Hybrid Cloud im Mittelstand

Security- und WAN-Probleme bremsen die Cloud-Euphorie

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand haben die Vorteile der Hybrid Cloud erkannt und gehen einschlägige Projekte strategisch an. Doch Sicherheitsaspekte und eine unzureichende WAN-Infrastruktur hemmen die praktische Umsetzung.

Der deutsche Mittelstand sieht den Wertbeitrag, den insbesondere Hybrid-Cloud-Umgebungen für sein Geschäft bringen können. Beim praktischen Einsatz wird aber auch deutlich, dass eine hybride Infrastruktur in vielen Bereichen zu erhöhten Anforderungen führt.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen setzen verstärkt auf Cloud-Lösungen, um ihre geschäftlichen Herausforderungen besser in den Griff zu bekommen.
Auch kleine und mittelständische Unternehmen setzen verstärkt auf Cloud-Lösungen, um ihre geschäftlichen Herausforderungen besser in den Griff zu bekommen.
Foto: Lightspring, shutterstock.com

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die das zur CXP Group gehörende Marktforschungs- und Beratungshaus PAC im Auftrag der Telekom Deutschland GmbH organisiert hat. Befragt wurden dafür gut 200 IT- und Fachbereichsverantwortliche deutscher Unternehmen aus den Branchen verarbeitendes Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.

"Die meisten Unternehmen haben die Vorteile des Cloud Computing erkannt", kommentiert Wolfgang Schwab, Principal Consultant bei PAC. "Sie folgen dabei jedoch nicht blind einem Trend, sondern analysieren die möglichen Vor- und Nachteile für ihr jeweiliges Unternehmen sehr sorgfältig, bevor Entscheidungen getroffen werden."

Zu den größten Hemmnissen auf dem Weg in die Cloud zählen die Befragten noch immer Sicherheits- und Compliance-Aspekte, gefolgt von erhöhten Anforderungen an das Netzwerk (LAN, WAN) und der Integrierbarkeit vorhandener IT-Systeme mit Cloud-Services. "Während ein LAN-Ausbau meist relativ einfach zu bewerkstelligen ist, muss für einen WAN-Ausbau mit einem geeigneten Provider zusammengearbeitet werden", erläutern die Studienautoren.

Die größten Hürden auf dem Weg in die Cloud

Die geäußerten Sorgen in puncto Sicherheit hält PAC dagegen nicht für gerechtfertigt, "solange die Cloud-Komponenten in Deutschland oder wenigstens in der EU gehostet werden, der Anbieter über die entsprechenden Zertifizierungen verfügt und deutschem beziehungsweise europäischem Recht unterliegt." Die Vorstellung, das eigene Rechenzentrum oder der eigene Serverraum sei per se sicherer, sei "schlichtweg falsch, wenngleich weit verbreitet." Laut der Studie sind IT-Sicherheitslösungen zudem nur in 76 Prozent der Unternehmen überhaupt vorhanden. Unabhängig von einem möglichen Hybrid-Cloud-Einsatz sei dieser Wert "schockierend niedrig."

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Die Analysten verweisen in diesem Kontext auch auf die vielfältigen Angebote großer IT-Dienstleister, die heute einen Mischbetrieb aus vor Ort betriebenen, gehosteten sowie Private- und Public-Cloud-Infrastrukturen ermöglichten. Damit könne Unternehmen ein sanfter Einstieg in Cloud-Technologien gelingen, was insbesondere bei der Umstellung von Altanwendungen hilfreich sei.