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SCO will Linux-Nutzer zur Kasse bitten

21.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SCO will innerhalb der kommenden Monate ein Lizenzierungsprogramm für Linux-Anwender starten. Nach Angaben von Geschäftsführer Darl McBride sollen Lizenznehmer das Open-Source-System nutzen können, ohne Urheberrechtsklagen seitens SCO befürchten zu müssen.

Die Ankündigung kommt, nachdem SCO bereits Mitte Mai Anwendern gedroht hatte, sie wegen Copyright-Verletzungen haftbar zu machen (Computerwoche online berichtete). Es werde mehrere "Möglichkeiten" für Linux-Nutzer geben, sagte McBride, der weitere Details zu den Lizenzbedingungen nicht verraten wollte.

Das geplante Lizenzierungsmodell verheiße nichts Gutes für Linux-Nutzer, sagte Illuminata-Analyst Gordon Haff. "Möglichkeiten" seien kaum als gute Nachricht zu deuten. Die Mehrheit der Linux-Anwender werde ohnehin nicht dazu bereit sein, Lizenzen für Linux zu erwerben. Lediglich einige Unternehmen werden sich aus Gründen der Rechtssicherheit auf entsprechende Verträge einlassen, glaubt Haff.

Völlig ungeklärt ist hingegen noch, ob SCO überhaupt Ansprüche gegen Nutzer des quelloffenen Betriebssystems durchsetzen kann. Zum einen hat der Hersteller immer noch nicht öffentlich dargelegt, an welchen Stellen der Linux-Kernel urheberrechtlich geschützten Unix-Code enthält. Zum anderen vertreten Open-Source-Aktivisten den Standpunkt, SCO habe die angeblich in Linux enthaltenen Unix-Quellen freigegeben, indem der Hersteller selbst eine mittlerweile vom Markt genommene Linux-Distribution unter der GPL (GNU General Public License) vertrieben hat. Bei der Klärung der Ansprüche könnte laut US-Rechtsexperten ein Präzedenzfall aus dem Jahr 1887 eine Rolle spielen, bei dem es um den Verkauf einer trächtigen Kuh ging (Computerwoche online berichtete). (lex)