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Seagate wird an Veritas und Investoren verkauft

30.03.2000
Reprivatisierung soll Festplattengeschäft stärken

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seagate Technology, neben IBM einzig verbliebener innovativer Festplattenhersteller, wird privatisiert und im Rahmen einer komplexen Transaktion mit einem geschätzten Volumen von 20 Milliarden Dollar an Veritas Software (seit Freitag im renommierten S&P-500-Index) und eine Investorengruppe unter Führung von Silver Lake Partners und mehreren Seagate-Managern verkauft.

Mit dem Deal will der Hersteller offenbar verschiedene Probleme aus der Welt schaffen, die aus dem Verkauf des Bereichs Speicher-Management-Software an Veritas im Oktober 1998 resultieren. Im Rahmen der damaligen Transaktion, einem Aktiengeschäft mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Dollar, wurde Seagate mit 33 Prozent Anteil zum größten externen Veritas-Aktionär. Dieses Aktienpaket stellt für die Company mittlerweile einen größeren Wert dar als das Stammgeschäft mit Festplatten und Bandlaufwerken. Mit den nun geplanten Transaktionen soll der Wert dieser Aktien für die Sharholder in steuerlich günstiger Weise "erschlossen" und der Aktienüberhang beseitigt werden.

Das Festplattengeschäft geht für rund zwei Milliarden Dollar in bar an Silver Lake Partners und soll wie gehabt unter dem Namen Seagate Technology Massenspeicher produzieren - allerdings als privates, nicht länger börsennotiertes Unternehmen. Das bisherige Management bleibt im Amt und wird zusammen mit der Belegschaft rund ein Drittel der Company halten. Das "Wall Street Journal" geht davon aus, dass dieser Management-Buyout (einer der größten der Geschichte) aufgrund des ausgesprochen niedrig angesetzten Preises für den Fertigungsbereich einer genauen Prüfung unterzogen werden dürfte.

Seagates Aktionäre profitieren aber vor allem von einem Aktientausch seitens Veritas. Die 128 Millionen Veritas Aktien, die sich bereits im Besitz von Seagate befinden, werden im Rahmen eines komplizierten Verfahrens gegen 109,3 Millionen Veritas-Anteilscheine sowie Bargeld getauscht, um unnötige Steuerlasten zu vermeiden. Jeder Seagate-Aktionär erhält dabei effektiv 0,467 Veritas-Aktien plus rund fünf Dollar in bar. Gemessen am gestrigen Schlusskurs beider Firmen entspricht dies einem Wert von 77,50 Dollar. Zum Fixing an der NYSE stand Seagate bei 62,75 Dollar (minus 4,625 Dollar), Veritas wurde an der Nasdaq mit 142,5 Dollar (minus 12,44 Dollar) bewertet. Im nachbörslichen Handel zogen beide Werte allerdings deutlich an (Seagate 74, Veritas 158 Dollar).

CEO (Chief Executive Officer) und President Stephen Luzco hält die Reprivatisierung für den richtigen Weg: "Als private Company können wir uns besser auf unser Speicher-Kerngeschäft konzentrieren", erklärte der Manager. "Wir wollen neue Fertigungstechniken einsetzen, die operationale Effektivität optimieren und in den neuen, Storage-zentrierten Märkten wachsen." Hauptmotiv für den Verkauf sei die massive Unterbewertung des Geschäfts am Markt gewesen.

Robert Gray von der International Data Corp. (IDC) beurteilt den Deal positiv. "Beide Unternehmen werden von dem Deal profitieren", meint der Analyst. "Veritas´ Marktwert wird geschickt genutzt. Als private Company kann sich Seagate wieder um strategische Fragen kümmern, ohne stets den nächsten Quartalsbericht im Hinterkopf zu haben."

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Seagate-Geschichte

1979: Gründung des Unternehmens durch Al Shugart, Erfinder der Festplattentechnik

1980: Bau des ersten 5,25-Zoll-Laufwerks

November 1992: Erste Festplatte mit 7200 U/min

Januar 1993: Investition beim Flash-Speicherspezialisten Sandisk

Mai 1994: Seagate übernimmt Crystal Computer Services ("Crystal Reports")

Juli 1994: Minderheitsbeteiligung am Spracherkennungsspezialisten Dragon Systems

Juni 1995: Gründung von Seagate Software

Februar 1996: Fusion mit Conner Peripherals zum größten unabhängigen Festplattenhersteller weltweit

Juni 1996: Übernahme von Holistic Systems Ltd. (Business-Intelligence-Software)

Oktober 1996: Erste Festplattenfamilie mit 10 000 U/min ("Cheetah")

November 1996: Seagate liefert seine 100-millionste Festplatte aus

Juni 1997: Investition beim SAN-Spezialisten (Storage Area Networks) Gadzoox Networks

Juli 1998: Der Vorstand schickt Unternehmensgründer Alan Shugart in den Ruhestand, neuer Chef wird der bisherige President und COO Stephen Luczo

Oktober 1998: Das Unternehmen kündigt umfassende Restrukturierungsmaßnahmen an, um die operativen Kosten zu senken

April 1999: Investition in iCompression (hardwarebasierte Audio- und Videokompression)

Juni 1999: Seagate liefert seine 250-millionste Festplatte aus

Juni 1999: Verkauf der NSMG Software Group an Veritas

Oktober 1999: Gründung der Internet Solutions Group

Dezember 1999: Seagate liefert das zehnmillionste Bandlaufwerk aus

Januar 2000: Übernahme des SAN-Pioniers XIOtech

Februar 2000: Erste Festplatte mit 15 000 U/min ("Cheetah X15")

Februar 2000: Erstes LTO-Bandlaufwerk ("Viper 200")