SAP-Kunden tappen im Dunkeln

09.03.2005
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Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.

"Der Alltag der Nutzer ist ganz woanders als das Denken der SAP", sagt Helmuth Gümbel, Analyst von Strategy Partners. Das Gerede von der Business Process Platform verunsichere die Anwender. Angesichts der SAP-Pläne müssten sich diese jedoch schnell eine Strategie überlegen. Gümbels Einschätzung zufolge habe die SAP ihre Servicearchitektur noch nicht bis zum Ende durchdacht. Es genüge nicht, einzelne Module aus R/3 herauszubrechen und neu zu verpacken. Gümbel geht davon aus, dass höchstens 15 Prozent der bestehenden SAP-Software bereits ESA-geeignet seien. Der Rest müsse mehr oder weniger große Überarbeitungen über sich ergehen lassen.

Die SAP-Kunden müssten sich jetzt überlegen, ob sie jeden Schritt der SAP auf dem Weg zu ESA mitmachen wollen oder ob es nicht sinnvoller sei, die SAP-Systeme einzufrieren und erst einmal abzuwarten. "Die sukzessiven Migrationen können die Kunden teuer zu stehen kommen", mutmaßt Gümbel. Allerdings, so räumt der Analyst ein, beruhe diese Annahme auf Erfahrungen mit Migrationen der Vergangenheit.

Die SAP bemüht sich allem Anschein nach, auf die Sorgen ihrer Kunden einzugehen. So betonte SAP-Vorstand Gerhard Oswald zuletzt, die Investitionen der Anwender müssten so weit wie möglich geschützt werden. Auch der Migrationsaufwand müsse so klein wie möglich gehalten werden. Trotz dieser Beteuerungen lässt auch Oswald keinen Zweifel zu, dass ein Generationswechsel bei der SAP ansteht: "Es ist ein großer Umbau im Gange."