Versicherungen und InsurTechs

Schluss mit Grabenkämpfen

16.05.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Stephen Voss ist Gründer und Vorstand Marketing und Vertrieb der Neodigital Versicherung AG. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in der Versicherungswirtschaft und selbst für große Konzerne in unterschiedlichen Positionen gearbeitet. 

Modernisierung wird vorangetrieben

In diesem Zusammenhang sind beispielsweise InsurTechs zu nennen, die die Modernisierung bestimmter, ausgewählter Versicherungsleistungen vorantreiben. Da geht es zum Beispiel um die Schadenabteilung und das Claims Management – beides Bereiche mit großem Potenzial für Service und auch für die Bilanz. Und genau da passiert gerade viel.

So wird unter anderem durch die Hamburger claimsforce.com das Thema Schadenprozess und Selektion vorangetrieben. Aber auch die digitale Kommunikation über Chatbots mit dem Kunden findet Ansätze und Unterstützung wie etwa durch e-bot7.de aus München.

Auch moderne Identifikationsverfahren sind ein weites Feld mit großer Nachfrage. Anbieter wie die Darmstädter Authdata oder das Hamburger StartUp Nect, das sich mit einer einfachen und sicheren Identitätsfeststellung über die Smartphone-Kamera im Markt einen Namen gemacht hat, sind attraktive Partner - auch für traditionelle Versicherer. Denn die Chefetagen der großen Häuser haben erkannt, wie sinnvoll es sein kann, die neue moderne Konkurrenz enger an sich zu binden.

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Die Frage, warum die InsurTechs den Digitalisierungsbemühungen der traditionellen Versicherer gelassen gegenüberstehen, lässt sich also in zwei Teilen beantworten. Die InsurTechs haben als neu gegründete Unternehmen strukturelle Vorteile, die zu einem technologischen Vorsprung in vielen Bereichen geführt haben. Wegen dieses Vorsprungs werden die Bemühungen der etablierten Player gelassen gesehen, aber aufmerksam verfolgt. Denn auch den InsurTechs ist bewusst, welche Kraft in dem wirtschaftlichen Potenzial der Branchengrößen steckt und dass man sich auch von weniger erfolgreichen Initiativen der Großen nicht täuschen lassen sollte.

Verhältnis zueinander ist wenig konfrontativ

Ein weiterer Grund für die Gelassenheit ist aber auch, dass sowohl alte als auch neue Marktteilnehmer erkannt haben, dass sie voneinander profitieren können.

Dadurch, dass beide Gruppen die jeweiligen Vorteile einer Zusammenarbeit erkannt haben und auf vielen Feldern Kooperationen ausloten, ist das Verhältnis insgesamt wenig konfrontativ. Man weiß die jeweils andere Seite einfach einzuschätzen, so dass nach den Jahren des Beschnupperns und des Nebeneinanders eine Phase der Kooperation und des Austausches begonnen hat. Die notwendige Infrastruktur ist in Deutschland mit den InsurTech Hubs mittlerweile gegeben. Diese Phase sollte die Versicherungsbranche insgesamt weiter voranbringen. Die Chancen hierfür jedenfalls stehen gut.