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SCO kommt noch tiefer in die Bredouille

11.06.2004

Nach dem Wegbruch ihrer Unix-Lizenzerlöse hat die SCO Group im Ende April abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal 2003/04 einen deutlichen Verlust verbucht: Wie das in Lindon, Utah, ansässige Unternehmen bekannt gab, verzeichnete die Firma einen Nettoverlust von knapp 15 Millionen oder 1,06 Dollar je Aktie, verglichen mit einem Überschuss von 4,5 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis wurde dabei von einer Sonderdividende in Höhe von sieben Millionen Dollar an den Großinvestor Baystar Capital sowie 2,1 Millionen Dollar hohen Abschreibungen belastet. Das um diese Sondereffekte bereinigte Resultat drehte im Jahresvergleich von plus 4,9 Millionen auf minus 6,6 Millionen Dollar.

SCO führte das (wie erwartet) schwache Ergebnis auf den drastischen Umsatzrückgang um 99 Prozent in seinem "Kerngeschäft", der Lizenzierungsinitiative SCOsource, zurück. Die Company hatte den Geschäftsbereich Ende Januar 2003 gegründet, um seine angeblichen Rechte an Unix zu schützen und von (Linux-)Nutzern Lizenzerlöse einzufordern. Im Vorjahresquartal hatte die Sparte noch einen Umsatz von 8,25 Millionen Dollar erwirtschaftet, maßgeblich durch die Zahlung von Microsoft und Sun. Im aktuellen Berichtszeitraum beliefen sich die Einnahmen dagegen lediglich auf 11.000 Dollar.

Finanzchef Bert Young bezeichnete den Umsatzeinbruch von SCOsource als wenig überraschend. Es handle sich dabei um ein zyklisches Geschäft mit Höhen und Tiefen. Dieses Jahr sei es SCO schwer gefallen, die Anwender zum Abschluss von Lizenzierungsverträgen zu bewegen. Es gebe zwar viele Deals die vor der Unterzeichnung stünden. Eine Reihe von potenziellen Kunden zögerten jedoch wegen der Anschuldigungen von IBM, die Urheberrechtsansprüche von SCO an Unix seien ungerechtfertigt. Mit zunehmenden Fortschritten vor Gericht werde diese Umsatzquelle aber wieder sprudeln, beteuert Young.

Da das Unternehmen auch im Produkt- und Servicebereich Umsatzrückgänge verzeichnete, gaben die Gesamteinnahmen gegenüber dem Vorjahresquartal um 53 Prozent von 21, 4 Millionen auf 10,1 Millionen Dollar nach. Mit Erlösen von zehn bis zwölf Millionen Dollar erwartet Finanzchef Young im laufenden dritten Geschäftsquartal keine nennenswerte Veränderung.

Um seine Ansprüche durchzuboxen, gab SCO im Berichtszeitraum 4,5 Millionen Dollar aus. Im März hatte das Unternehmen noch vierteljährliche Gerichtskosten zwischen zwei Millionen und drei Millionen Dollar veranschlagt. Nun hält SCO-Chef Darl McBride Aufwendungen von drei bis fünf Millionen Dollar eher für realistisch. Dabei bliebe es aber. Eigenen Angaben zufolge standen dem Unternehmen Ende April noch 61,3 Millionen Dollar in Form von Barmitteln und veräußerbaren Wertpapieren zur Verfügung. Damit sieht McBride SCO finanziell ausreichend ausgestattet, um sein Ziel zu erreichen.

Aktuell dürfte die Situation etwas angespannter sein: Anfang Juni hat der Großinvestor Baystar seinen Ausstieg bei der Unix-Firma beschlossen. Der Venture-Capitalist verkauft dabei seine 40.000 Vorzugsaktien an SCO und erhält dafür 13 Millionen Dollar in bar sowie rund 2,1 Millionen herkömmliche SCO-Aktien (Computerwoche.de berichtete). (mb)