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SAP konkretisiert Indirect-Access-Lizenzpläne

05.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vor einiger Zeit berichteten wir über eine Warnung von Gartner, SAP werde in diesem Jahr verstärkt Lizenzgebühren für den so genannten Indirect Access (indirekten Zugriff) auf seine Produkte einfordern. Dazu sollen bereits vorhandene, aber bislang selten verfolgte Vertragskonditionen genutzt werden. CEO (Chief Executive Officer) Henning Kagermann erläuterte die Grundsatzentscheidung im Interview mit "Computerwire".

Der Indirect Access beschreibt Situationen, in denen Anwender Daten durch eine SAP-Engine an eine Third-Party-Anwendung weiterreichen, wo auch mehrere Nutzer ohne SAP-Lizenz darauf zugreifen können. Aktuelle Lizenzverträge enthalten bereits Klauseln für solche Zugriffe über Drittanwendungen, diese wurden aber vom Hersteller bislang nicht umgesetzt. Gartner-Experte Derek Prior sagte dazu, SAP vermenge sein eigenes Datenmodell mit den Kundendaten. Das Walldorfer Unternehmen ist indes der Ansicht, dass wo Optimierungs-Engines wie Business Warehouse merklichen Mehrwert erzeugten, es auch Geld dafür verlangen dürfe.

"Wir müssen fair sein", sagte Kagermann. "Wir liefern große Engines, die 80 Prozent der Arbeit erledigen. Dann kommen die Kunden, ziehen die Daten heraus und packen diese in Anwendungen, auf die hunderte Nutzern zugreifen, die dafür nicht zahlen. Das kann nicht sein." Ein solches Modell arbeite gegen die SAP und sei unfair, weil der Anwender dabei aus seiner Single-User-Lizenzzahlung einen unangemessen hohen Nutzen ziehe. Drakonisch werde SAP aber auch nicht gegen seiner Anwenderschaft zu Felde ziehen, deutete Kagermann an. Zentral sei die Frage, ob die SAP-Software Daten eher unverändert lasse oder deutlich aufwerte.

"Die Leute sollten ebenfalls fair sein. Wir haben zwei Modelle, eines bei dem wir Software haben mit der wir Nutzer anziehen und dann auch pro Nutzer abrechnen - das ist ein bekanntes Modell. Sieht man sich die Optimierungs-Engines an, die sehr schwierig zu entwickeln sind und großen Nutzen bringen, aber wenige User on top haben, verwenden wir hier ein Pricing, das nicht von der Nutzerzahl abhängt."

Ein Anwender könne etwa all seine SAP Daten ins Business Warehouse importieren, verschiedene Cubes definieren und dann angeben, es gebe keinerlei Nutzer, weil die Daten über ein Legacy-System verteilt werden. Hierbei würde SAP nur eine Ein-Nutzer-Lizenzgebühr erhalten. "Das ist für die meisten Firmen keine Win-win-Situation, und um fair zu sein sollte es das. Die Kunden müssen uns respektieren, oder wir können unsere Entwicklung nicht finanzieren", so Kagermann weiter.

Für Verhandlungen sei man offen und werde sich flexibel zeigen, versprach der SAP-Chef. Streitigkeiten werden aber wohl kaum zu vermeiden sein, vor allem wenn es rückwirkend um die Definition von Mehrwert und faire Preise geht. Neue Verträge dürften unproblematischer sein. Außerdem ist noch unklar, wie genau SAP feststellen will, ob ein Kunde Indirect Access verwendet oder nicht. (tc)