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SGI will mehr kommerzielle Anwender bedienen

16.02.2007
"SGI hat die Talsohle durchschritten und positioniert sich neu", das ist die Message, mit der das Management derzeit versucht, das Vertrauen von alten und neuen Anwendern zu gewinnen, die durch die vorangegangene Firmenpleite verunsichert sind.

Mit neuem Management, neuen Produkten und neuen Zielen versucht der einstiger Highflyer der Branche nach dem Absturz wieder fliegen zu lernen. Der neue CEO Dennis McKenna hat die technikverliebte Company auf kommerzielle Ziele eingeschworen. "Früher stöberten wir in unseren Labors nach neuem Spielzeug, heute müssen wir unsere Technik in den Markt bringen", beschreibt Michael Gigante, Director of Engineering File Serving Technologies, die Marschänderung.

Damit das gelingt, hat SGI das Portfolio überarbeitet, das jetzt angeblich zu 57 Prozent aus neuen Produkten besteht. Im Bereich Server setzt SGI auf Standardlösungen: Intel-Chips und Linux-Betriebssystem (Red Hat und Suse). Bret Cox, Director Storage und Software, behauptet SGI sei nach IBM der zweitstärkste Lieferant von Linux-Code. Das Linux-Know-How und die hauseigene Expertise über große Shared-Memory-Systeme nutzt SGI für die Itanium-basierenden "Altix"-Systeme, die im vergangenen Jahr im Walldorfer SAP LinuxLab getestet wurden. Die Server zeigten eine hohe Skalierbarkeit: Ein 16-Wege-System konnte 96 Prozent mehr Anwender unterstützen als eine Acht-CPU-Maschine und das 32-CPU-System bediente um 88 Prozent mehr Anwender als der 16-Prozessor-Server. Die großen Altix-Server lassen sich mit mehr als 1000 Intel-Prozessoren und bis zu 128 TB Hauptspeicher ausbauen.

Neben den Itanium-Servern bietet SGI die Serie "Altix XE" an, die Intels PC-Chips nutzen. Demnächst soll mit "Altix X310" (Codename Gallop) ein flacher Server (1 U Bauhöhe) auf den Markt kommen, der dazu nur die halbe Breite im Rack einnimmt, so dass zwei davon nebeneinander Platz finden. Der Server enthält zwei Prozessorsockel und kann mit acht Rechenkernen aufwarten, wenn Intels echte Quad-Core-Chips verfügbar sind. Pro 1U Rack-Höhe ergibt sich dann eine Rechenpower von 16 CPU-Kernen. Ein Preis für den Gallop-Server ist noch nicht bekannt. Angeblich arbeitet SGI darüber hinaus am Projekt "Carlsbad", welches zum ersten Blade-System des Herstellers führen wird und Mitte des Jahres marktreif sein soll.

Besonders wichtig für SGI ist die Speicherabteilung, die eine eigene Verkaufstruppe unterhält. "Für uns sind die Speicher nicht nur wegen der hohen Wachstumsraten interessant, sondern auch wegen der guten Margen, die doppelt so hoch sind wie bei den Servern", gesteht Speicherchef Cox. Der Hersteller liefert NAS- und SAN-Speicher von "5000 Dollar bis zu vielen Millionen Dollar", sieht seine Stärken aber dank des hauseigenen Shared File System "CXFS" aber da, wo ein großer oder sogar sehr großer Datendurchsatz gefragt ist. Mitte des Jahres soll ein NAS-Produkt fertig sein, das derzeit unter dem Codenamen "Apex" entwickelt wird und mit besonders hohen Durchsatzraten aufwarten soll.

Julian Glaser, Sales Director für Zentraleuropa und Deutschlandchef, will den Umsatz von derzeit rund 80 Millionen Euro bis 2009 verdreifachen: "Das gelingt nur, wenn wir bei kommerziellen Kunden stärker wachsen und dort 50 Prozent unserer Einnahmen erzielen." Derzeit sorgen Forschung und Lehre für 70 Prozent aller SGI-Einkünfte. (kk)