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SAP will sich durch Übernahme und Ausbau von Dienstleistungen verstärken

13.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der größte europäische Softwarekonzern SAP ist auf der Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten. Dies könnten Zukäufe sein, um das Unternehmen in bestimmten Branchen zu ergänzen, sagte Vorstandschef Henning Kagermann der "WirtschaftsWoche".

Verstärkung suche SAP vor allem bei Finanzdienstleistern, in der Telekommunikation und bei Software für öffentliche Verwaltungen. "Vorstellbar sind auch Käufe in bestimmten Ländern, etwa Schwellenländern, um einen schnelleren Markteintritt zu erreichen", sagte er.

Die Übernahmen würden allerdings voraussichtlich kleiner als das US-Softwarehaus Retek sein, das kürzlich für rund 670 Millionen Dollar an den Konkurrenten Oracle ging. Auch eine Fusion will der SAP-Chef nicht komplett ausschließen. Selbst wenn Oracle-Chef Larry Ellison ihn persönlich anriefe, würde er nicht sofort auflegen: "Ich würde ihm zuhören." Unabhängigkeit sei kein Selbstzweck, und ein Vorstand sei nicht eingesetzt, "um in einem Unternehmen seinen eigenen Egotrip durchzusetzen", so Kagermann.

Investieren will SAP in den nächsten Jahren vor allem in die kundenspezifische Entwicklung eigener Programmmodule. "Wir haben bereits eine Gruppe von 500 Entwicklern für individuelle Kundenlösungen", erklärte der SAP-Chef. Die Gruppe könne auf mehrere tausend Mitarbeiter hochgefahren werden, "falls mehr Kunden Zusatzentwicklungen auf unserer Plattform haben wollen".

Obwohl SAP seinen Partnern zugesagt hat, im Dienstleistungsgeschäft im SAP-Umfeld unter 20 Prozent bleiben zu wollen, erklärte Kagermann jetzt: "Bei der Entwicklung von Kundensoftware wollen wir uns nicht von vorneherein auf 20 Prozent Marktanteil begrenzen, sondern uns an der Nachfrage ausrichten. Das ist eine Frage des mittelfristigen Kundenverhaltens." (dpa/tc)