Stabilo entwickelt digitalen Stift

Schönschreiben lernen per App

24.06.2019
Von 
Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin in München.
Ein neu entwickelter Stift von Stabilo International vermisst die Handschrift und hilft Kindern, mit Hilfe einer App besser und schöner Schreiben zu erlernen.

Wischen, tippen, drücken - Tablet und Smartphone verdrängen die Handschrift immer mehr aus unserem Leben. Notizen diktieren wir Siri, die wenigen per Hand geschriebenen Aufzeichnungen werden immer unleserlicher. Doch wer mit der Hand schreibt, merkt sich komplexe Themen besser, wie Studien zeigen. Trotz des Trends zu bunten Ausmalbüchern für Erwachsene rechnete der Stiftehersteller Stabilo International damit, dass die Umsätze langfristig sinken.

Im Jahr 2013 begann das vor über 160 Jahren in Nürnberg gegründete Unternehmen, dessen Stifte und Textmarker mit dem Schwan so gut wie jeder kennt, darüber nachzudenken, wie sich Schreibwerkzeuge in die digitale Welt transformieren lassen. Entstanden ist ein neues Produkt, der EduPen, mit dem sich Stabilo um einen DIGITAL LEADER AWARD 2019 beworben hat. Für diese Bewerbung gab es von der Jury den Sonderpreis DIGITIZE EDUCATION.

"Auf dem Weg zur EduPen-Hardware hat es fünf Entwicklungsstufen gegeben. Aus jedem Schritt haben wir etwas dazugelernt. Geduld ist hier eine wichtige Tugend, um das Team zum Erfolg zu führen", sagt Peter Kämpf, Head of Special Product Development von Stabilo International.
"Auf dem Weg zur EduPen-Hardware hat es fünf Entwicklungsstufen gegeben. Aus jedem Schritt haben wir etwas dazugelernt. Geduld ist hier eine wichtige Tugend, um das Team zum Erfolg zu führen", sagt Peter Kämpf, Head of Special Product Development von Stabilo International.
Foto: Stabilo

Der neu entwickelte Stift ähnelt zwar denen aus dem Sortiment von Stabilo, kann aber viel mehr. Wird der Stift eingeschaltet, verbindet er sich über Senoren mit einer App, die für Android und iOS-Tablets verfügbar ist. Wenn Schüler auf einem Blatt Papier verschiedene Schreibübungen absolvieren, messen MEMS-Sensoren ihre Bewegungen.

MEMS, ein mikroelektromechanisches System, erfasst Details wie Beschleunigung, Drehraten, das Magnetfeld und den Andruck auf dem Papier während des Schreibens und sendet diese Informationen als Datensatz drahtlos per Bluetooth Low Energy (BLE) an das damit verbundene Tablet. Die vielen Details könnte ein Mensch mit bloßen Auge nicht erfassen. Die App vergleicht jede Messung mit über 1300 Referenzdatensätzen, um die individuellen Fähigkeiten der Schüler zu bewerten.

Per Knopfdruck erhält die Lehrkraft eine Auswertung, die grafisch dargestellt und übersichtlich die Ergebnisse zusammenstellt. Hapert es beispielsweise mit der Lesbarkeit der Handschrift, schlägt die App auch gleich Übungsblätter vor, die die Lehrerin dem Schüler anschließend aushändigen kann. Auf diese Weise können Schüler ganz individuell beim Schreiben gefördert werden.

Stabilo International liefert den Lehrkräften ein ganzes Service-Paket, neben Stift und Analyse auch die passenden Übungen für die Schülerinnen und Schüler. "Unser Ziel ist es, Kindern neuartige, intelligente Hilfsmittel zur Verfu¨gung zu stellen, die sie dabei unterstu¨tzen, den Automationsgrad ihrer Handschrift, ihr Schriftbild und ihre Rechtschreibung selbststa¨ndig zu verbessern", sagt Peter Kämpf, Head of Special Product Development von Stabilo International.

Anfangs nutzen vor allem Ergotherapeuten den Stift, die ihn mit ihren Patienten testeten. Auf diesem Weg gelang es zwar, Erfahrung mit dem Produkt zu sammeln und Fehler zu beheben, doch um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, brauchte das Produkt einen größeren Kundenkreis. Unterschätzt hatte das Entwicklerteam auch, wie lange es dauert, bis aus einer Idee ein ausgereiftes digitales Produkt entsteht.

Regelmäßige Team-Meetings, gemeinsame Planungsrunden, Jour Fixes und Präsentationen halfen, alle Mitarbeiter immer auf dem Laufenden zu halten. Das Entwicklerteam setzte agile Methoden für die Produktentwicklung ein. Als sich abzeichnete, dass das neue Produkt wirtschaftlich erfolgreich ist, wurde ein fünfköpfiges Forschungs- und Entwicklungsteam gegründet und die Aktivitäten in einem internen Start-up gebündelt.

In separaten Räumen, abseits vom Tagesgeschäft, tüftelte das Team ungestört weiter. Wesentlich für den Erfolg war die Vision und die Beharrlichkeit von Peter Kämpf, sich auf das Risiko einer Neuorientierung einzulassen und sie voranzutrieben. "Dieser Freiraum war der Schlüssel zum Erfolg", sagt Kämpf.

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