Schulung ist keine kommerzielle Ware

16.12.1988

LUDWIGSHAFEN (CW) - Die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung wird allseits unterstrichen, aber die Umsetzung klappt nach wie vor nicht. Mit diesen Worten bringt der stellvertretende DGB-Vorsitzende Gustav Fehrenbach seine Kritik an der derzeitigen Weiterbildungslandschaft auf den Punkt.

Auf der zweiten Fachtagung "Weiterbildung im Arbeitnehmerinteresse - Soziale Gestaltung des Strukturwandels" des Berufsfortbildungswerkes des DGB und der Hans-Böckler-Stiftung kritisierte der stellvertretende DGB-Vorsitzende die Bundesregierung, die "statt einer aktiven Arbeitsmarktpolitik die Einschränkung arbeitsmarktpolitischer Aktivitäten betreibe".

Die Arbeitsämter seien gezwungen, ihre Ausgaben für die berufliche Weiterbildung herunterzufahren. Darunter aber, so Fehrenbach, leide die Qualität des Angebotes.

So wurden dem Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg 933 zusätzlich geplante Stellen nicht genehmigt. Doch bei diesen Einschränkungen soll es nicht bleiben. Bereits zum 1. Januar 1989 will die Bundesregierung die Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung um rund eine Milliarde Mark zusammenstreichen.

Angesichts der gegenwärtigen sozialen, technologischen und kulturellen Veränderungen forderte Fehrenbach, die öffentliche Verantwortung für die berufliche Weiterbildung müsse ausgebaut und verstärkt werden. Das Recht auf Weiterbildung sei "keine kommerzielle Ware", die auf dem Markt gehandelt werden könne. Vielmehr handele es sich hierbei um ein über die Würde des Menschen und die, Persönlichkeitsentfaltung verbürgtes Grundrecht.