IoT-Studie von Computerwoche und CIO

Sicherheit ist die größte IoT-Herausforderung

Jürgen Mauerer ist Journalist und betreibt ein Redaktionsbüro in München.
Trotz der vielen erfolgreichen Projekte stehen Firmen weiterhin vor großen Herausforderungen bei der Umsetzung des Internet of Things (IoT). Technisch steht Sicherheit an erster Stelle, organisatorisch die Veränderung von Geschäftsprozessen. Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der IoT-Studie von Computerwoche und CIO im 2. Teil unseres Berichtes.
Sicherheitsbedenken zählen zu den großen IoT-Herausforderungen. Das zeigt die aktuelle IDG-Studie Internet of Things 2018.
Sicherheitsbedenken zählen zu den großen IoT-Herausforderungen. Das zeigt die aktuelle IDG-Studie Internet of Things 2018.
Foto: IDG

Das Internet of Things (IoT) gewinnt in den Unternehmen zunehmend an Reife. Das zeigt die aktuelle IoT-Studie, die COMPUTERWOCHE und CIO gemeinsam mit den Partnern alnamic, Q-loud, Device Insight, Alcatel-Lucent, Telefónica und Lemonbeat realisiert hat. Dazu wurden 385 Entscheider aus der DACH-Region zu ihren Plänen und Projekten rund um das IoT befragt. Ein erster Bericht zu den Ergebnissen der Studie befasste sich mit dem Status quo in deutschen Firmen, nun stehen im zweiten Teil die Chancen sowie die technische und organisatorische Umsetzung des IoT im Vordergrund.

Hier finden Sie die IoT-Studie 2018

Die befragten Unternehmen erwarten durch IoT grundsätzlich viele positive Impulse für ihr Geschäft. Im Vordergrund stehen neue und bessere Service-Angebote sowie die Erschließung neuer Kundenpotenziale. Damit verändern die Firmen ihren Fokus. Während die Mehrheit 2016 den größten Nutzen des IoT vor allem in höherer Effizienz bei bestehenden Geschäftsprozessen sah, stehen aktuell die Erschließung neuer Services sowie zufriedene Kunden im Vordergrund.

Positive Impulse für das Geschäft

Die Firmen verändern beim Thema Internet of Things ihren Fokus: Während die Mehrheit 2016 den größten Nutzen des IoT vor allem in höherer Effizienz bei bestehenden Geschäftsprozessen sah, stehen aktuell die Erschließung neuer Services sowie zufriedene Kunden im Vordergrund.
Die Firmen verändern beim Thema Internet of Things ihren Fokus: Während die Mehrheit 2016 den größten Nutzen des IoT vor allem in höherer Effizienz bei bestehenden Geschäftsprozessen sah, stehen aktuell die Erschließung neuer Services sowie zufriedene Kunden im Vordergrund.
Foto: IDG Research

Die vier meistgenannten Punkte fallen alle unter die Kategorien "Neue Geschäftschancen" und "Zufriedene Kunden": Neue Service-Angebote (44 Prozent), bessere Service-Angebote (41 Prozent), höhere Kundenzufriedenheit (40 Prozent) und neue Kundenpotenziale (39 Prozent). Auch die Erschließung neuer Businessmodelle wie Pay per Use, direkter Kundenzugang und neue Produktionsprozesse wie Losgröße Eins gehören zu dieser Kategorie.

Beim Stichwort "Höhere Effizienz" rechnen die Firmen beispielsweise mit folgenden Vorteilen: Allgemeine Kostensenkung (33 Prozent), Vernetzung aller Prozessketten (30 Prozent), höhere Produktivität der Mitarbeiter (29 Prozent), Einsparung von Produktionskosten (29 Prozent), bessere Auslastung der Maschinen oder Effizienzgewinn durch Beschleunigung der bestehenden Prozesse mit jeweils 25 Prozent.

Die IDG-Studie Internet of Things finden Sie in unserem Studienshop.
Die IDG-Studie Internet of Things finden Sie in unserem Studienshop.
Foto: IDG

Die Studie Internet of Things 2018 basiert auf einer Online-Befragung in der DACH-Region, in deren Rahmen im Zeitraum vom 21. September bis 5. Oktober 2017 insgesamt 385 abgeschlossene und qualifizierte Interviews durchgeführt wurden. Grundgesamtheit sind Oberste (IT-)Verantwortliche von Unternehmen in der DACH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und in den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider und IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich.

Partner der Studie Internet of Things 2018 sind die Unternehmen Alnamic, Device Insight, Q-Loud, Alcatel-Lucent Enterprise, Lemonbeat sowie Telefónica Business Solutions.

... zur Studie

Etwas mehr als ein Drittel der Firmen erhofft sich durch das IoT Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz, ein Viertel sieht das IoT als Grundlage für Big Data Analytics.

Disruptives Potenzial

Sicherheitsbedenken stellen ganz klar die größte technische Herausforderung für IoT-Projekte dar. 44 Prozent der Unternehmen sehen das Internet of Things als neues Einfallstor für DDoS- oder Hacker-Angriffe.
Sicherheitsbedenken stellen ganz klar die größte technische Herausforderung für IoT-Projekte dar. 44 Prozent der Unternehmen sehen das Internet of Things als neues Einfallstor für DDoS- oder Hacker-Angriffe.
Foto: IDG Research

Marten Schirge, Vice President of Sales bei Device Insight, sieht beim IoT im Moment eine Entwicklung der zwei Geschwindigkeiten: "Während kleine und mittlere Unternehmen in erster Linie die ‚klassischen‘ Vorteile von IoT ausschöpfen wollen, wie zum Beispiel die höhere Effizienz in der Produktion, geringere Ausfallzeiten und eine bessere Auslastung der Maschinen, sprich alles, was die Abläufe optimiert und Kosten senkt, sind Großunternehmen bereits einen Schritt weiter.

Das Plus an Effizienz und Vernetzung bildet für große Betriebe erst die Grundlage, um neue und vor allem bessere Services anzubieten und damit die Kundenzufriedenheit massiv zu steigern. Auf diese Weise machen sie das disruptivste Potenzial von IoT wahr: Sie passen ihr Geschäftsmodell permanent an - ganz im Sinne der Industrie 4.0. Und genau darin liegt aus unserer Sicht die größte Chance des IoT für Industrieunternehmen."

Oliver van der Mond, CEO und Managing Director bei Lemonbeat, sieht aktuell die größten Chancen für Unternehmen, bei denen das traditionelle Geschäft zur Commodity - also nicht unterscheidbar und damit austauschbar - geworden ist. Als Beispiele nennt er die Energieversorger und die Leuchtenhersteller seit dem Durchbruch von LED.

"Der Kostenwettbewerb ist für etablierte Unternehmen dieser Branchen gegenüber Neulingen oder - wo relevant - der Konkurrenz aus Fernost oftmals nicht zu gewinnen. IoT bietet ihnen die Chance wieder näher an ihre Kunden heranzurücken, ihre Produkte zu personalisieren und auf dieser Basis neue Dienstleistungsmodelle zu entwickeln. Das bedeutet jedoch oft einen Mut zum radikalen Wandel, der sich durch Technik allein nicht lösen lässt", so van der Mond.

Auf organisatorischer Seite sehen 41 Prozent der Firmen die größte Hürde darin, dass sie Geschäftsprozesse verändern und anpassen müssen. Das betrifft vor allem die kleinen Unternehmen (57 Prozent).
Auf organisatorischer Seite sehen 41 Prozent der Firmen die größte Hürde darin, dass sie Geschäftsprozesse verändern und anpassen müssen. Das betrifft vor allem die kleinen Unternehmen (57 Prozent).
Foto: IDG Research

Christian Pereira, Geschäftsführer von Q-loud, der IoT-Tochter der QSC AG, betont die Vorteile durch die Analyse der umfangreichen Daten, die durch die Vernetzung von Geräten entstehen. "Das schafft eine nie dagewesene Kundennähe - und die Chance, auf Kundenwünsche viel besser eingehen zu können. Im IoT empfangen Produkte zudem automatisch - ‚over the air‘ - Updates. Dadurch sind sie deutlich flexibler, im Zeitverlauf innovativer und können mit digitalen Geschäftsmodellen kombiniert werden."

Für Guido Burchartz, Head of IoT / Industry 4.0 Solutions bei der alnamic AG, liegt der größte Vorteil des IoT darin, eine technische Grundlage für ganz neue Modelle mit vernetztem Nutzen zu bilden. Als Beispiel nennt er Contracting-Angebote, bei denen ein Anwender ein Gerät über eine bestimmte Laufzeit mietet statt es zu kaufen. "Im Falle einer Heizungsanlage können diese Kosten dann sogar voll als laufende Kosten zur Miete zugeschlagen werden. Das Gerät wird vom Anbieter durchgehend auf seine Funktion überwacht. Der Anbieter profitiert damit von dem Service, den er anbieten kann, und der Nutzer vom reibungslosen Betrieb. Durch den laufenden Vertrag und ein regelmäßiges Reporting besteht eine hohe Bindung zwischen Anbieter und Kunde."

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Technische und organisatorische Herausforderungen

IoT-Plattformen, Security-Technologien und Cloud Computing gelten in den meisten Unternehmen als unverzichtbare Technologien für den Erfolg des Internet of Things. Mit Ausnahme der Cloud setzen allerdings nur wenige Unternehmen diese Techniken tatsächlich ein.
IoT-Plattformen, Security-Technologien und Cloud Computing gelten in den meisten Unternehmen als unverzichtbare Technologien für den Erfolg des Internet of Things. Mit Ausnahme der Cloud setzen allerdings nur wenige Unternehmen diese Techniken tatsächlich ein.
Foto: IDG Research

Doch trotz aller Vorteile stellt das IoT die Firmen vor große Herausforderungen. Das größte technische Hemmnis bei der Umsetzung von IoT-Projekten stellen ganz klar Sicherheitsbedenken dar. 44 Prozent der Unternehmen sehen das Internet of Things als neues Einfallstor für DDoS- oder Hacker-Angriffe. Auch Themen wie Datensicherheit / Disaster Recovery (39 Prozent) und Safety/Betriebssicherheit (30 Prozent), Industriespionage (32 Prozent) und ungeklärte Compliance-Fragen (28 Prozent) gelten als wichtige Security-Hemmnisse.

Ein Drittel der Firmen befürchtet grundsätzlich die Komplexität des Themas IoT. Weitere wichtige technische Hemmnisse sind die IT-Infrastruktur (29 Prozent), IT-Systeme mit veralteten Betriebssystemen ohne Patch-Möglichkeit (27 Prozent) oder mangelnde Netzqualität (25 Prozent).

Auf organisatorischer Seite sehen 41 Prozent der Firmen die größte Hürde darin, dass sie Geschäftsprozesse verändern und anpassen müssen. Das betrifft vor allem die kleinen Unternehmen. Mit etwas Abstand folgen Herausforderungen wie mangelnde Kommunikation zwischen den beteiligten Abteilungen (31 Prozent), fehlende Skills der eigenen Mitarbeiter (30 Prozent) sowie das Problemfeld "Schnittstelle IT und Fachabteilung" und die Umstrukturierung der Unternehmensorganisation auf IoT-Belange mit jeweils 29 Prozent. Die Entwicklung eines Geschäftsmodells und fehlende IT-Fachkräfte stufen 27 Prozent als organisatorischen Hemmschuh für IoT-Projekte ein.

Hier können Partner helfen. "Sicherlich sind Unternehmen gut beraten, wenn sie die nötigen IoT-Planungsfähigkeiten durch qualifizierte Mitarbeiter entwickeln und die richtige Wahl passender Partner vorantreiben. Mit Blick auf IoT-Partner bedeutet das: Diese müssen für Ihre Kunden verlässlich und kompetent sein. Zudem braucht es skalierbare Lösungen. Das kann bisher nicht jeder IoT-Partner bieten", sagt Jürgen Pollich, Head of M2M & Fixed Connectivity B2B Business Brand P&L bei Telefónica in Deutschland.

IoT-Plattformen sind für das IoT unverzichtbar

Anspruch und Wirklichkeit: Auch wenn viele Technologien im Zusammenhang mit IOT als unverzichtbar gehalten werden, Wirklich genutzt werden sie nur selten.
Anspruch und Wirklichkeit: Auch wenn viele Technologien im Zusammenhang mit IOT als unverzichtbar gehalten werden, Wirklich genutzt werden sie nur selten.
Foto: IDG Research

IoT-Plattformen, Security-Technologien und Cloud Computing gelten in den meisten Unternehmen als unverzichtbare Technologien für den Erfolg des Internet of Things. Mit Ausnahme der Cloud setzen allerdings nur wenige Unternehmen diese Techniken tatsächlich ein. Beispiel IoT-Plattformen: 57 Prozent der Unternehmen sehen IoT-Plattformen als die wichtigste Technologie für das IoT an, aber nur 22 Prozent nutzen derzeit bereits eine IoT-Plattform. Ähnlich sieht es bei Security-Technologien aus. Hier gibt es also noch viel zu tun für den CIO und die IT-Abteilung.

Welche Funktionen und Merkmale erwarten die Firmen von einer IoT-Plattform? 46 Prozent der Unternehmen fordern von einer IoT-Plattform hohe Skalierbarkeit, um für eine wachsende Zahl von IoT-Geräten gewappnet zu sein. Eine große Rolle spielen zudem dokumentierte APIs (41 Prozent) für die Anbindung von Drittsystemen. In eine ähnliche Kategorie fallen Punkte wie Unterstützung einer Vielzahl von standardisierten Kommunikationsprotokollen, Interoperabilität und standardisierte Schnittstellen zu Drittsystemen. 38 Prozent der Firmen wünschen sich von der IoT-Plattform Multi-Cloud-Fähigkeit, um Infrastrukturen vernetzen zu können.

Weitere wichtige Punkte sind die flexible Anpassung an wechselnde Anforderungen, die Unterstützung individueller Anforderungen, Datenspeicherung oder leichte Konfiguration des Frontends. Erstaunlich niedrig gewichten die Firmen das Thema Security & Safety (32 Prozent), erstaunlich hoch das Thema Künstliche Intelligenz (27 Prozent).

Industrie 4.0: IT und OT wachsen zusammen

Die meisten Unternehmen gehen davon aus, dass beim Einsatz des IoT in der Produktion die Bereiche IT und OT (Operations Technology) künftig miteinander verschmelzen. In Unternehmen des Produzierenden Gewerbes haben sich zwei technische Bereiche herausgebildet: die IT mit Software, Hardware und Kommunikationstechnologie sowie die OT mit Konzentration auf Produktions- und Industrieanlagen, die meist in geschlossenen Systemen ohne Anbindung an das Internet arbeiten.

45 Prozent der Firmen rechnen damit, dass IT und OT im Rahmen von Industrie 4.0 zu einem Bereich zusammenwachsen. 29 Prozent der Firmen glauben, dass die IT künftig den "Hut auf" haben wird, wenn die beiden Bereiche durch das IoT in der Produktion immer mehr Berührungspunkte aufweisen. Dass die OT bei Industrie 4.0 dominiert, meinen 14 Prozent der Firmen. "Weder noch: Die Zuständigkeiten werden tendenziell an externe Dienstleister ausgelagert", sagen fünf Prozent der Unternehmen.

Dazu Oliver van der Mond, CEO und Managing Director bei Lemonbeat: "Bei IoT stoßen zwei Welten aufeinander. Die Welt der Things und deren Hersteller mit teils jahrzehntelanger Ingenieur-Erfahrung im Design, Bau und Vertrieb von traditionellen Produkten. Und die Welt der Funk-, IT- und Internet-Experten. Beide kennen sich mit der Welt des anderen oft nur rudimentär aus, wissen nur bedingt, wo die Grenzen des Machbaren sind, was wieviel Zeit kostet, wo Fallen lauern, etc. Es wird im Bereich IoT daher immer klarer, dass sich beide Welten aufeinander zubewegen und mit den Themen des anderen beschäftigen müssen."

Hier finden Sie die IoT-Studie 2018