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SCO-Chef McBride: Linux verstößt gegen US-Verfassung

05.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In einem offenen Brief fährt SCO-Geschäftsführer Darl McBride erneut schwere Geschütze gegen Linux auf. Seiner Meinung nach verstößt die Open-Source-Entwicklung nicht nur gegen Urheberrechte, sondern auch gegen die amerikanische Verfassung. Die GPL (GNU General Public License) sei das Gegenteil dessen, was die Copyright-Gesetzgebungen in den USA und in Europa vorschrieben.

Linux-Organisationen wie die Free Software Foundation (FSF) und Anbieter wie Red Hat versuchten, Bestrebungen zu eliminieren, mit der Entwicklung von Software Gewinn zu erzielen. Das Gewinnstreben sei jedoch durch Urheberrechte geschützt.

Der Brief sei als Reaktion auf ein von Eben Moglen, Chefsyndikus bei der FSF, am 24. November auf der Website der Open Source Development Labs (OSDL) veröffentlichtes Papier zu werten, heißt es bei SCO. darin vertritt Moglen die Auffassung, dass den geltenden Urheberrechtsgesetzen zufolge zwar geschützte Werke nicht kopiert, modifiziert und in einer veränderten Form weiterveräußert werden dürfen. Die Nutzung der Werke sei jedoch nicht verboten. Wer eine Zeitung lese, die eine andere Person gekauft hat, müsse auch keine Lizenzgebühren bezahlen, sagte Moglen. Außerdem bezichtigte der Open-Source-Aktivist SCO, gegen die GPL zu verstoßen, indem das Unternehmen selbst eine Linux-Distribution zu den Bedingungen des "Copylefts" veröffentlicht und damit die Lizenz für den Quellcode des Betriebssystems freigegeben habe.

McBrides Argumentation weise fundamentale Fehler auf, sagte Linus Torvalds. Nach Ansicht des SCO-Chefs sei auch die Ehe verfassungswidrig, da sie die kommerzielle Natur sozialer Interaktionen entwerte und somit die wirtschaftliche Entwicklung der Prostitution behindere, so der Linux-Initiator ironisch.

Der Brief McBrides sei erstaunlich, heißt es bei Red Hat. Der Linux-Anbieter wolle die Urheberrechtsforderungen bereits seit längerem gerichtlich klären lassen (Computerwoche online berichtete), sehe sich aber Verzögerungstaktiken seitens SCO ausgesetzt, sagte eine Unternehmenssprecherin. Auch Rechtsexperten zeigten sich verwundert über die erneute Attacke McBrides, da SCO erst vor kurzem die rennomierte Anwaltskanzlei Boies, Schiller & Flexner LLP engagiert hat, um Urheberrechtsfragen zu klären.

Im Internet kursieren unterdessen Gerüchte, der Brief stamme gar nicht aus der Feder Darl McBrides. Das Original-Schriftstück sei von zwei Personen namens "Kevin McBride" und "Dean Zimmerman" verfasst, zeige ein Blick in die Dokumenteigenschaften der Original-Datei. (lex)