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SCOs Verschwörungstheorie

22.08.2003
SCO-Geschäftsführer Darl McBride behauptet, dass die Proteste der Linux-Community auf die Klage gegen IBM von Big Blue gesteuert werden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SCO-Geschäftsführer Darl McBride behauptete auf der Hausmesse SCOforum in Las Vegas, IBM organisiere die Proteste der Open-Source-Gemeinde auf die drei Milliarden schwere Klage seitens SCO gegen Big Blue. Er habe gesicherte Kenntnisse darüber, dass IBM unter anderem hinter der Klage des Linux-Distributors Red Hat (Computerwoche online berichtete) gegen sein Unternehmen stehe und auch Novells vermeintliche Urheberansprüche gesteuert habe.

"IBM ist darin verwickelt, auch wenn es nicht danach aussieht. Das Unternehmen schießt über Red Hat sowie Novell auf SCO und hält sich selbst im Hintergrund", sagte McBride. IBM habe außerdem den Vorstand der OSI (Open Source Initiative), Eric Raymond, auf der Gehaltsliste.

Die Open-Source-Community sei dazu in der Lage, selbständig auf die Anschuldigungen von SCO zu reagieren. Dazu brauche sie die IBM nicht, hieß es in Armonk. Weitere Stellungnahmen zu McBrides Vorwürfen wollte das Unternehmen nicht abgeben. Red Hat bekräftigte, die Klage gegen SCO aus eigenen Stücken eingereicht zu haben. Auch Raymond verwehrte sich gegen die Behauptung, von IBM angestiftet worden zu sein. "IBM hat die Reaktionen auf SCOs Verhalten nicht koordiniert", sagte der Open-Source-Aktivist. "Es gibt die Proteste, weil die Community empört ist und sich SCO die Früchte unserer Arbeit aneignen will."

McBride glaubt indes, dass auch etablierte Open-Source-Institutionen wie die Free Software Foundation (FSF) und der Linux-Initiator Linus Torvalds im Auftrag der IBM handeln. Die angeblichen Beweise dafür sind ein von FSF-Anwalt Eben Moglen verfasstes Positionspapier und kritische Äußerungen von Torvalds gegen SCO (Computerwoche online berichtete).

Mit den Behauptungen dürfte es McBride ein weiteres Mal gelungen sein, sein Unternehmen in Szene zu setzen. Der Firmenchef präsentierte auf dem SCOforum zwei Mappen mit Presseberichten, jeweils so dick wie ein Telefonbuch. Die Unix-Company hat seit der Klageandrohung gegen IBM im Mai dieses Jahres 46 Pressemitteilungen herausgegeben - rund doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch finanziell hat sich der Linux-Streit für SCO bislang gerechnet (Computerwoche online berichtete). (lex)