Ignorante Arbeitgeber

Schlechte Stellenanzeigen - keine Bewerber

28.12.2021
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Stellenanzeigen sind in der Kritik: zu phrasenhafte Aussagen, unübersichtlicher Aufbau, fehlende Kontaktinformationen - alles Gründe, warum Jobkandidaten mindestens einmal auf eine Bewerbung verzichteten.
Viele Arbeitgeber ignorieren nach wie vor, Stellenauschreibungen professionell vorzubereiten und wundern sich, wenn sich wenig Kandidaten bewerben.
Viele Arbeitgeber ignorieren nach wie vor, Stellenauschreibungen professionell vorzubereiten und wundern sich, wenn sich wenig Kandidaten bewerben.
Foto: Pixsooz - shutterstock.com

Deutsche Arbeitgeber verlieren durch den Stil ihrer Stellenanzeigen zahlreiche Bewerber. Das ist das Ergebnis des aktuellen HR Monitors des HR-Marktforschungsunternehmens Trendence. Demnach gaben 47,6 Prozent der darin befragten Bewerber an, dass sie aufgrund zu allgemeiner Phrasen in Stellenanzeigen bereits auf Bewerbungen verzichtet hätten.

Einen unübersichtlichen Aufbau nannten mehr als ein Drittel als Grund für den Verzicht auf eine Bewerbung. Auf Rang drei des Verhinderungsrankings landet ein schwacher Sprachstil, gefolgt von unverständlichen Jobtiteln (33,7 Prozent) sowie fehlenden Kontaktdaten (28,2 Prozent). Den Sprachstil in Inseraten kritisieren vor allem weibliche Bewerberinnen mit einem überdurchschnittlichen hohen Anteil von 38,9 Prozent. Nach wie vor sind Stellenanzeigen die für Kandidaten wichtigste Infoquelle, wenn es um einen neuen Job geht. So geben 71,2 Prozent der Befragten an, über sie auf neue berufliche Herausforderungen aufmerksam zu werden.

Keine Kontaktinformationen geht nicht

"Stellenanzeigen sind nach wie vor das wichtigste Werkzeug im Instrumentenkoffer von Arbeitgebern, die nach neuen Mitarbeitern suchen," weiß Robindro Ullah, Geschäftsführer des Trendence Institutes. Daher sei es verblüffend, wie viele handwerkliche Fehler hier immer noch gemacht würden. Aufbau, Sprachstil und klare Kommunikation sollten aus seiner Sicht längst verinnerlicht sein. Ihre Analyse zeige, dass dies offenbar nicht der Fall ist.

Dazu passt ein Ergebnis zu einer eigentlich einfachen Grundvoraussetzung: So nennen Studierende vor allem fehlende Kontaktinformationen als Grund dafür, warum sie auf Bewerbungen verzichten. 40,8 Prozent der Hochschulabsolventen geben dies entsprechend an. "Kontaktinformationen sind die absolute Mindestvoraussetzung dafür, einen Dialog in Gang zu bringen. Und ein Bewerbungsprozess ist letztlich ein solcher Dialog", so Ullah weiter.

Studierende am Gehalt interessiert

Wenn es inhaltlich darum geht, welche Arbeitgeberleistungen Bewerber in Stellenanzeigen am meisten interessieren, sind das vor allem die Rahmenbedingungen eines Jobs. So ist es den Befragten am wichtigsten, darin Informationen über das Gehalt (49,5 Prozent halten diese für sehr wichtig) sowie die Arbeitszeit (45,9 Prozent) vorzufinden. Bereits an dritter Stelle folgen Hinweise auf Homeoffice-Regeln, die 40,3 Prozent der Kandidaten als sehr wichtig für ihre Bewerbungsentscheidung einstufen.

Zum Vergleich: Auskünfte zu konkreten Benefits im jeweiligen Unternehmen schätzen nur 29,3 Prozent so ein. Studierende sind indes gar nicht so sehr an Homeoffice-Regelungen interessiert - von ihnen schätzen nur 25,8 Prozent diese als "sehr wichtig" ein. "Die Erfahrungen von Studierenden mit dem Home-Office während der Pandemie sind weniger positiv als die der berufserfahrenen Beschäftigten. Das nehmen sie mit in den Berufsstart und suchen nach anderen Aspekten in Stellenanzeigen. Für sie steht die Arbeitszeitregelung an erster Stelle", kommentiert der Trendence-Chef.

Stellenbörsen erste Adresse für Stellensuchende

Nach wie vor sind Jobbörsen der Ort an dem Jobsuchende nach Stellenanzeigen suchen. 64,2 Prozent nennen diese als primäre Quelle dafür. Business-Netzwerke wie LinkedIn oder XING werden von 47,6 Prozent dafür genutzt, Unternehmenswebsites von 46,5 Prozent. Über Suchmaschinen wie Google gehen dagegen nur 29 Prozent der Bewerber.