen Gewinn von 65,9 Millionen Dollar oder 14 Cent je Anteil erzielt. Damals lagen außerdem die Einnahmen um 19 Prozent über den aktuell erzielten 394,7 Millionen Dollar. Besonders schwerwiegend für Siebel ist der Rückgang im wichtigen Lizenzgeschäft, das um 37 Prozent auf 157,4 Millionen Dollar schrumpfte. Im Vergleich zum vorangegangenen dritten Quartal verbuchte

Siebel allerdings einen Umsatzzuwachs von elf Prozent, die Softwareeinnahmen stiegen um 24 Prozent an.

Im Gesamtjahr gingen die Erlöse gegenüber 2001 um 22 Prozent auf 1,64 Milliarden Dollar zurück. Wegen der hohen Verluste in der zweiten Jahreshälfte verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 35,7 Millionen Dollar oder acht Cent pro Aktie - verglichen mit einem Überschuss von 254,6 Millionen Dollar oder 49 Cent pro Aktie im Vorjahr.

Für das laufende Jahr ist die Company aber wieder optimistisch: Wir beginnen 2003 als Weltmarktführer im Bereich CRM, tönte Firmenchef Tom Siebel und prognostizierte für das laufende Geschäftsjahr ein fünfprozentiges Wachstum der Software- und Gesamterlöse. Im laufenden ersten Quartal erwartet der Unternehmensgründer Lizenzeinnahmen zwischen 130 Millionen und 150 Millionen Dollar. Der Gewinn soll bei drei bis fünf Cent pro Aktie liegen. Im Vorjahreszeitraum hatte Siebel einen Profit von zwölf Cent je Anteil bei 246 Millionen Dollar Softwareumsatz erzielt.

Wie das Unternehmen weiterhin bekannt gab, wird der langjährige COO Paul Wahl (Chief Operating Officer) zu Ende des laufenden Quartals zurücktreten. Siebel verliert damit bereits den zweiten Topmanager innerhalb eines Jahres. Wahls Posten soll nicht neu besetzt werden, statt dessen übernimmt Tom Siebel dessen Aufgaben mit. Außerdem will der Firmenchef wegen der schwachen Leistungen seines Unternehmens nun erneut persönliche Opfer bringen. Siebel hatte bereits seine Bezüge für die vergangenen beiden Jahre auf je einen Dollar gesenkt. Nun kündigte er an, die seit Oktober 1998 erhaltenen 26 Millionen Aktienoptionen im Wert von rund 56 Millionen Dollar zurückzugeben. Der Grund: Anleger hatten Siebel im vergangenen Jahr beschuldigt, mit allzu großzügigen Aktienoptionsprogrammen an Angestellte den Wert des Unternehmenspapiers zu ruinieren. (mb)